WEG case: complaint value and dispute value for demolition order

BGH V ZR 86/16Bgh / V camera civile17 nov 2016Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The defendants filed a non-admission complaint against a Munich WEG judgment requiring removal of a swimming pool. The BGH held that the complaint was admissible because the value of the defendants' complaint exceeded EUR 20,000, based on the expected demolition costs. On the merits, however, the complaint was unfounded because no grounds for admission under Section 543(2) ZPO existed. The complaint was therefore rejected, the defendants were ordered to bear the costs, and the dispute value was set at EUR 13,000.

Massima Omnilex

§ 26 Nr. 8 EGZPO, § 49a GKG; complaint value in WEG proceedings and dispute value for demolition claims. The value of the appellant's complaint is determined by its own economic interest in altering the challenged decision and does not generally coincide with the dispute value under § 49a GKG. In actions against a condominium owner seeking removal of a structural alteration, the dispute value is to be determined under § 49a Abs. 1 sentence 1 GKG by estimating, as a rule, one half of the claimant's interest in removal and one half of the defendant's interest in avoiding demolition; the limits of § 49a Abs. 1 sentences 2 and 3 and Abs. 2 GKG must also be observed. For admissibility of a non-admission complaint, the relevant complaint value is assessed independently under economic criteria; in demolition cases it normally corresponds to the expected costs of substitute performance (consid. 2-3, 5).

Testo completo

BGH — V ZR 86/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-11-17

Aktenzeichen: V ZR 86/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:171116BVZR86.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 26 Nr 8 ZPOEG, § 49a Abs 1 S 1 GKG, § 49a Abs 1 S 2 GKG, § 49a Abs 1 S 3 GKG, § 49a Abs 2 GKG

Vorinstanz: vorgehend LG München I, 29. Februar 2016, Az: 36 S 15947/15 WEGvorgehend AG München, 18. August 2015, Az: 484 C 5329/15 WEG, Urteil

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Wohnungseigentumssache: Beschwer des Rechtsmittelführers; Bemessung des Streitwerts einer gegen einen Wohnungseigentümer gerichteten Klage auf Beseitigung einer baulichen Veränderung

Leitsatz

  1. Der in wohnungseigentumsrechtlichen Verfahren gemäß § 49a GKG bestimmte Streitwert entspricht in der Regel nicht der für die Zulässigkeit eines Rechtsmittels maßgeblichen Beschwer des Rechtsmittelführers.

  2. Wird mit der gegen einen Wohnungseigentümer gerichteten Klage die Beseitigung einer baulichen Veränderung verlangt, bemisst sich der Streitwert gemäß § 49a Abs. 1 Satz 1 GKG nach dem (hälftigen) klägerischen Interesse an der Beseitigung und dem (hälftigen) Interesse der Beklagen, keinen Rückbau vornehmen zu müssen; daneben sind die Grenzen des § 49a Abs. 1 Satz 2 und 3 GKG und des § 49a Abs. 2 GKG zu beachten.

Tenor

Die Nichtzulassungsbeschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts München I - 36. Zivilkammer - vom 29. Februar 2016 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt 13.000 €.

Gründe

1 1. Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts ist die Nichtzulassungsbeschwerde zulässig. Insbesondere übersteigt der Wert der mit der Revision geltend zu machenden Beschwer den gemäß § 26 Nr. 8 EGZPO erforderlichen Betrag von 20.000 €.

2 a) Der Wert der Beschwer bemisst sich nach dem Interesse des Rechtsmittelführers an der Abänderung der angefochtenen Entscheidung. Dieses Interesse ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu bewerten (vgl. BGH, Urteil vom 24. November 1971 - VIII ZR 80/71, BGHZ 57, 301, 302 mwN). Nichts anderes gilt in wohnungseigentumsrechtlichen Verfahren. Das Änderungsinteresse des Rechtsmittelführers erhöht oder ermäßigt sich nicht dadurch, dass bei der Bemessung des Streitwerts auch eine Reihe von anderen Kriterien Berücksichtigung findet; infolgedessen entspricht der gemäß § 49a GKG bestimmte Streitwert in der Regel nicht der für die Zulässigkeit eines Rechtsmittels maßgeblichen Beschwer (vgl. auch Senat, Beschluss vom 9. Februar 2012 - V ZB 211/11, ZWE 2012, 224 Rn. 4; Suilmann in Jennißen, WEG, 4. Aufl., § 49a GKG Rn. 24 ff.).

