No duty to disclose a sentencing gap before plea agreement

BGH 5 StR 318/13Bgh / Criminal Chamber 53 set 2013Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the defendant's revision against his conviction by the Hamburg Regional Court for multiple sexual offenses against children and child pornography offenses. The defendant argued that the plea-agreement procedure was flawed because he was not told a sentencing 'gap' for the denial case. The court held that section 257c StPO does not require disclosure of such a gap; the revision was in any event too narrowly formulated. The written judgment also did not need to set out the details of the agreement. The 1:2 crediting of detention served in Ecuador was upheld. Costs of the revision were imposed on the defendant.

Massima Omnilex

§ 257c Abs. 2 S. 2, Abs. 3 S. 2 StPO; § 344 Abs. 2 StPO; plea agreement and scope of appellate review; sentencing range need not include disclosure of a so-called 'sentencing gap' for the denial case. The statutory reference to lower and upper limits concerns the concrete sentence envisaged in the event of a successful Verständigung, typically including a confession, not a comparative forecast between confession and contestation. A revision attacking only the omission of an upper limit for the denial scenario is not susceptible to broader interpretation; the scope of review is determined by the expressly stated direction of attack. The judgment need not disclose the detailed content of the agreement if it merely notes that a Verständigung occurred and the sentencing reasons are otherwise reasoned and not formulaic (consid. 1-2).

Testo completo

BGH — 5 StR 318/13, Urteil

Entscheidungsdatum: 2013-09-03

Aktenzeichen: 5 StR 318/13

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 257c Abs 2 S 2 StPO, § 257c Abs 3 S 2 StPO, § 344 Abs 2 StPO, StVVerstG

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 5. März 2013, Az: 632 KLs 25/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Revision in Strafsachen: Verfahrensrüge wegen unterlassener Mitteilung einer sog. Sanktionsschere vor einer Verständigung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 5. März 2013 wird verworfen.

Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

– Von Rechts wegen –

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in vier Fällen, Besitzes kinderpornographischer Schriften sowie öffentlichen Zugänglichmachens kinderpornographischer Schriften in zehn Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt und hierauf gut sieben Monate Auslieferungshaft in Ecuador im Maßstab 1:2 angerechnet. Die auf eine Verfahrensrüge und die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten bleibt erfolglos.

2 1. Mit der Verfahrensrüge wird „ein Verstoß gegen § 257c StPO“ geltend gemacht. Nach dem (durch das Hauptverhandlungsprotokoll belegten) Revisionsvortrag sei dem Angeklagten „bei einem voll umfassenden Geständnis … im Sinne der Anklage“ lediglich „eine Strafuntergrenze von drei Jahren und neun Monaten“ zugesichert, nicht aber eine Strafobergrenze „für den Fall des Bestreitens“ genannt worden. Die Rüge hat keinen Erfolg.

3 a) Zu ihrer Begründung wird ausgeführt, ein Angeklagter könne „seinen strafprozessualen Vorteil für den Fall eines Geständnisses nur erkennen, wenn (er) die sogenannte Sanktionsschere zwischen der Untergrenze im geständigen Fall und der Obergrenze im Bestreitensfalle vor Augen“ habe.

4 Der Senat kann offen lassen, ob das Landgericht nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Regelung der Verständigung im Strafverfahren vom 29. Juli 2009 eine derartige Strafobergrenze überhaupt hätte nennen dürfen (zu dieser Frage s. Stuckenberg in Löwe-Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 257c Rn. 50 mwN). Es stellt jedenfalls keinen Rechtsfehler dar, dass es dies nicht getan hat. Zwar sieht § 257c Abs. 3 Satz 2 StPO die Angabe einer Unter- und einer Obergrenze der Strafe vor. Damit ist nach dem Regelungsgehalt der Vorschrift aber nicht die Mitteilung der sogenannten Sanktionsschere gemeint, sondern allein der für den Fall einer erfolgreichen Verständigung – deren Bestandteil in aller Regel ein Geständnis ist (vgl. § 257c Abs. 2 Satz 2 StPO) – konkret in Betracht kommende Strafrahmen (Meyer-Goßner, StPO, 56. Aufl., § 257c Rn. 19; Stuckenberg, aaO, § 257c Rn. 49).

5 b) Dass das Landgericht vorliegend neben der Strafuntergrenze nicht auch eine -obergrenze für den Fall eines Geständnisses angegeben habe (vgl. BGH, Urteil vom 17. Februar 2011 – 3 StR 426/10, NStZ 2011, 648), macht die Rüge – auch unter Berücksichtigung des in § 300 StPO enthaltenen Rechtsgedankens (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Februar 2008 – 1 StR 649/07, NStZ 2008, 418) – nicht geltend. Ihr Angriff richtet sich eindeutig nur auf die seitens des Landgerichts unterlassene Mitteilung einer Strafobergrenze „im Bestreitensfalle“; sie erweist sich daher als nicht auslegungsfähig.

