Subsidiary constitutional complaint inadmissible for insufficient reasoning

4D_83/2010Tribunale federale / I divisione civile2 ago 2010Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Supreme Court held that an ordinary civil law appeal was unavailable because the required amount in dispute was not reached and no fundamental legal question arose. The appellant’s submissions were therefore examined only as a subsidiary constitutional complaint. They failed to meet the strict reasoning requirements, since no concrete constitutional rights violations were sufficiently alleged and substantiated with reference to the cantonal decision. The Court thus did not enter into the complaint and waived court costs.

Massima Omnilex

Art. 74 BGG, Art. 116, 117 BGG, Art. 42 Abs. 2 and Art. 106 Abs. 2 BGG; admissibility of the civil law appeal and requirements for the subsidiary constitutional complaint. A civil law appeal is inadmissible where neither the value threshold nor a question of fundamental importance is present. In such a case, a filing is to be treated as a subsidiary constitutional complaint only insofar as it seeks protection of constitutional rights. The complaint must expressly identify the constitutional rights allegedly violated and substantiate the criticism by reference to the reasoning of the challenged decision; mere assertions are insufficient. Failure to comply leads to non-entry under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG. The pending revision request before the cantonal court does not justify suspension where it cannot affect the federal judgment (Art. 6 Abs. 1 BZP in connection with Art. 71 BGG).

Testo completo

{T 0/2}
4D_83/2010

Urteil vom 2. August 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Huguenin.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Nichteintreten,

Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer als Beschwerdeinstanz, vom 2. Juli 2010.
In Erwägung,
dass das Friedensrichteramt Flühli den Beschwerdeführer mit Kostenentscheid vom 30. April 2010 zur Bezahlung der Tageskosten von insgesamt Fr. 570.-- verpflichtete, da er zum Aussöhnungsversuch unentschuldigt nicht erschienen war;

dass der Beschwerdeführer den Kostenentscheid am 4. Mai 2010 mit Nichtigkeitsbeschwerde beim Obergericht des Kantons Luzern anfocht;

dass das Obergericht, welches das Beschwerdeverfahren unter der Prozessnummer 11 10 83 führte, den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. Mai 2010 zur Leistung eines Gerichtskostenvorschusses von Fr. 300.-- bis 28. Mai 2010 aufforderte;

dass der Beschwerdeführer am 25. Mai 2010 ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellte, das vom Präsidenten der I. Kammer des Obergerichts mit Entscheid vom 4. Juni 2010 abgewiesen wurde;

dass der Beschwerdeführer vom Obergericht mit Verfügung vom 8. Juni 2010 aufgefordert wurde, den Gerichtskostenvorschuss von Fr. 300.-- bis 18. Juni 2010 zu bezahlen, ansonsten auf die Nichtigkeitsbeschwerde nicht eingetreten werde;

dass das Obergericht mit Entscheid vom 2. Juli 2010 auf die Nichtigkeitsbeschwerde nicht eintrat, weil der Beschwerdeführer den verlangten Gerichtskostenvorschuss nicht fristgemäss bezahlt hatte;

dass der Beschwerdeführer dem Obergericht und dem Bundesgericht je eine vom 8. Juli 2010 datierte und als "Rechtsverweigerungsbeschwerde" bzw. "Beschwerde" betitelte Eingabe einreichte, in der er erklärte, "gegen die Verfügung 11 10 83" "Rechtsverweigerungsbeschwerde" bzw. "Beschwerde" zu erheben;

dass das Obergericht die bei ihm eingereichte Eingabe am 9. Juli 2010 an das Bundesgericht weiter leitete;

dass das Obergericht dem Bundesgericht mit Schreiben vom 14. Juli 2010 mitteilte, dass der Beschwerdeführer gegen dessen Entscheid vom 2. Juli 2010 ein Revisionsbegehren eingereicht habe;

dass dieser Umstand keinen Anlass bildet, das bundesgerichtliche Verfahren zu sistieren, da der Entscheid des Obergerichts über das Revisionsbegehren das Urteil des Bundesgerichts nicht beeinflussen kann (Art. 6 Abs. 1 BZP in Verbindung mit Art. 71 BGG);

dass eine Beschwerde in Zivilsachen im vorliegenden Fall nicht zulässig ist, weil der erforderliche Streitwert von Fr. 30'000.-- bzw. Fr. 15'000.-- (Art. 74 Abs. 1 lit. a und b BGG) nicht erreicht wird und sich keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG stellt;

dass die Eingaben des Beschwerdeführers unter diesen Umständen als subsidiäre Verfassungsbeschwerde im Sinne von Art. 113 ff. BGG zu behandeln sind;

dass mit einer solchen Beschwerde ausschliesslich die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden kann (Art. 116 BGG);

dass in der Beschwerdeschrift dargelegt werden muss, welche verfassungsmässigen Rechte durch das kantonale Gericht verletzt worden sind, und solche Rügen unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides zu begründen sind (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 117 BGG);

dass die Eingaben des Beschwerdeführers vom 8. Juli 2010 diesen Anforderungen offensichtlich nicht genügen, weshalb auf die Beschwerde mangels hinreichender Begründung nicht einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG);

dass unter den gegebenen Umständen auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ist (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG),

erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, I. Kammer als Beschwerdeinstanz, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. August 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Huguenin

Parole chiave

inadmissibilityconstitutional complaintlegal aidcourt costsadvance on costsreasoning requirementvalue thresholdnon-entry

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether a civil law appeal was admissible despite the low amount in dispute and no important legal question

Decisione estratta

A civil law appeal was not available because the statutory amount in dispute was not reached and no question of fundamental importance arose.

Motivazione estratta

The value threshold under Art. 74 BGG was not met, and the case did not present a fundamental legal question.

Questione giuridica chiave

Whether the filing could be treated as a subsidiary constitutional complaint and met the reasoning requirements

Decisione estratta

The filing could be treated only as a subsidiary constitutional complaint, but it was inadmissible because it did not sufficiently identify and substantiate constitutional rights violations.

Motivazione estratta

Under Arts. 116, 42(2), 106(2), and 117 BGG, constitutional grievances must be expressly raised and reasoned by reference to the contested decision; the submission failed to do so.

Questione giuridica chiave

Whether court costs should be charged for the federal proceedings

Decisione estratta

No court costs were imposed in view of the circumstances.

Motivazione estratta

The court exercised its discretion under Art. 66(1) second sentence BGG to waive costs.

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