Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz 7. Kammer — 7 Ta 151/10 — Beschluss
Entscheidungsdatum: 2010-12-06
Aktenzeichen: 7 Ta 151/10
ECLI: ECLI:DE:LAGRLP:2010:1206.7TA151.10.0A
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 114 ZPO, § 114 S 1 ZPO
Tenor
Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen
den Beschluss des Arbeitsgerichts Kaiserslautern vom 11.05.2010,
Az.: 3 Ca 566/10 wird kostenpflichtig zurückgewiesen.
Die Rechtsbeschwerde wird nicht zugelassen.
Gründe
1 I. Die Beteiligten streiten um die Bewilligung
von Prozesskostenhilfe für eine Zahlungsklage.
2 Der Antragsteller, der rumänischer Staatsangehöriger ist,
unterzeichnete zusammen mit dreißig anderen rumänischen Handwerkern
einen Vertrag zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft. Diese
Arbeitsgemeinschaft, vorliegend die Antragsgegnerin zu 1), führte
als letztes Glied in einer General-/Subunternehmerkette Bauarbeiten
beim Neubau eines mehrstöckigen Bettenhauses auf dem Gelände des Z
durch. Der Antragsteller wurde dabei als Betonstahlbieger auf der
Baustelle tätig und die Antragsgegnerin zu 1) zahlte an ihn
zumindest einen Betrag in Höhe von 1.994,00 EUR (netto) aus.
3 Die Antragsgegnerin zu 2) ist ein Bauunternehmen, das bei der
Bauabwicklung als Subunternehmerin der Antragsgegnerin zu 3), die
Generalunternehmerin ist, tätig wurde. Ob die Antragsgegnerin zu 2)
die Antragsgegnerin zu 1) mit der Ausführung von Betonarbeiten bei
dem Bauvorhaben unmittelbar beauftragte oder die Firma Y GmbH
zwischenschaltete, die dann ihrerseits die Antragsgegnerin zu 1)
beauftragte, ist streitig.
4 Aufgrund von Ermittlungen hat sich für das Hauptzollamt
Saarbrücken der Verdacht ergeben, dass unter anderem der als
"Geschäftsführer" der Antragsgegnerin zu 1) agierende X
in der Zeit vom Mai 2009 bis November 2009 als Arbeitgeber die
weiteren rumänischen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
beschäftigte, ohne Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben
abzuführen. Nachdem das Hauptzollamt der Antragsgegnerin zu 3)
untersagt hatte, die Bauarbeiten mit den rumänischen Handwerkern
weiterzuführen, sprach diese gegenüber der Antragsgegnerin zu 2)
ein Baustellenverbot für die auf der Baustelle eingesetzten
rumänischen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft aus. Diese wurden
anschließend nicht mehr tätig.
5 Der Antragsteller füllte Stundennachweisformulare für die Zeit
vom 07.09.2009 bis 30.11.2009 aus.
6 Am 14.04.2010 hat er einen Antrag auf Bewilligung von
Prozesskostenhilfe unter Beiordnung einer Rechtsanwältin beim
Arbeitsgericht Kaiserslautern eingereicht. Dem
Prozesskostenhilfeantrag ist ein Klageentwurf beigefügt gewesen,
der als solcher in dem Gesuch ausdrücklich bezeichnet worden ist.
Des Weiteren hat der Antragsteller seinem Prozesskostenhilfegesuch
eine Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen
Verhältnisse beigefügt, allerdings die in dem entsprechenden
Formular enthaltene Frage, ob eine Rechtsschutzversicherung oder
andere Stelle/Person die Kosten der Prozessführung trage,
unbeantwortet gelassen.
7 In dem Klageentwurf hat der Antragsteller folgende
beabsichtigten Klageanträge mitgeteilt:
8 Die Beklagten werden gesamtschuldnerisch verurteilt an den
Kläger 10.464,15 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über
dem Basiszinssatz seit dem 22.12.2009 aus 4.924,88 EUR und ab
Rechtshängigkeit aus 5.539,27 EUR abzüglich gezahlter 2.194,00 EUR
zu zahlen.
