Indictment returned for lack of structure and precision

SK.2015.37Tribunale penale federale / Camera penale24 ago 2015Other

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Criminal Court held that the Federal Prosecutor's 674-page indictment against A. and B. was not drafted with sufficient structure or specificity to satisfy the Criminal Procedure Code. It returned the indictment for correction, stayed the proceedings, and transferred pendency back to the prosecution. The court also noted that the request for post hoc authorization from Monaco became moot and that A.'s security detention fell away by operation of law. No court costs were charged.

Massima Omnilex

Art. 325 Abs. 1 lit. f, Art. 328, Art. 329 Abs. 1-3 StPO; multi-defendant indictment requirements and return for correction; an indictment must set out the alleged conduct concisely but precisely and allocate it, as far as possible, to the individual accused. In complex cases the factual narrative must be structured in a way that allows immediate subsumption and clear differentiation between main, alternative, and subsidiary allegations; superfluous details are to be omitted. If, on review, the court cannot yet render judgment, it must stay the proceedings and return the indictment for supplementation or correction (consid. 2-5).

Testo completo

Beschluss vom 24. August 2015 Strafkammer Besetzung

Bundesstrafrichterin Sylvia Frei, Vorsitz, Bundesstrafrichter Peter Popp und Walter Wüthrich, Gerichtsschreiberin Anne Berkemeier Keshelava

Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staats- anwalt des Bundes René Eichenberger,

und als Privatklägerschaft:

  1. C. Holding, vertreten durch Rechtsanwalt Mar- tin Burkhardt,

  2. Bank D., vertreten durch Rechtsanwalt Ernst F. Schmid,

  3. E. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Bernet,

gegen B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l

Ges c häft s n um m er: S K . 201 5.3 7

  • 2 -
  1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Da- niel Walder,

  2. B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Ad- rian Ramsauer,

Gegenstand Gewerbsmässiger Betrug, Betrug, evtl. Gehilfenschaft oder Anstiftung zu qualifizierter ungetreuer Geschäfts- besorgung, mehrfache versuchte und vollendete Ver- untreuung, Gehilfenschaft oder Anstiftung zu mehrfa- cher versuchter und vollendeter Veruntreuung, evtl. mehrfache versuchte und vollendete qualifizierte un- getreue Geschäftsbesorgung, qualifizierte Geldwä- scherei, Urkundenfälschung

Rückweisung der Anklage

  • 3 - Die Strafkammer erwägt:
  1. Die Bundesanwaltschaft erhob am 27. Juli 2015 bei der Strafkammer des Bun- desstrafgerichts Anklage gegen A. und B. wegen gewerbsmässigem Betrug, Be- trug, evtl. Gehilfenschaft oder Anstiftung zu qualifizierter ungetreuer Geschäfts- besorgung, mehrfacher versuchter und vollendeter Veruntreuung, Gehilfenschaft oder Anstiftung zu mehrfacher versuchter und vollendeter Veruntreuung, evtl. mehrfacher versuchter und vollendeter qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesor- gung, qualifizierter Geldwäscherei und Urkundenfälschung (pag. TPF 391.100.00001 ff.).
  2. Gemäss Art. 328 StPO wird das Verfahren mit Eingang der Anklageschrift beim Gericht rechtshängig. Mit der Rechtshängigkeit gehen die Befugnisse im Verfah- ren auf das Gericht über. Dazu gehört insbesondere die Prüfung, ob die Ankla- geschrift und die Akten ordnungsgemäss erstellt sind (Art. 329 Abs. 1 lit. a StPO). Das Gericht sistiert das Verfahren und weist, falls erforderlich, die Anklage zur Ergänzung oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurück, wenn sich auf- grund dieser Prüfung oder später im Verfahren ergibt, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann (Art. 329 Abs. 2 StPO). Das Gericht entscheidet, ob ein sistierter Fall bei ihm hängig bleibt (Art. 329 Abs. 3 StPO).
  3. Die Anklageschrift muss die dem Beschuldigten zur Last gelegten Handlungen "möglichst kurz, aber genau" umschreiben (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Der An- klagevorwurf hat sich demnach grundsätzlich auf eine präzise, konzise Bezeich- nung der Sachverhaltselemente zu beschränken, die für die Subsumtion der vor- geworfenen Handlungen unter die anwendbaren Straftatbestände erforderlich sind (HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 325 StPO N 19). Bezieht sich die Anklage auf mehrere Täter, muss aus der Anklage soweit wie möglich hervorgehen, welches Verhalten wem zur Last gelegt wird (HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., Art. 325 StPO N 22). Je komplexer und gravieren- der ein Vorwurf wiegt, desto spezifischer muss der Sachverhalt umschrieben sein. Nicht aufzuführen sind Umstände, die für die Subsumtion nicht erforderlich sind (HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., Art. 325 StPO N 26).
  4. Diesen Erfordernissen genügt die Anklageschrift nicht. Die extrem umfangreiche Anklageschrift (674 Seiten; 4390 Fussnoten) ist in der vorliegenden Form nicht zu handhaben. Es mangelt ihr insbesondere an Struktur. Unerlässlich wäre hier
  • 4 - zum Einen eine Unterteilung der Anklageschrift mit Titeln, die den Namen des jeweils betroffenen Beschuldigten enthalten, zum Anderen grundsätzlich eine klare Ausscheidung der Vorwürfe gegen die beiden Beschuldigten. Tathandlun- gen dritter, vorliegend nicht beschuldigter Personen sollten – wenn überhaupt unerlässlich – nur in gebotener Kürze dargestellt werden. Bei einer Aufteilung in Hauptanklage plus Alternativanklage plus Eventualanklage gilt es zu beachten, dass klar ersichtlich sein muss, was die Hauptanklage ist, unter welchem glei- chen Sachverhalt eine Eventualanklage geführt wird sowie welcher Sachverhalt der Alternativanklage zugrunde liegt. Zwingend notwendig ist, dass in der An- klage präzis umschrieben wird, welche Handlungen die Vollendung des Geldwä- schereitatbestands herbeigeführt haben sollen. Handlungen, die bloss die Ein- ziehbarkeit von Vermögenswerten belegen, sind nicht in der Anklageschrift, son- dern allenfalls im Rahmen der Anträge zu den Sanktionen zu stellen. Einer Prä- zisierung bedürfen im Themenkomplex der Privatklägerschaft die Frage der un- mittelbaren Verletzung durch die Straftat (Art. 115 Abs. 1 StPO) und die Frage der Vereinbarkeit von Ziviklage und allfälliger Abtretung der Forderung an den Staat (Art. 73 Abs. 2 StGB).
  1. Die Anklage ist daher an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen.
  2. Das Verfahren ist zu sistieren. Die Rechtshängigkeit wird wieder auf die Bundes- anwaltschaft übertragen. Damit wird der Antrag des Staatsanwalt des Bundes vom 14. August 2015 zur Einholung einer nachträglichen Zustimmung zur Straf- verfolgung bei den Behörden des Fürstentums Monaco obsolet (pag. TPF 391.510.0001 ff.) und die Bundesanwaltschaft wird diese Zustimmung selber einholen können.
  3. Die Sicherheitshaft bezüglich A. fällt ipso iure dahin, da die Voraussetzungen nach Art. 220 Abs. 2 StPO nicht mehr gegeben sind und das in Art. 220 Abs. 1 StPO umschriebene Verfahrensstadium wieder auflebt.
  4. Für diesen Entscheid sind keine Kosten zu erheben.
  • 5 - Die Strafkammer erkennt:
  1. Die Anklage wird im Sinne der Erwägungen an die Bundesanwaltschaft zurück- gewiesen.
  2. Das Verfahren wird sistiert. Die Rechtshängigkeit wird zurück an die Bundesan- waltschaft übertragen.
  3. Es werden keine Kosten erhoben.
  4. Dieser Beschluss wird den Parteien mitgeteilt.

