AHV damage compensation reduced by excluded fine

9C_64/2008Tribunale federale / III divisione di diritto pubblico14 feb 2008Partially Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Supreme Court partially upheld the appeal against the Bern cantonal administrative court’s confirmation of AHV damage compensation. It held that the public law appeal was admissible, making the subsidiary constitutional complaint inadmissible, and refused to entertain the request to proceed against another alleged co-liable person. On the merits, the court confirmed grossly negligent conduct and liability of the sole board member, but excluded a CHF 1,500 administrative fine from compensable damage. The compensation claim was therefore reduced from CHF 34,135.25 to CHF 32,635.25. Court costs of CHF 3,000 were imposed on the appellant.

Massima Omnilex

Art. 52 AHVG; damage compensation for unpaid social security contributions: loss certificates establish the compensable damage, which cannot later be contested in the compensation proceedings, including by disputing the debtor’s employee status. In solidarity liability, the creditor is free to choose against which liable person it proceeds; a request to direct proceedings against another co-liable person is therefore inadmissible absent an appealable object. Administrative fines do not form part of the damage under Art. 52 AHVG and must be excluded from the claim. The employer organ’s supervisory duties under Art. 14 Abs. 1 AHVG and Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR may ground gross negligence where no exculpatory reasons are shown (consid. 2–4).

Testo completo

{T 0/2}
9C_64/2008

Urteil vom 14. Februar 2008
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Seiler,
Gerichtsschreiberin Keel Baumann.

Parteien
H.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Beiträge und Zulagen, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Alters- und Hinterlassenenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 3. Dezember 2007.

Nach Einsicht in
die von H.________ erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten und subsidiäre Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Dezember 2007, mit welcher die Schadenersatzforderung der Ausgleichskasse des Kantons Bern im Betrag von Fr. 34'135.25 bestätigt wird (Einspracheentscheid vom 26. Juli 2007),
In Erwägung,
dass die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zulässig ist (Art. 82 lit. a BGG), so dass auf die ebenfalls eingereichte subsidiäre Verfassungsbeschwerde nicht einzutreten ist (Art. 113 BGG),
dass auf das Begehren, es sei eine Schadenersatzverfügung gegen P.________ zu erlassen, nicht eingetreten werden kann, da diesbezüglich kein Anfechtungsobjekt vorliegt und es im Übrigen infolge der Solidarhaftung der Schadenersatzpflichtigen Sache der Ausgleichskasse ist, gegen welchen von mehreren Pflichtigen sie vorgehen will (BGE 108 V 189 E. 3 S. 195 f., 119 V 86 E. 5a S. 87),
dass die Vorinstanz verbindlich (Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG) das Vorliegen von Verlustscheinen für die geltend gemachten Beitragsforderungen festgestellt hat, womit der Schaden im Sinne von Art. 52 AHVG ausgewiesen ist und im Schadenersatzverfahren nicht mehr in Frage gestellt werden kann (Urteil H 144/04 vom 9. Februar 2005, E. 4.2), namentlich auch nicht damit, dass die Arbeitnehmereigenschaft des Geschäftsführers bestritten wird,
dass auch die vom Beschwerdeführer behauptete, nach wie vor bestehende Zahlungsfähigkeit der Firma B.________ am Schaden nichts ändert, zumal nicht einzusehen wäre, weshalb die Firma B.________ - hätte sie die erforderlichen Mittel - die Beitragsausstände nicht bezahlt hätte,
dass die Behauptung, es liege ein Check zu Gunsten der AHV vor, ein unzulässiges Novum ist (Art. 99 BGG) und am Schaden nichts ändert, sondern dieser Umstand allenfalls in einem Vollstreckungsverfahren gegen den Beschwerdeführer geltend zu machen ist (Art. 81 Abs. 1 SchKG),
dass der Beschwerdeführer unbestritten (einziges) Verwaltungsratsmitglied der Firma B.________ ist und damit Organstellung hat,
dass zu den Pflichten eines Arbeitgebers auch gehört, für die fristgerechte Zahlung der AHV-Beiträge zu sorgen (Art. 14 Abs. 1 AHVG),
dass im vorliegenden Fall für die mehrere Jahre zurückliegenden Beitragsausstände keine Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe ersichtlich sind, solche angesichts der nicht übertragbaren Oberaufsichtsbefugnisse des Verwaltungsrates (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR) insbesondere auch nicht darin liegen können, dass der Geschäftsführer angeblich seine Pflichten nicht wahrgenommen hat,
dass das Verhalten des Beschwerdeführers damit als grobfahrlässig zu qualifizieren ist und die Vorinstanz die Ersatzpflicht grundsätzlich mit Recht bejaht hat,
dass jedoch in der streitigen Forderung eine im Jahre 2007 ausgesprochene Ordnungsbusse im Betrag von Fr. 1'500.- enthalten ist, welche nicht zum Schaden im Sinne von Art. 52 AHVG gehört (Urteile H 194/96 vom 4. November 1996, E. 4c, und H 142/03 vom 19. August 2003, E. 5.6), so dass der geltend gemachte Schadenersatz um diesen Betrag zu reduzieren ist,
dass mit dem sofortigen Entscheid in der Sache das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos wird,
dass der unterliegende Beschwerdeführer die Kosten des Verfahrens trägt (Art. 66 Abs. 1 BGG), woran die teilweise Gutheissung in ganz untergeordnetem Umfang nichts ändert,
erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. In Abänderung des Entscheids des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 3. Dezember 2007 und des Einspracheentscheids der Ausgleichskasse des Kantons Bern vom 26. Juli 2007 wird der Beschwerdeführer verpflichtet, der Beschwerdegegnerin Schadenersatz im Betrag von Fr. 32'635.25 zu bezahlen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3000.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.
Luzern, 14. Februar 2008
Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Meyer i.V. Nussbaumer

Parole chiave

social insuranceAHV contributionsdamage compensationgross negligenceorgan liabilitysolidary liabilityloss certificateadministrative finecourt costsinadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the subsidiary constitutional complaint was admissible alongside the public law appeal

Decisione estratta

The public law appeal was admissible, so the subsidiary constitutional complaint could not be entered into.

Motivazione estratta

When the ordinary federal appeal is available, the subsidiary constitutional complaint is excluded.

Questione giuridica chiave

Whether the request to issue a damage compensation order against P. could be entertained

Decisione estratta

No; there was no appealable object, and the compensation fund may choose which jointly liable person to pursue.

Motivazione estratta

The claim concerned solidarity liability and the creditor decides against which liable person to proceed.

Questione giuridica chiave

Whether the asserted AHV contribution loss constituted compensable damage under Art. 52 AHVG

Decisione estratta

Yes, except for the administrative fine included in the claim.

Motivazione estratta

The existence of loss certificates established the damage; this could no longer be disputed, but an administrative fine of CHF 1,500 was not part of compensable damage.

Questione giuridica chiave

Whether the appellant acted with gross negligence and was liable as company organ

Decisione estratta

Yes; as sole board member he had organ status and no exculpatory reasons were shown.

Motivazione estratta

The duty to ensure timely payment of AHV contributions lies with the employer/board, and the alleged inaction of the manager did not excuse the appellant.

Questione giuridica chiave

Whether the requested stay or suspensive effect remained pending

Decisione estratta

It became moot because the matter was decided immediately.

Motivazione estratta

A final decision on the merits rendered the interim request without object.

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