Costs, compensation and satisfaction after acquittal

6B_589/2012Tribunale federale / Divisione penale15 nov 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Supreme Court dismissed the appellant's complaint against the Bern cantonal judgment refusing compensation and satisfaction after her acquittal for trespass. It held that parts of the complaint were inadmissible because they did not properly engage with the appellate reasoning and because the acquitted trespass charge could not be reviewed again. The Court upheld the refusal to compensate the appellant's accompanying 'ghostwriter' and the denial of satisfaction, finding no necessary participation and no serious personal harm. Free legal aid was denied as the complaint was hopeless, and CHF 800 in court costs were imposed on the appellant.

Massima Omnilex

Art. 42 Abs. 2, 64, 65 Abs. 2, 66 Abs. 1 BGG; compensation and satisfaction claims after acquittal: a federal complaint must specifically address the reasoning of the challenged judgment; submissions referring merely to earlier cantonal allegations are inadmissible. Compensation for a hearing companion is owed only where the presence of that person was necessary for the conduct of the proceedings; a privately paid accompanying person without procedural function does not trigger a state indemnity duty. An acquittal, by itself, does not constitute a serious infringement of personality sufficient for satisfaction. Free legal aid is refused where the complaint is manifestly devoid of prospects; costs are imposed on the losing party, taking account of financial circumstances.

Testo completo

{T 0/2}
6B_589/2012

Urteil vom 15. November 2012
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Schneider,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber C. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, 3011 Bern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Parteientschädigung (Hausfriedensbruch); Willkür,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Bern, Strafabteilung, 1. Strafkammer,
vom 28. August 2012.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Einzelgericht Bern-Mittelland sprach die Beschwerdeführerin am 6. Februar 2012 von der Anschuldigung des Hausfriedensbruchs zum Nachteil der Migros frei. Es auferlegte die Verfahrenskosten dem Kanton Bern. Eine Entschädigung richtete das Gericht nicht aus.

Das Obergericht des Kantons Bern trat am 28. August 2012 auf eine Berufung der Beschwerdeführerin nicht ein, soweit sie sich auf den Freispruch, die Auferlegung der Verfahrenskosten an den Kanton Bern und die beantragte Aufhebung des Hausverbots der Migros bezog. Das Gericht sprach weder eine Entschädigung noch eine Genugtuung zu.

Die Beschwerdeführerin wendet sich ans Bundesgericht und beantragt sinngemäss, der Entscheid des Obergerichts sei in allen Punkten aufzuheben.

2.
In einer Beschwerde ist unter Bezugnahme auf den angefochtenen Entscheid anzugehen, inwieweit dieser das Recht im Sinne von Art. 95 BGG verletzen soll (Art. 42 Abs. 2 BGG). Soweit die Beschwerdeführerin auf die Vorbringen im kantonalen Verfahren verweist, die sich noch gar nicht auf den angefochtenen Entscheid beziehen können, ist darauf nicht einzutreten.

3.
Die Gründe, die zum Hausverbot der Migros führten, sind für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens unerheblich. Die entsprechenden Ausführungen sind nicht zu hören.

4.
Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs wurde die Beschwerdeführerin freigesprochen. Folglich kann dieser ursprünglich gegen sie erhobene Vorwurf nicht Gegenstand einer Prüfung durch das Bundesgericht sein.

5.
Das Dispositiv des erstinstanzlichen Urteils vom 6. Februar 2012 ist klar und eindeutig. Inwieweit das Recht im Sinne von Art. 95 BGG eine andere Formulierung oder eine Erläuterung verlangen würde, ergibt sich aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht (vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. 28 und 30).

6.
In Bezug auf die verweigerte Entschädigung kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtenen Entscheid S. 5-7 E. II/1). Zwar durfte sich die Beschwerdeführerin ohne Weiteres durch ihren "Ghostwriter" an die Gerichtsverhandlung begleiten lassen. Dieser hatte dort indessen keine Funktion, und seine Begleitung war auch nicht notwendig, zumal aus der Beschwerde nicht ersichtlich ist, inwieweit er anlässlich der Verhandlung ein Keybord hätte bedienen müssen (vgl. Beschwerde S. 9 Ziff. 40). Er musste deshalb wie jede andere beliebige Begleitperson nicht entschädigt werden. Wenn die Beschwerdeführerin ihm für die Begleitung etwas bezahlen wollte, so löste dies keine Entschädigungspflicht des Staates aus.

7.
Auch in Bezug auf die verweigerte Genugtuung kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtenen Entscheid S. 8/9 E. 2). Der Umstand, dass ein Strafverfahren schliesslich zu einem Freispruch führt, vermag noch keine schwere Verletzung in den persönlichen Verhältnissen des Betroffenen zu begründen.

8.
Die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen Lage der Beschwerdeführerin ist bei der Bemessung der Gerichtskosten Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, Strafabteilung, 1. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. November 2012

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Der Gerichtsschreiber: Monn

Parole chiave

compensationsatisfactionacquittaladmissibilitylegal aidcourt coststrespasshouse ban

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the appeal against the cantonal appellate judgment was admissible regarding acquittal, costs, and removal of the house ban.

Decisione estratta

The complaint could not be examined insofar as it challenged matters already decided in the appellant's favor or insufficiently addressed the appellate judgment.

Motivazione estratta

A federal complaint must specifically attack the reasoning of the challenged decision under Art. 42(2) BGG; prior cantonal submissions and irrelevant arguments could not be considered.

Questione giuridica chiave

Whether the appellant was entitled to compensation for the presence of a 'ghostwriter' at the hearing.

Decisione estratta

No compensation was due for the accompanying person.

Motivazione estratta

The companion had no function at the hearing and his presence was not necessary; if the appellant wished to pay him privately, this did not create a state compensation duty.

Questione giuridica chiave

Whether the appellant was entitled to satisfaction after the criminal proceedings ended in acquittal.

Decisione estratta

No satisfaction was awarded.

Motivazione estratta

An acquittal alone does not establish a serious infringement of personal interests.

Questione giuridica chiave

Whether the request for free legal aid in the federal proceedings should be granted.

Decisione estratta

The request was denied because the complaint had no prospects of success.

Motivazione estratta

Under Art. 64 BGG, legal aid is unavailable where the legal claims are hopeless.

Questione giuridica chiave

Who bears the costs of the federal proceedings.

Decisione estratta

The appellant must pay the court costs, reduced to account for her financial situation.

Motivazione estratta

Costs follow the outcome under Art. 66(1) BGG; her financial circumstances were considered under Art. 65(2) BGG.

Continua la tua ricerca in ChatGPT o Claude

Collega Omnilex per cercare nel corpus legale dal tuo assistente IA.