Im Namen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts

Die Vorsitzende Die Gerichtschreiberin

  • 6 - Geht an  (vorab per Fax) Bundesanwaltschaft, Herrn René Eichenberger, Staatsanwalt des Bundes (inkl. der Verfahrensakten)  Zwangsmassnahmengericht Zürich  Amt für Justizvollzug Kanton Zürich  Rechtsanwalt Daniel Walder, Verteidiger von A. (Beschuldigter)  Rechtsanwalt Adrian Ramsauer, Verteidiger von B. (Beschuldigter)  Rechtsanwalt Martin Burkhardt, Vertreter von C. Holding (Privatklägerin)  Rechtsanwalt Ernst Schmid, Vertreter von Bank D. (Privatklägerin)  Rechtsanwalt Martin Bernet, Vertreter von E. AG (Privatklägerin)

Rechtsmittelbelehrung Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie die Verfahrenshandlungen der Strafkammer des Bundesstrafge- richts als erstinstanzliches Gericht, ausgenommen verfahrensleitende Entscheide, kann innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts geführt werden (Art. 393 Abs. 1 lit. b und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen schriftlich und begrün- det Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). Mit der Beschwerde können gerügt werden: a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss- brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; b. die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO).

Versand: 24. August 2015

Parole chiave

indictment precisionmulti-defendant caseprocedural structurereturn of indictmentstay of proceedingssecurity detentioncourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the indictment met the requirements of precision, structure, and allocation of acts among co-accused under the Swiss Code of Criminal Procedure.

Decisione estratta

No; the indictment was too extensive, poorly structured, and did not clearly separate the allegations against the two accused, so it had to be returned for correction.

Motivazione estratta

An indictment must describe the alleged acts concisely but precisely and, in multi-defendant cases, indicate as clearly as possible which conduct is attributed to whom. The submitted 674-page indictment with 4390 footnotes lacked the necessary structure and specificity.

Questione giuridica chiave

Whether the proceedings should be stayed and jurisdiction transferred back to the prosecution after the indictment was returned.

Decisione estratta

Yes; the proceedings were stayed and the case's pendency was transferred back to the Federal Prosecutor's Office.

Motivazione estratta

Because no judgment could be rendered at this stage, the court had to suspend the proceedings and return the matter to the prosecution.

Questione giuridica chiave

Whether costs should be charged for this order.

Decisione estratta

No costs were imposed.

Motivazione estratta

The court expressly ordered that no court costs be levied.

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