IFG in trademark file access excluded; no need to show interest

BGH I ZB 56/11Bgh / I camera civile30 nov 2011Granted

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Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice granted a third-party law partnership access to the files of an IR trademark protection-removal case. It held that the Freedom of Information Act does not apply to file access in trademark matters because the Trademark Act contains a special access regime. In such proceedings, a legitimate interest does not have to be made credible. The requested inspection was therefore allowed for the files of the Federal Court of Justice, the Federal Patent Court, and the German Patent and Trade Mark Office, including the underlying deletion/removal proceedings.

Massima Omnilex

§ 1 Abs. 3 IFG; Akteneinsicht Dritter in markenrechtlichen Verfahren; Schutzentziehung einer IR-Marke; kein Glaubhaftmachen eines berechtigten Interesses erforderlich. Das IFG tritt hinter die spezialgesetzlichen Einsichtsregelungen des Markengesetzes zurück. Für die Einsicht in Gerichts- und Verfahrensakten über den Antrag auf Schutzentziehung einer IR-Marke gilt § 62 Abs. 2 i.V.m. § 82 Abs. 3 MarkenG; der Antrag auf Schutzentziehung tritt an die Stelle des Löschungsantrags nach §§ 115 Abs. 1, 124 MarkenG. Anders als bei Markenanmeldungen nach § 62 Abs. 1 MarkenG ist ein berechtigtes Interesse nicht glaubhaft zu machen. Ein entgegenstehendes schutzwürdiges Interesse der Beteiligten kann allenfalls ausnahmsweise relevant sein; fehlt es an substantiierter Darlegung und Glaubhaftmachung, ist Akteneinsicht zu gewähren.

Testo completo

BGH — I ZB 56/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-11-30

Aktenzeichen: I ZB 56/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 1 Abs 3 IFG, § 62 Abs 1 MarkenG, § 62 Abs 2 MarkenG, § 82 Abs 3 MarkenG, § 107 MarkenG, § 115 Abs 1 MarkenG, § 119 MarkenG, § 124 MarkenG

Vorinstanz: vorgehend BPatG München, 21. Juli 2011, Az: 25 W (pat) 8/09nachgehend BGH, 6. April 2017, Az: I ZB 39/16, Beschluss

Spruchkörper: 1. Zivilsenat

Titelzeile

Verfahren in Markenangelegenheiten: Anwendbarkeit des Informationsfreiheitsgesetzes auf die Akteneinsicht Dritter; Erforderlichkeit der Glaubhaftmachung eines berechtigten Interesses - Schokoladenstäbchen

Leitsatz

Schokoladenstäbchen

  1. Das Informationsfreiheitsgesetz findet auf die Akteneinsicht Dritter in Verfahren in Markenangelegenheiten keine Anwendung.

  2. Für die Akteneinsicht in die Verfahrensakten über einen Antrag auf Schutzentziehung einer IR-Marke braucht ein berechtigtes Interesse nicht glaubhaft gemacht zu werden.

Tenor

Der Antragstellerin wird Einsicht in die Akten des Bundesgerichtshofs - I ZB 56/11 -, des Bundespatentgerichts - 25 W (pat) 8/09 - und des Deutschen Patent- und Markenamts - IR 869 586/30 - einschließlich des Löschungsverfahrens gewährt. Die Akteneinsicht kann auf der Geschäftsstelle des I. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs oder beim Deutschen Patent- und Markenamt in München erfolgen.

Gründe

1 I. Das Bundespatentgericht hat der IR-Marke Nr. 869586 für Deutschland den Schutz entzogen (BPatG, Beschluss vom 21. Juli 2011 - 25 W (pat) 8/09, juris). Dagegen hat die Markeninhaberin Rechtsbeschwerde eingelegt. Die an dem Rechtsbeschwerdeverfahren nicht beteiligte Antragstellerin, eine Partnerschaft von Rechtsanwälten, begehrt Einsicht in die Akten dieses Verfahrens.