9 Die Beklagte zu 1) wird verurteilt an den Kläger die (noch zu
beziffernde) Differenz aus Mindestlohnzahlung zu
Nettolohnvereinbarung nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten
über dem Basiszinssatz ab Rechtshängigkeit zu zahlen.
10 Zur Begründung hat er im Wesentlichen ausgeführt,
11 Mit dem Antrag zu 1. werde von den drei Antragsgegnerinnen als
Gesamtschuldnerin eine Zahlung in Höhe des nach § 14 AEntG zu
zahlenden Mindestentgeltes verlangt. Die Antragsgegnerin zu 1)
schulde diese Leistung aufgrund der Tatsache, dass zwischen ihr und
dem Antragsteller ein Arbeitsverhältnis bestanden habe und zuvor
die Zahlung eines Monatslohnes von 2.500,00 EUR für 240
Monatsstunden, mithin ein Stundenlohn in Höhe von 10,42 EUR netto
vereinbart worden sei.
12 Der Antragsteller habe, entsprechend den beim Arbeitsgericht
eingereichten schriftlichen Stundennachweisen, in der Zeit vom
04.09.2009 bis 30.11.2009 insgesamt während 664 Stunden gearbeitet
und dabei im Monat September 2009 50, im Monat Oktober 2009 85 und
im Monat November 2009 49 Überstunden abgeleistet. Des Weiteren
stehe ihm noch Urlaubsvergütung in Höhe von 1.305,16 EUR zu.
13 Gegenüber den Antragsgegnerinnen zu 2) und 3) beruhe der mit dem
Klageantrag zu 1. verfolgte Entgeltzahlungsanspruch auf deren
Haftung aus § 14 AEntG. Der tariflich geschuldete Mindestlohn
belaufe sich für ihn als Betonstahlbieger auf 12,90 EUR. Für die
geleisteten Überstunden sei ein tariflicher Überstundenzuschlag in
Höhe von 25% zu zahlen. Von dem sich ergebenden Mindestbruttolohn
seien die Zahlung von 3.300,00 EUR netto, die er von der
Antragsgegnerin zu 1) erhalten sowie weitere 200,00 EUR, die er vom
Z bezogen habe, in Abzug zu bringen.
14 Mit dem Klageantrag zu 2. werde der allein von der
Antragsgegnerin zu 1) als Arbeitgeberin geschuldete Zahlungsbetrag
aus der getroffenen Nettolohnvereinbarung geltend gemacht. Von
diesem Betrag sei der Nettobetrag, der sich aus dem bereits
aufgrund des Klageantrages zu 1. zu leistenden Bruttobetrag ergebe,
in Höhe des Mindestlohnes in Abzug zu bringen.
15 Die Antragsgegnerinnen zu 1) bis 3) haben unter anderem das
Vorliegen einer Arbeitnehmereigenschaft auf Seiten des
Antragstellers, die tatsächliche Ableistung der behaupteten
Arbeitsstunden sowie das Zustandekommen der behaupteten
Nettolohnvereinbarung bestritten.
16 Das Arbeitsgericht Kaiserslautern hat mit Beschluss vom
11.05.2010 den Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für
den eingereichten Klageentwurf zurückgewiesen. Zur Begründung
dieser Entscheidung hat das Arbeitsgericht im Wesentlichen
ausgeführt, unter Beachtung von § 114 ZPO habe dem
Prozesskostenhilfegesuch nicht stattgegeben werden können.
17 Die eingereichte Erklärung über die persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnisse sei unvollständig, da unter der
Rubrik B des entsprechenden Formulars keine Angabe dazu gemacht
worden sei, ob Rechtsschutz über eine Gewerkschaft oder eine
Rechtsschutzversicherung gewährt werde.
18 Darüber hinaus sei der Klageantrag zu Ziffer 2. aus dem
Klageentwurf unzulässig, da der Antragsteller hier eine
unbezifferte Leistungsklage geltend machen wolle, obwohl ihm eine
Bezifferung möglich sei.