3 b) Wird der Beklagte zur Beseitigung einer baulichen Veränderung (hier: Swimmingpool) verurteilt, bemisst sich seine Beschwer grundsätzlich nach den Kosten einer Ersatzvornahme des Abrisses, die ihm im Falle des Unterliegens drohen (st. Rspr., vgl. Senat, Beschluss vom 15. Januar 2015 - V ZB 135/14, NJW-RR 2015, 337 Rn. 3 mwN). Daran gemessen wird der Betrag von 20.000 € überschritten, weil die Beklagten durch Vorlage eines Kostenvoranschlags glaubhaft gemacht haben, dass die zu erwartenden Rückbaukosten über dieser Summe liegen werden. Ob der Wert der Beschwer noch höher anzusetzen ist, wenn das Interesse am Erhalt des Bauwerks die Kosten eines Abrisses übersteigt, bedarf hier keiner Entscheidung (vgl. Senat, Beschluss vom 29. Januar 2009 - V ZR 152/08, GE 2009, 514 Rn. 4; Beschluss vom 15. Januar 2015 - V ZB 135/14, aaO Rn. 4).

4 2. Das Rechtsmittel ist aber unbegründet. Die Rechtssache wirft keine entscheidungserheblichen Fragen von grundsätzlicher Bedeutung auf. Eine Entscheidung ist auch nicht zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich (§ 543 Abs. 2 ZPO). Von einer näheren Begründung wird insoweit gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 ZPO abgesehen.

III.

5 Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Der Streitwert ist gemäß § 49a Abs. 1 Satz 1 GKG auf 50 % des Interesses der Parteien und aller Beigeladenen festzusetzen. Wird - wie hier - mit der gegen einen Wohnungseigentümer gerichteten Klage die Beseitigung einer baulichen Veränderung verlangt, bemisst sich der Streitwert nach dem (hälftigen) klägerischen Interesse an der Beseitigung und dem (hälftigen) Interesse der Beklagen, keinen Rückbau vornehmen zu müssen (vgl. zu Letzterem BayObLG, WuM 1994, 565, 566; Suilmann in Jennißen, WEG, 4. Aufl., § 49a GKG Rn. 11; siehe auch BT-Drucks. 16/887, 42 und 54). Die genannten Interessen der Parteien sind nicht identisch, da sie eine unterschiedliche Zielrichtung haben (so auch BayObLG, WuM 1994, 565 f.; insoweit aA Suilmann in Jennißen, WEG, 4. Aufl., § 49a GKG Rn. 11). Maßgeblich ist das jeweilige wirtschaftliche Interesse, das das Gericht ggf. schätzen muss. Das Gesamtinteresse der Parteien schätzt der Senat hier auf 26.000 € (Kläger: 5.000 €; Beklagte: 21.000 €). Der Streitwert beträgt 50 % hiervon, also 13.000 €. Daneben sind die Grenzen des § 49a Abs. 1 Satz 2 und 3 GKG und des § 49a Abs. 2 GKG zu beachten; diese sind eingehalten.

StresemannSchmidt-RäntschBrückner
GöbelHaberkamp

Parole chiave

non-admission complaintcomplaint valuedispute valueWEGdemolition orderstructural alterationcostsappeal admissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the non-admission complaint was admissible under the complaint-value threshold.

Decisione estratta

Yes. The value of the complaint exceeded EUR 20,000 because the expected demolition costs made the defendants' economic interest sufficiently high.

Motivazione estratta

The complaint value depends on the appellant's economic interest in changing the challenged decision. In a demolition case, this is usually the cost of substitute performance/tear-down costs; the defendants credibly showed costs above EUR 20,000.

Questione giuridica chiave

Whether the non-admission complaint was substantively well-founded.

Decisione estratta

No. The case did not raise questions of fundamental importance and did not require development of the law or uniformity review.

Motivazione estratta

The court found no decisive reasons under Section 543(2) ZPO and therefore saw no basis to allow the appeal.

Questione giuridica chiave

How the dispute value in the WEG demolition case was to be calculated.

Decisione estratta

The dispute value was set at EUR 13,000, corresponding to 50% of the total interests of the parties (EUR 26,000).

Motivazione estratta

Under Section 49a GKG, the value is generally 50% of the interests of the parties and any interveners. For a demolition claim, it is based on half of the claimant's interest in removal and half of the defendant's interest in avoiding demolition; the court estimated the total interest at EUR 26,000.

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