2 II. Dem Antrag ist stattzugeben.

3 1. Entgegen der Ansicht der Antragstellerin ist die Einsicht allerdings nicht nach dem Gesetz zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes - Informationsfreiheitsgesetz - vom 5. September 2005 (BGBl. I, S. 2722) zulässig. Auf die Einsicht Dritter in die Akten in Verfahren in Markenangelegenheiten (§§ 32 bis 96 MarkenG) findet das Informationsfreiheitsgesetz nach seinem § 1 Abs. 3 keine Anwendung. Nach dieser Bestimmung gehen Regelungen in anderen Rechtsvorschriften über den Zugang zu amtlichen Informationen mit Ausnahme des § 29 des Verwaltungsverfahrensgesetzes und des § 25 des Zehnten Buches des Sozialgesetzbuches vor. Zu den dem Informationsfreiheitsgesetz vorrangigen Regelungen gehören die Bestimmungen des Markengesetzes über die Akteneinsicht (vgl. Büscher in Büscher/Dittmer/Schiwy, Gewerblicher Rechtschutz, Urheberrecht, Medienrecht, 2. Aufl., § 62 MarkenG Rn. 3; Fezer, Markenrecht, 4. Aufl., § 62 Rn. 1; Kirschneck in Ströbele/Hacker, MarkenG, 10. Aufl., § 62 Rn. 1). Die Akten- und Registereinsicht beim Deutschen Patent- und Markenamt richtet sich nach § 62 MarkenG. Die Vorschrift ist nach § 82 Abs. 3 MarkenG im Beschwerdeverfahren vor dem Bundespatentgericht entsprechend anwendbar; sie gilt auch im Rechtsbeschwerdeverfahren (vgl. BGH, Beschluss vom 6. Oktober 2005 - I ZB 11/04, BeckRS 2005, 12319 mwN).

4 2. Nach § 62 Abs. 2 i.V.m. § 82 Abs. 3 MarkenG ist grundsätzlich Einsicht in die Gerichts- und Verfahrensakten zu gewähren, die eine eingetragene Marke betreffen. Dies gilt nach §§ 107, 119 MarkenG auch für das Verfahren über den Antrag auf Schutzentziehung einer IR-Marke, das nach § 115 Abs. 1, § 124 MarkenG an die Stelle des Antrags auf Löschung einer eingetragenen Marke tritt.

5 Für die Akteneinsicht braucht - anders als bei der Einsicht in die Akten von Markenanmeldungen nach § 62 Abs. 1 MarkenG (vgl. auch BGH, Beschluss vom 10. April 2007 - I ZB 15/06, GRUR 2007, 628 Rn. 13 f. = WRP 2007, 788 - MOON) - ein berechtigtes Interesse nicht glaubhaft gemacht zu werden. Ob ausnahmsweise einer (unbeschränkten) Akteneinsicht schutzwürdige Belange der Verfahrensbeteiligten entgegenstehen können (bejahend Büscher in Büscher/Dittmer/Schiwy aaO § 62 MarkenG Rn. 15; Fezer aaO § 62 Rn. 5; Kirschneck in Ströbele/Hacker aaO § 62 Rn. 20; verneinend Ingerl/Rohnke, MarkenG, 3. Aufl., § 62 Rn. 5; Fezer/Grabrucker, Handbuch der Markenpraxis, Bd. 1, Seite 233 f. Rn. 56) braucht vorliegend nicht entschieden zu werden. Die Verfahrensbeteiligten haben der begehrten Akteneinsicht zwar widersprochen. Sie haben ein berechtigtes Interesse, das ausnahmsweise einer (unbeschränkten) Akteneinsicht entgegenstehen könnte, aber nicht dargelegt und glaubhaft gemacht. Ein solches Interesse ist auch nicht ersichtlich.

Bornkamm Büscher Schaffert

Koch Löffler

Parole chiave

file accesstrademark proceedingsFreedom of Information Actlegitimate interestIR trademarkprotection removalspecial statutory regime

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the Freedom of Information Act applies to third-party access to trademark proceedings files

Decisione estratta

No. The Freedom of Information Act does not govern third-party access to files in trademark matters because the Trademark Act contains priority rules on file inspection.

Motivazione estratta

Section 1(3) IFG gives precedence to other statutory access rules. Sections 62, 82(3), 107, 115(1), 119 and 124 MarkenG form the specific regime for file and register inspection in trademark proceedings, including on appeal and in IR protection-removal proceedings.

Questione giuridica chiave

Whether a legitimate interest must be made credible for inspection of files in an IR trademark protection-removal proceeding

Decisione estratta

No. For file inspection in such proceedings, a legitimate interest need not be made credible, unlike in applications concerning trademark registrations.

Motivazione estratta

Under Sections 62(2) and 82(3) MarkenG, access to court and procedural files concerning an existing mark is generally to be granted. This also applies to protection-removal proceedings for IR marks, which replace deletion proceedings for registered marks. A possible exception for protective interests of the parties did not need to be decided, because no sufficiently substantiated protective interest was shown.

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