19 Soweit der Antragsteller mit dem Klageantrag zu 1. gegenüber den
Antragsgegnerinnen zu 2) und 3) eine Zahlung des Mindestentgeltes
nach § 14 AEntG verlange, sei die vorliegende Geltendmachung eines
Bruttobetrages ausgeschlossen, da die Durchgriffshaftung nach der
genannten gesetzlichen Vorschrift lediglich auf Nettoentgelte
gerichtet sei. Dies gelte auch für die vom Antragsteller
behaupteten Urlaubsansprüche und
Überstundenzuschlagsforderungen.
20 Zudem seien die im Klageentwurf erhobenen Forderungen teilweise
widersprüchlich. Der als Arbeitstag geltend gemachte 03.10. sei
sowohl ein Samstag als auch ein gesetzlicher Feiertag gewesen, so
dass die Arbeit auf der Baustelle wohl geruht haben dürfte.
21 Darüber hinaus fehlten auch substantiierte und einlassungsfähige
Angaben dazu, wann, wo, wie und mit wem der Antragsteller welche
arbeitsvertraglichen Abreden getroffen habe.
22 Der Antragsteller, dem diese Entscheidung des Arbeitsgerichts am
19.05.2010 zugestellt worden ist, hat am 18.06.2010 sofortige
Beschwerde eingelegt.
23 Der Antragsteller macht dabei geltend,
24 bei der Ausfüllung der Erklärung über die persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnisse sei es zu einem Missverständnis bzw.
Unverständnis gekommen, da die fehlende Angabe über die
Kostentragung auf dem Umstand beruhe, dass er diese Frage im
Hinblick auf eine noch zu treffende Entscheidung durch das Gericht
offen gelassen habe. Soweit er mit dem beabsichtigten Klageantrag
zu 1. den Mindestbruttolohn nach § 14 AEntG geltend mache, sei in
diesem Betrag das sich ergebende Nettoentgelt jedenfalls enthalten;
dieses könne anhand der gesetzlichen Vorschriften berechnet
werden.
25 Falls der Antragsteller lediglich den Mindestnettolohn geltend
machen würde, müsste er hinnehmen, dass die Höhe der zu zahlenden
Einkommenssteuer ungewiss sei und zum späteren Zeitpunkt der
Zahlung die Leistung dieser Steuern im Rahmen einer erneuten Klage
geltend gemacht werden müsse.
26 Die Durchgriffshaftung gemäß § 14 AEntG umfasse neben dem
Nettoentgelt auch die Sozialkassenbeiträge und stelle als
Bruttobetrag für alle Parteien die verlässlichste Berechnungsgröße
dar.
27 Im Übrigen belaufe sich der Nettomindestlohnanspruch des
Antragstellers auf 3.358,97 EUR. Ausgehend von einer Berechnung aus
dem Monat Juni 2010 ergebe sich aus dem geltend gemachten
Bruttobetrag in Höhe von 10.464,15 EUR ein Nettobetrag in Höhe von
5.552,97 EUR, von dem die 1.994,00 EUR, welche der Antragsteller
von der Antragsgegnerin zu 1) erhalten habe, sowie eine Zahlung der
Bauherrin in Höhe von 200,00 EUR in Abzug zu bringen seien.
28 Der vorgelegte Klageentwurf sei weder teilweise unsubstantiiert
noch teilweise widersprüchlich. Eine Erbringung von Arbeitsleistung
sei für den Feiertag vom 03.10.2009 nicht ausgeschlossen gewesen,
da sämtliche Arbeiter diesen, auf einen Samstag entfallenen
Feiertag als Arbeitstag aufgeführt hätten.
29 Der Vortrag des Antragstellers zu der dargelegten
Lohnvereinbarung sei hinreichend substantiiert, zumal der
Geschäftsführer der Antragsgegnerin zu 1) die arbeitsvertragliche
Abrede nicht bestritten habe; er habe lediglich behauptet, dass von
Stundenlohn keine Rede gewesen sei.
