No objection procedure required for lawyer disbarment in NRW

BGH AnwZ (Brfg) 34/13Bgh / Senat FüR Anwaltssachen7 ott 2013Dismissed

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Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice dismissed the applicant’s request for leave to appeal against a judgment upholding the revocation of his bar admission for asset insolvency. It held that North Rhine-Westphalia’s abolition of the objection procedure in lawyer disciplinary administrative proceedings is constitutionally unobjectionable because § 68(1) sentence 2 VwGO allows statutory exceptions and the federal legislature left room for state regulation. Alleged procedural defects, including bias-related complaints and denial of adjournment or a post-hearing brief period, were not sufficiently substantiated. The applicant was ordered to bear the costs of the leave proceedings.

Massima Omnilex

§ 68 Abs. 1 S. 2 VwGO; § 112e S. 2 BRAO; Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG, Art. 72 Abs. 1 GG: The legislature may dispense with the objection procedure by statute; the federal rule on mandatory administrative objection does not exhaust the field where the statute itself reserves an exception. In lawyer disciplinary administrative matters, a Land provision abolishing the Widerspruchsverfahren is therefore compatible with federal constitutional competence allocation (consid. 4). In leave-to-appeal proceedings, alleged procedural defects must be substantiated in accordance with the special pleading requirements; challenges to recusals are generally not reviewable where the relevant decision is excluded from appeal and thus from appellate scrutiny. Hearing complaints require concrete disclosure of the omitted submissions and their relevance (consid. 6-10).

Testo completo

BGH — AnwZ (Brfg) 34/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-10-07

Aktenzeichen: AnwZ (Brfg) 34/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 14 Abs 2 Nr 7 BRAO, § 112e S 2 BRAO, Art 74 Abs 1 Nr 1 GG, § 110 JustizG NW, § 68 Abs 1 S 2 VwGO, § 124 Abs 2 Nr 5 VwGO

Vorinstanz: vorgehend Anwaltsgerichtshof Hamm, 15. Februar 2013, Az: 1 AGH 45/11, Urteil

Spruchkörper: Senat für Anwaltssachen

Titelzeile

Verwaltungsrechtliche Anwaltssache: Fehlendes Widerspruchsverfahren in Nordrhein-Westfalen bei Widerruf der Rechtsanwaltszulassung

Tenor

Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil des 1. Senats des Anwaltsgerichtshofs des Landes Nordrhein-Westfalen vom 15. Februar 2013 wird abgelehnt.

Der Kläger hat die Kosten des Zulassungsverfahrens zu tragen.

Der Streitwert für das Zulassungsverfahren wird auf 50.000 € festgesetzt.

Gründe

I.

1 Der Kläger wendet sich gegen den Widerruf seiner Rechtsanwaltszulassung wegen Vermögensverfalls (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO) durch Bescheid der Beklagten vom 12. Juli 2011. Der Anwaltsgerichtshof hat die Klage abgewiesen. Hiergegen richtet sich der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung.

II.

2 Der Antrag auf Zulassung der Berufung ist gemäß § 112e Satz 2 BRAO, § 124a Abs. 4 VwGO statthaft. Er bleibt jedoch ohne Erfolg.

3 1. Der Kläger macht ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO), besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten der Rechtssache (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 2 VwGO) und die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) unter dem Gesichtspunkt geltend, dass die Abschaffung des Vorverfahrens nach § 112c Abs. 1 BRAO, § 68 VwGO für berufsrechtliche Verfahren der Rechtsanwälte durch § 110 JustG NRW verfassungswidrig sei.

4 Die geltend gemachten Zulassungsgründe liegen nicht vor. Bedenken gegen die Verfassungsmäßigkeit von § 110 JustG NRW bestehen nicht. § 68 Abs. 1 Satz 1 VwGO, der die Durchführung eines Widerspruchsverfahrens vor der Erhebung der Klage anordnet, beruht auf der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG. § 68 Abs. 1 Satz 2 VwGO enthält den Vorbehalt, dass es eines Widerspruchsverfahrens nicht bedarf, wenn ein Gesetz dies bestimmt. Der Bundesgesetzgeber hat also seine Kompetenz nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG nicht ausgeschöpft, sondern Raum für abweichende Regelungen durch den Landesgesetzgeber gemäß Art. 72 Abs. 1 GG gelassen (vgl. BVerfGE 35, 65, 73 f.). Der mögliche Ausschluss des Widerspruchsverfahrens durch den Landesgesetzgeber in anwaltsgerichtlichen Verwaltungsverfahren entspricht dem ausdrücklichen Willen des Bundesgesetzgebers (vgl. BT-Drucks. 16/11385 S. 66).

