Sentence overturned for improper mitigation weighting

BGH 5 StR 375/13Bgh / Criminal Chamber 518 set 2013Remanded

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice upheld the trial court’s characterization of the offense as a less serious case of aggravated extortion, but found error in the concrete sentencing. The lower court had relied on mitigating circumstances both to justify the less serious case and again to determine the sentence, without showing awareness that such factors may then only be given limited weight. The sentence of one year and eleven months, suspended on probation, was therefore set aside. The factual findings remained in force, and the matter was remanded to another criminal chamber for a new sentencing decision. The court also noted that probation must not drive the sentence below guilt and that § 55 StGB may need to be examined.

Massima Omnilex

§ 46 StGB, § 250 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 3 StGB; double use of mitigating factors in sentencing after recognition of a less serious case: Mitigating circumstances that have already led to the assumption of a minder schwerer Fall may again be considered when fixing the concrete sentence, but only with reduced weight; otherwise there is impermissible double counting. The assessment of a less serious case remains subject to limited review only and stands if the court has not exceeded its discretion. If the sentencing error concerns merely the evaluative weighting, the findings may remain in force and the case may be remitted for a new sentence (consid. 3-5). A wish to enable probation may not result in a sentence below guilt (consid. 7).

Testo completo

BGH — 5 StR 375/13, Urteil

Entscheidungsdatum: 2013-09-18

Aktenzeichen: 5 StR 375/13

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 46 StGB, § 250 Abs 2 Nr 1 StGB, § 250 Abs 3 StGB, § 255 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Kiel, 11. März 2013, Az: 10 KLs 34/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung bei schwerer räuberischer Erpressung: Minder schwerer Fall aufgrund allgemeiner Strafmilderungsgründe

Tenor

Auf die Revision der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Kiel vom 11. März 2013 im Strafausspruch aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

– Von Rechts wegen –

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schwerer räuberischer Erpressung (§ 255 i.V.m. § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Die zu Ungunsten des Angeklagten eingelegte, auf die Sachrüge gestützte, nach ihrer Begründung wirksam auf den Strafausspruch beschränkte und vom Generalbundesanwalt vertretene Revision der Staatsanwaltschaft hat Erfolg. Einen den Angeklagten benachteiligenden Rechtsfehler (§ 301 StPO) hat die Prüfung nicht ergeben.

2 1. Der Strafausspruch hat auch eingedenk der nur eingeschränkten revisionsgerichtlichen Überprüfung (vgl. hierzu nur BGH, Urteil vom 25. Mai 2011 – 5 StR 63/11, StraFo 2011, 405) keinen Bestand.

3 a) Allerdings ist die Annahme des Landgerichts, es habe sich um einen minder schweren Fall (§ 255 i.V.m. § 250 Abs. 3 StGB) gehandelt, aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden. Denn zu dieser Bewertung durfte das Landgericht aufgrund der von ihm vorgenommenen Gesamtwürdigung der strafzumessungsrelevanten Umstände wegen des Gewichts der im Einzelnen angeführten zahlreichen Milderungsgründe gelangen, ohne den ihm zukommenden Beurteilungsspielraum zu verlassen.

4 b) Jedoch erweist sich die konkrete Festsetzung der Strafhöhe durch das Landgericht als rechtsfehlerhaft. Denn da erst die allgemeinen Milderungsgründe insgesamt zur Annahme eines minder schweren Falls geführt hatten, durften diese bei der konkreten Strafbestimmung zwar erneut berücksichtigt werden (vgl. § 50 StGB), aber nur noch mit eingeschränktem Gewicht (vgl. BGH, Beschlüsse vom 8. April 1987 – 2 StR 91/87, BGHR StGB § 50 Strafhöhenbemessung 2 doppelte Verwertung, sowie vom 25. Juni 2013 – 5 StR 256/13). Das Urteil lässt auch angesichts der ausgesprochen milden Strafe nicht erkennen, dass sich das Landgericht dessen bewusst war.

5 2. Der Senat kann nicht ausschließen (§ 337 Abs. 1 StPO), dass es bei rechtsfehlerfreiem Vorgehen eine andere Strafe festgesetzt hätte, und hebt diese daher auf. Da dies lediglich wegen eines Wertungsfehlers erfolgt, können die Feststellungen bestehen bleiben und in der neuen Hauptverhandlung um ihnen nicht widersprechende ergänzt werden.

6 3. Für die neue Hauptverhandlung weist der Senat auf Folgendes hin:

7 a) Das Bestreben, einem Angeklagten Strafaussetzung zur Bewährung zu bewilligen, darf nicht dazu führen, dass die schuldangemessene Strafe unterschritten wird (vgl. BGH, Urteile vom 17. September 1980 – 2 StR 355/80, BGHSt 29, 319, 321, sowie vom 7. Februar 2012 – 1 StR 525/11, BGHSt 57, 123, 134).

8 b) Bei der strafmildernden Gewichtung des Geständnisses und des „recht spontan“ gefassten Tatentschlusses (UA S. 12) werden die in der Revisionsbegründung angeführten Umstände zu berücksichtigen sein.

9 c) Der Angeklagte wurde nach der vorliegenden Tat durch das Amtsgericht N. wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen verurteilt. Die Urteilsgründe teilen nicht mit, ob diese Entscheidung rechtskräftig geworden und die Strafe vollstreckt ist. Das neue Tatgericht wird daher Gelegenheit haben, die Voraussetzungen des § 55 StGB zu prüfen. Insofern käme es auf die Vollstreckungssituation bei Erlass des angefochtenen Urteils an (vgl. nur BGH, Beschluss vom 22. Juli 2009 – 2 StR 191/09).

Sander Schneider Dölp

Berger Bellay

Parole chiave

criminal sentencingless serious casemitigationdouble countingprobationaggravated extortionremand

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the minor-case finding under aggravated robbery extortion was legally unobjectionable

Decisione estratta

The finding of a less serious case was not legally objectionable.

Motivazione estratta

Given the overall assessment and the numerous mitigating factors, the trial court stayed within its margin of discretion.

Questione giuridica chiave

Whether the concrete sentence was defective because mitigating factors were weighed twice with reduced force

Decisione estratta

Yes. Once the general mitigating factors had justified a less serious case, they could be considered again only with limited weight in setting the sentence.

Motivazione estratta

The judgment did not show that the trial court observed the restriction against double use of the same mitigating circumstances at the sentencing stage.

Questione giuridica chiave

Whether the sentence had to be set aside and remanded

Decisione estratta

The sentence could not stand because the Supreme Court could not exclude a different sentence absent the error.

Motivazione estratta

Because the error concerned only the evaluative weighing of factors, the factual findings could remain in place and the case had to be remitted for a new sentencing decision.

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