30 Die mit dem Klageantrag zu 2. beabsichtigte unbezifferte
Leistungsklage sei zulässig. Der Antragsteller habe gegenüber der
Antragsgegnerin zu 1) einen Nettolohnanspruch in Höhe von 6.918,88
EUR; hiervon sei der berechnete Mindestnettolohnanspruch in Höhe
von 3.358,97 EUR in Abzug zu bringen, so dass noch ein Betrag in
Höhe von 3.559,91 EUR geschuldet sei.
31 Wegen der weiteren Einzelheiten der Beschwerdebegründung des
Antragstellers wird auf dessen Schriftsatz vom 18.06.2010 Bezug
genommen.
32 Der Antragssteller beantragt,
33 ihm für die erste Instanz rückwirkend auf den Zeitpunkt
der Antragstellung Prozesskostenhilfe zu gewähren und die
Unterzeichnende als Rechtsanwältin beizuordnen.
34 Die Beteiligten zu 2) und 3) haben den Inhalt der
Beschwerdebegründung schriftsätzlich widersprochen.
35 Das Arbeitsgericht Kaiserslautern hat der sofortigen Beschwerde
mit Beschluss vom 09.07.2010 nicht abgeholfen und dabei unter
anderem auch ausgeführt, dass die vom Antragsteller geltend
gemachten vermeintlichen Lohnansprüche für die Monate September bis
einschließlich November 2009 zwischenzeitlich gemäß § 2 Abs. 5 in
Verbindung mit Abs. 4 des Tarifvertrages zur Regelung der
Mindestlöhne im Baugewerbe ab dem 01.09.2009 (im Folgenden: TV
Mindestlohn) verfallen seien.
36 Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird
auf den Akteninhalt und insbesondere auf die von den Beteiligten
eingereichten Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen.
37 II. Die sofortige Beschwerde ist gemäß §§ 78
Satz 1 ArbGG, 127 Abs. 2 Satz 2 und 3 ZPO zulässig, da sie nur
form-, und fristgerecht eingelegt worden ist.
38 Die sofortige Beschwerde ist aber nicht begründet, da das
Arbeitsgericht zu Recht die beantragte Prozesskostenhilfe unter
Beiordnung eines Rechtsanwaltes versagt hat. Dies folgt daraus,
dass auch im Zeitpunkt der Beschwerdeentscheidung die rechtlichen
Bewilligungsvoraussetzungen des § 114 ZPO nicht erfüllt waren.
39 Nach dieser gesetzlichen Regelung erhält eine Partei, die nach
ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten
der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen
kann, Prozesskostenhilfe, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung
oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und
nicht mutwillig erscheint.
40 Vorliegend ist bereits nicht feststellbar, dass der
Antragsteller nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen
Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht aufbringen kann.
Er hat nämlich in der dem Bewilligungsantrag nach § 117 Abs. 2 ZPO
beizufügenden Erklärung über seine persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnisse die in dem Formular gestellte Frage:
"Trägt eine Rechtsschutzversicherung oder andere Stelle/Person
(z.B. Gewerkschaft, Arbeitgeber, Mieterverein) die Kosten ihrer
Prozessführung?" nicht beantwortet. Obwohl der Antragsteller
anwaltlich vertreten ist und das Arbeitsgericht die fehlende
Beantwortung dieser Frage bereits in dem angefochtenen Beschluss
gerügt hatte und darüber hinaus in dem Nichtabhilfebeschluss darauf
hingewiesen hat, das auch der Beschwerdebegründung die Beantwortung
der Formularfrage nicht zu entnehmen sei, leistete der
Antragsteller bis zum heutigen Tag keine Abhilfe. Allein die
Behauptung in der Beschwerdebegründung, er habe die Frage
missverstanden, lässt nicht erkennen, wie er die Frage bei nunmehr
richtigem Verständnis beantworten will. Da Prozesskostenhilfe nicht
gewährt werden darf, wenn eine Rechtsschutzversicherung oder eine
Gewerkschaft die Prozesskosten trägt, ist die Bedürftigkeit des
Antragstellers mithin nicht feststellbar.