5 2. Der Kläger hat keinen Verfahrensfehler dargelegt, auf dem die Entscheidung des Anwaltsgerichtshofs beruhen kann (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 5 VwGO).

6 a) Eine fehlerhafte Besetzung des Gerichts bei der Entscheidung über den Befangenheitsantrag gegen den seinerzeitigen Vorsitzenden ist schon nicht in Einklang mit den Anforderungen der § 112e Satz 2 BRAO, § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO dargelegt (vgl. BGH, Beschluss vom 28. Oktober 2011 - AnwZ (Brfg) 20/11, NZI 2012, 106 Rn. 10). Im Übrigen sind fehlerhafte Entscheidungen über Ablehnungsgesuche keine im Zulassungsverfahren zu berücksichtigenden Verfahrensfehler, da solche Entscheidungen nach § 112c Abs. 1 BRAO, § 146 Abs. 2 VwGO nicht mit der Beschwerde angefochten werden können und folglich gemäß § 112c Abs. 1 BRAO, § 173 Satz 1 VwGO, § 512 ZPO einer inhaltlichen Überprüfung durch das Berufungsgericht entzogen sind (BGH, Beschlüsse vom 8. Dezember 2011 - AnwZ (Brfg) 46/11 Rn. 7 und vom 15. März 2012 - AnwZ (Brfg) 55/11 Rn. 14). Demgemäß ist auch eine mögliche fehlerhafte Besetzung des Anwaltsgerichtshofs bei der Entscheidung über das Ablehnungsgesuch der Nachprüfung durch das Berufungsgericht entzogen.

7 b) Der Kläger beanstandet des Weiteren eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG).

8 aa) Soweit der Kläger rügt, der Anwaltsgerichtshof habe gehörswidrig Vertagungsanträge abgelehnt (Seite 18 der Begründungsschrift), ist nicht erkennbar, auf welche Tatsachen der Kläger diese Rüge stützt.

9 bb) Auch hinsichtlich des Vortrags, dass der Anwaltsgerichtshof dem Kläger angesichts des Schriftsatzes der Beklagten vom 15. Februar 2013 eine Schriftsatzfrist hätte einräumen müssen, ist der Zulassungsgrund nicht schlüssig dargelegt. Der Kläger verschweigt bereits den Inhalt des Schreibens vom 15. Februar 2013. In diesem Schriftsatz teilt die Beklagte mit, dass der Kläger wegen Untreue zum Nachteil eines Herrn E. zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten unter Strafaussetzung zur Bewährung verurteilt worden sei. Der Anwaltsgerichtshof hat diesen Umstand in den Urteilsgründen nicht verwertet. Der Kläger legt auch nicht dar, was er vorgetragen hätte, wenn ihm eine Schriftsatzfrist nachgelassen worden wäre.

10 c) Der mit "Befangenheit" überschriebene Vortrag des Klägers (Seite 19 der Begründungsschrift) enthält ebenfalls keine schlüssige Darlegung eines Verfahrensfehlers. Im Übrigen stellen Entscheidungen über Ablehnungsgesuche keine im Zulassungsverfahren zu berücksichtigenden Verfahrensfehler dar, siehe oben unter Rn. 6.

11 3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO i.V.m. § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 194 Abs. 2 Satz 1 BRAO.

Kayser Roggenbuck Lohmann

Quaas Braeuer

Parole chiave

bar admissionrevocationasset insolvencyobjection procedureconstitutional competenceright to be heardrecusalleave to appeal

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the abolition of the objection procedure in North Rhine-Westphalia for lawyer disciplinary administrative proceedings is unconstitutional

Decisione estratta

No constitutional objection exists; the federal legislature left room for state rules allowing the objection procedure to be dispensed with.

Motivazione estratta

Section 68(1) sentence 2 VwGO permits statutory exceptions. The federal legislature did not exhaust its competence under Art. 74(1) no. 1 GG and intentionally left room for divergent state regulation under Art. 72(1) GG.

Questione giuridica chiave

Whether procedural errors, including alleged bias rulings and denial of adjournment or time to comment, justified granting leave to appeal

Decisione estratta

No qualifying procedural error was sufficiently and conclusively shown.

Motivazione estratta

Challenges to recusals are generally not reviewable in leave-to-appeal proceedings, and the applicant did not substantiate the alleged hearing violations or show what additional submissions he would have made.

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