6 Damit aber ist dem Senat eine Prüfung verwehrt, ob das Landgericht durch Nichtangabe einer Strafobergrenze im Sinne des § 257c Abs. 3 Satz 2 StPO rechtsfehlerhaft gehandelt haben könnte (vgl. BGH, Beschluss vom 14. Juli 1998 – 4 StR 253/98, NStZ 1998, 636; s. auch BGH, Urteil vom 26. August 1998 – 3 StR 256/98, NStZ 1999, 94). Denn die Angriffsrichtung bestimmt den Prüfungsumfang seitens des Revisionsgerichts (BGH, Beschluss vom 29. August 2006 – 1 StR 371/06, NStZ 2007, 161; s. auch BGH, Beschluss vom 12. September 2007 – 1 StR 407/07, NStZ 2008, 229; Meyer-Goßner, aaO, § 344 Rn. 20; Franke in Löwe-Rosenberg, aaO, § 344 Rn. 78). Einem Revisionsführer steht es wegen seiner Dispositionsbefugnis zu, ein Prozessgeschehen nur unter einem bestimmten Gesichtspunkt zu rügen, einen etwa zusätzlich begangenen Verfahrensverstoß aber hinzunehmen (vgl. BGH, Urteil vom 28. Mai 2003 – 2 StR 486/02, NStZ-RR 2003, 268, 269; § 352 Abs. 1 StPO).

7 c) Soweit der Vertreter der Bundesanwaltschaft in der Hauptverhandlung darüber hinaus einen Verstoß gegen § 243 Abs. 4 StPO in Betracht gezogen hat, lässt sich der Revision eine entsprechende Rüge nicht entnehmen; sie etwa tragende Tatsachen sind nicht vorgetragen (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Im Übrigen zwänge auch diese Bestimmung nicht zur Mitteilung einer Strafobergrenze für den Fall des Tatnachweises ohne Geständnis und ohne Verständigung.

8 2. Dem auf die Sachrüge zu prüfenden Urteil lässt sich in diesem Zusammenhang lediglich entnehmen, dass ihm eine Verständigung nach § 257c StPO vorausgegangen ist (UA S. 15). Näheres zu ihrem Inhalt brauchte es nicht mitzuteilen (vgl. BGH, Beschluss vom 13. Januar 2010– 3 StR 528/09, NStZ 2010, 348). Die sich über fast drei Seiten erstreckenden Ausführungen zur Strafzumessung erweisen sich als abgewogen und entsprechen den Grundsätzen namentlich des § 46 StGB. Der Senat besorgt daher nicht, sie könnten „nicht ernst gemeint“ sein und sollten lediglich das Verhängen einer zuvor vereinbarten „Punktstrafe“ begründen (vgl. hierzu BGH, Beschlüsse vom 1. März 2011 – 1 StR 52/11, NJW 2011, 1526, 1527, vom 28. September 2010 – 3 StR 359/10, NStZ 2011, 231, 232, und Urteil vom 17. Februar 2011 – 3 StR 426/10, NStZ 2011, 648).

9 Auch die weitere Prüfung des Urteils hat keinen den umfassend geständigen, darüber hinaus durch gewichtige Beweismittel (Computerdateien, Videoaufnahmen) belasteten Angeklagten benachteiligenden Rechtsfehler ergeben.

10 Insbesondere ist der von der Revision ausdrücklich gerügte Maßstab von 1:2 für die Anrechnung der in Ecuador erlittenen Haft rechtlich nicht zu beanstanden. Das Landgericht hat eine Vielzahl für dessen Bestimmung relevanter Kriterien (z.B. Belegung, Ausstattung und Sauberkeit der Zelle, Kontaktmöglichkeiten etwa durch Nutzung eines Handys mit Internetzugang, Quantität und Qualität der Verpflegung, medizinische Versorgung, Existenz von Mafiagruppen und Schutzgelderpressungen) festgestellt und auf dieser Basis sein – durch das Revisionsgericht nur eingeschränkt überprüfbares – Ermessen (§ 51 Abs. 4 Satz 2 StGB) beanstandungsfrei ausgeübt. Eine ergänzende Erörterung der Arbeitsmöglichkeiten sowie der „Raucherproblematik“ war danach nicht mehr geboten.

Basdorf Sander Dölp

König Bellay

Parole chiave

plea agreementsentencing rangerevisionscope of reviewreasoned judgmentdetention creditchild pornographysexual offensescosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the judgment violated plea-agreement rules by not disclosing a sentencing range or 'sentencing gap' before the agreement

Decisione estratta

The complaint failed. Section 257c(3) sentence 2 StPO does not require disclosure of a sentencing gap in the absence of a better-defined allegation concerning the conceded sentencing range after a successful agreement.

Motivazione estratta

The court held that the provision concerns the concrete sentencing range in case of a successful plea agreement, usually including a confession, not a comparison between a confession scenario and a denial scenario. The revision attacked only the omission of an upper limit for the denial case and was therefore narrowly framed and not open to broader interpretation.

Questione giuridica chiave

Whether the written judgment had to set out the detailed content of the plea agreement

Decisione estratta

No. It was sufficient to state that a plea agreement under section 257c StPO had taken place.

Motivazione estratta

The judgment need not reproduce the agreement's details; the sentencing reasons were detailed and showed no indication of a mechanically imposed 'point sentence'.

Questione giuridica chiave

Whether the 1:2 crediting of pre-trial detention in Ecuador was legally flawed

Decisione estratta

No. The trial court's assessment was unobjectionable.

Motivazione estratta

The Regional Court considered the relevant conditions of detention and exercised its discretion under section 51(4) sentence 2 StGB without legal error.

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