Rechtsbeschwerde becomes inadmissible after transfer to Berlin

BGH 5 AR (VS) 60/12Bgh / Criminal Chamber 521 ago 2013Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice held that the applicant's Rechtsbeschwerde against the OLG Munich decision had become inadmissible after he was transferred to a correctional facility in Berlin, because the original request for transfer had thus been fulfilled and judicial protection was no longer needed. The court further treated the applicant's later filing as seeking declaratory relief, but found no sufficient declaratory interest. It emphasized that the applicant had not pursued the matter before the competent correctional institution and had even waived a decision under § 26 StVollstrO. The appeal was therefore dismissed as inadmissible at the applicant's cost.

Massima Omnilex

§ 29 Abs. 1, 2 Nr. 1, Abs. 3 GVGEG; § 71 FamFG; Wegfall des Rechtsschutzbedürfnisses und Fortführung als Feststellungsantrag nach Erledigung des Verpflichtungsbegehrens: Wird das mit der Rechtsbeschwerde verfolgte Verpflichtungsbegehren während des Verfahrens erfüllt, entfällt die Zulässigkeit mangels Rechtsschutzbedürfnisses. Eine Umstellung auf ein Feststellungsbegehren setzt ein besonderes Feststellungsinteresse voraus; dieses muss substantiiert dargetan sein oder sich jedenfalls aus den Umständen ergeben. Fehlt es daran, ist die Rechtsbeschwerde als unzulässig zu verwerfen. Ob die Umstellung prozessual über § 62 FamFG oder nach den zu § 28 Abs. 1 Satz 4 GVGEG entwickelten Grundsätzen zu behandeln ist, kann offenbleiben, wenn ein Feststellungsinteresse ohnehin nicht ersichtlich ist (vgl. consid. 2).

Testo completo

BGH — 5 AR (VS) 60/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-08-21

Aktenzeichen: 5 AR (VS) 60/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 23 Abs 2 GVGEG, § 28 Abs 1 S 4 GVGEG, § 29 Abs 1 GVGEG, § 29 Abs 2 Nr 1 GVGEG, § 29 Abs 3 GVGEG, § 62 FamFG, § 71 FamFG, § 74 Abs 4 FamFG, § 26 StrVollstrO

Vorinstanz: vorgehend OLG München, 16. August 2012, Az: 4 VAs 40/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Rechtsbeschwerdeverfahren zur Verpflichtung der Strafvollstreckungsbehörde zur Verlegung eines Strafgefangenen in ein anderes Bundesland: Übergang zum Feststellungsantrag nach Wegfall des Rechtsschutzbedürfnisses durch zwischenzeitlich erfolgte Verlegung

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des Ober-landesgerichts München vom 16. August 2012 wird auf Kosten des Antragstellers als unzulässig verworfen.

Gründe

1 Die nach Zulassung durch das Oberlandesgericht statthafte (§ 29 Abs. 1, 2 Nr. 1 EGGVG) sowie form- und fristgerecht eingelegte Rechtsbeschwerde (§ 29 Abs. 3 EGGVG i.V.m. § 71 FamFG) ist nachträglich unzulässig geworden, weil sich das – entgegen der Ansicht des Oberlandesgerichts als ursprünglich zulässig anzusehende („Versagungsgegenantrag“) – Verpflichtungsbegehren (§ 23 Abs. 2 EGGVG), die Vollstreckungsbehörde unter Aufhebung der staatsanwaltschaftlichen Bescheide anzuweisen, den Beschwerdeführer für die weitere Vollstreckung in das Land Berlin zu verlegen, mit dessen Verlegung in eine Justizvollzugsanstalt des Landes Berlin erledigt hat und damit das Rechtsschutzbedürfnis entfallen ist (vgl. dazu Keidel/Meyer-Holz, FamFG, 17. Aufl., § 74 Rn. 8 f. mwN; Meyer-Goßner, StPO, 56. Aufl., § 29 EGGVG Rn. 5).

2 Der Senat legt den Schriftsatz vom 4. Juli 2013 dahin aus, dass der Beschwerdeführer sein Anliegen nunmehr als Feststellungsbegehren weiterverfolgt. Er kann dahingestellt sein lassen, ob dessen Beurteilung in erweiternder Auslegung des § 29 Abs. 3 EGGVG wegen der dortigen Verweisung auf die Verfahrensvorschriften über die Rechtsbeschwerde nach dem Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) in entsprechender Anwendung des § 62 FamFG (vgl. zu § 62 FamFG BGH, Beschluss vom 25. Februar 2010 – V ZB 172/09, NVwZ 2010, 726, Keidel/Meyer-Holz, aaO, § 74 Rn. 9) zu erfolgen hat oder ob gemäß § 29 Abs. 3 EGGVG, § 74 Abs. 4 FamFG die zu § 28 Abs. 1 Satz 4 EGGVG entwickelten Grundsätze (vgl. LR-Böttcher, 26. Aufl., § 28 EGGVG Rn. 6, 8 ff., Meyer-Goßner, aaO, § 28 EGGVG Rn. 8 mwN) heranzuziehen sind. Denn Gründe, die ein Feststellungsinteresse des Beschwerdeführers ergeben könnten, sind für beide Varianten weder dargelegt noch sonst ersichtlich. Namentlich stand nicht das „Ob“, sondern das „Wo“ der Haft in Frage und hatte der Beschwerdeführer die Möglichkeit, sein Begehren parallel bei der nach vom OLG München gebilligter Rechtsauffassung der Vollstreckungsbehörde zuständigen Justizvollzugsanstalt zu verfolgen. Diesen Weg ist er jedoch nicht gegangen. Vielmehr hat er sogar ausdrücklich auf eine Entscheidung der Justizvollzugsanstalt nach § 26 StVollstrO verzichtet (S. 22 des angefochtenen Beschlusses).

3 Im Übrigen merkt der Senat an, dass sich der Beschwerdeführer vor Rechtskraft seiner Verurteilung nicht in Untersuchungshaft befunden hat, sondern in Strafhaft in der einbezogenen Sache.

Basdorf Sander Schneider

Dölp König

Parole chiave

inadmissibilitymootnessdeclaratory interestprison transferexecution of sentenceright to judicial protection

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the filed Rechtsbeschwerde remained admissible after the requested transfer had already occurred.

Decisione estratta

The appeal became inadmissible because the original enforcement request had been fulfilled and the need for judicial protection had lapsed.

Motivazione estratta

The obligation request under § 23 Abs. 2 EGGVG had been erledigt by the transfer to a Berlin correctional facility, so no current need for relief remained.

Questione giuridica chiave

Whether the applicant could continue the case as a declaratory request after the transfer.

Decisione estratta

No sufficient declaratory interest was shown or otherwise apparent.

Motivazione estratta

The court left open the exact procedural route for such a conversion, but held that no facts supported a Feststellungsinteresse; the applicant had not pursued the matter before the competent correctional institution and had even waived a decision under § 26 StVollstrO.

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