41 Das Arbeitsgericht hat bereits aus diesem Grund die
Prozesskostenhilfe zu Recht nicht bewilligt. Die Voraussetzungen
für die Beiordnung eines Rechtsanwaltes nach § 11 a Abs. 1 Satz 1
ArbGG waren ebenfalls nicht gegeben, da auch insoweit Voraussetzung
ist, dass ein Arbeitnehmer nicht durch ein Mitglied oder einen
Angestellten einer Gewerkschaft vertreten werden kann. Gerade dies
war, wie bereits ausgeführt, vorliegend aufgrund der mangelhaften
Angaben des Antragstellers, nicht überprüfbar.
42 1. Soweit der Antragsteller mit dem Klageantrag zu Ziffer 1. die
drei Antragsgegnerinnen auf eine gesamtschuldnerische Zahlung in
Höhe des Mindestentgeltes aus § 14 AEntG in Anspruch nehmen will,
steht dem entgegen, dass insoweit zwischenzeitlich ein Verfall des
Anspruchs nach § 7 Abs. 1 AEntG i.V.m. § 2 Abs. 5 und 4 TV
Mindestlohn eingetreten ist. Nach § 2 Abs. 5 TV Mindestlohn müssen
Mindestlohnansprüche innerhalb von sechs Monaten nach Fälligkeit
gerichtlich geltend gemacht werden, wenn sie nicht verfallen
sollen. Gemäß § 2 Abs. 4 S. 1 TV Mindestlohn wird der Anspruch auf
Mindestlohn spätestens am 15. des Monats fällig, der auf den Monat
folgt, für den er zu zahlen ist.
43 Vorliegend wären demnach die Mindestlohnansprüche des
Antragstellers spätestens am 15.12.2009 fällig geworden und
dementsprechend spätestens mit Ablauf des 15.06.2010 verfallen. Die
Fälligkeit eines etwaigen Urlaubsabgeltungsanspruches kann hierbei
dahinstehen, da dieser sowieso nicht gegenüber den
Antragsgegnerinnen, sondern gemäß § 8 Ziffer 6.2 des
allgemeinverbindlichen Bundesrahmentarifvertrages für das
Baugewerbe vom 04.07.2002 allenfalls gegenüber der
Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes besteht.
44 Ob der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe unter
gleichzeitiger Einreichung eines Klageentwurfes ausreicht, um eine
gerichtliche Geltendmachung im Sinne der Verfallfristenreglung
bejahen zu können, wird von dem Landesarbeitsgericht Köln (Urt. v.
08.10.1997 - 2 Sa 587/97 = LAGE § 4 TVG Ausschlussfrist Nr. 45) und
dem Landesarbeitsgericht Niedersachsen (Beschl. v. 25.03.1999 - 16
aTa 119/99 = LAGE § 4 TVG Ausschlussfrist Nr. 50) unterschiedlich
beantwortet. Selbst wenn vorliegend die dem Antragsteller
günstigste Rechtsprechung zu Grunde gelegt wird, wäre es im
konkreten Fall aber bislang nicht zu einer wirksamen gerichtlichen
Geltendmachung gekommen. Denn auch das Landesarbeitsgericht
Niedersachsen verlangt für eine solche Geltendmachung, dass ein
Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe zusammen mit dem
Klageentwurf und den vollständigen Unterlagen über die persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers vor Ablauf der
tariflichen Ausschlussfrist dem Gericht vorliegen. Diese
Voraussetzung ist aber schon deshalb nicht erfüllt, weil der
Antragsteller eine vollständige Erklärung über seine persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnisse zusammen mit dem Klageentwurf
nicht eingereicht hat. In der Erklärung des Antragstellers wurde
nämlich die Frage, ob eine Rechtsschutzversicherung oder eine
Gewerkschaft die Kosten der Prozessführung übernimmt, nicht
beantwortet.
45 2. Wenn der Antragsteller mit dem Klageantrag zu 1) gegenüber
der Antragsgegnerin zu 1) nicht Mindestlohnansprüche aus § 14
AEntG, sondern Arbeitsentgelt- und Urlaubsabgeltungsansprüche aus
arbeitsvertraglicher Vereinbarung (§ 611 Abs. 1 BGB) geltend machen
will, ist sein Sachvortrag nicht schlüssig. Bei der Antragsgegnerin
zu 1) handelt es sich um eine Arbeitsgemeinschaft im Baugewerbe,
die rechtlich eine Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts bildet.
Auch der Antragsteller ist Gesellschafter der Antragsgegnerin zu 1)
und hat als solcher Ergänzungen bzw. Änderungen des
Arbeitsgemeinschaftsvertrages vom 10.05.2009 unterzeichnet.
46 Für das vom Antragsteller behauptete Zustandekommen eines
Arbeitsverhältnisses gibt es vor diesem Hintergrund drei denkbare
Ansatzpunkte, die aber vorliegend alle nicht in schlüssiger Weise
zur Entstehung des Zahlungsanspruches führen.
47 a) Zum Einen könnte ausdrücklich die Zahlung eines
Arbeitsentgeltes in Höhe von 2.500,00 EUR für eine Arbeitsleistung
von 60 Wochenstunden vereinbart worden sein. Die dementsprechende
pauschale Behauptung des Antragstellers wurde von dem
geschäftsführenden Gesellschafter der Antragsgegnerin zu 1) X als
unwahr und schlichtweg gelogen bezeichnet. Seinen Ausführungen nach
sollten die von dem Auftraggeber überwiesenen Honorare nach Abzug
aller Kosten entsprechend dem Gesellschaftervertrag auf die Konten
der Gesellschafter überwiesen werden. Der Antragsteller hat es
versäumt, im Anschluss an dieses Bestreiten Ort, Zeit, Inhalt und
Zusammenhang etwaiger Gespräche über einen Arbeitsvertrag unter
Beweisantritt konkret darzulegen.
48 b) Zum Anderen könnte zwischen den Gesellschaftern ein
unwirksamer Gesellschaftsvertrag geschlossen worden sein, bei dem
es sich bei zutreffender rechtlicher Würdigung um einen
Arbeitsvertrag handelt. Dann wäre aber die Antragsgegnerin zu 1),
mangels wirksamen Gesellschaftsvertrages, als Gesellschaft nicht
zustande gekommen und würde des Weiteren auch als mögliche
Klagegegnerin ausfallen.
49 c) Schließlich könnte zwischen der Antragsgegnerin zu 1), diese
vertreten durch den geschäftsführenden Gesellschafter X und dem
Antragsteller ein Arbeitsverhältnis durch die tatsächliche
Umsetzung des Gesellschaftsvertrages zustande gekommen sein, wobei
der Antragsteller Weisungen von Herrn X hinsichtlich Zeit, Ort und
Inhalt seiner Arbeitsleistung bekommen haben müsste. Hierzu trägt
der Antragsteller aber keine konkreten, einlassungsfähigen
Tatsachen vor. Vielmehr behauptet er in seinem Klageentwurf, das
Weisungsrecht habe - unabhängig von der täglichen
Übermittlungskette - vollumfänglich bei den Polieren der
Antragsgegnerin zu 3) gelegen. Hiermit lassen sich aber
Zahlungsansprüche aus der tatsächlichen Abwicklung des
Vertragsverhältnisses nicht schlüssig begründen.
50 3. Für den Klageantrag zu Ziffer 2. folgt das Fehlen einer
hinreichenden Erfolgsaussicht bereits daraus, dass der
Antragsteller einen unbezifferten Leistungsantrag stellen will,
obwohl er, wie sich aus der Beschwerdebegründung ergibt, die
begehrte Leistung beziffern kann. In einem solchen Fall liegt kein
hinreichend bestimmter Antrag im Sinn von § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO
vor. Es führt auch nicht weiter, wenn der Antragsteller in seiner
Beschwerdebegründung nunmehr einen bezifferten Betrag nennt, zumal
er im übrigen an den angekündigten Anträgen festhält.
51 Nach alledem war die sofortige Beschwerde mit der Kostenfolge
aus § 97 Abs. 1 ZPO zurückzuweisen.
52 Für die Zulassung der Rechtsbeschwerde fehlte es unter
Berücksichtigung von §§ 78 Satz 2, 72 Abs. 2 ArbGG an einem
gesetzlich begründeten Anlass