Aggregation of sentences in social security contribution offenses

BGH 1 StR 180/17Bgh / I camera penale26 lug 2017Partially Granted

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Sintesi Omnilex

The Federal Court partly upheld the defendant’s revision. While the conviction and individual sentences remained untouched, the total imprisonment sentence had to be annulled because the lower court wrongly excluded several § 266a StGB offenses from the later total sentence. For these offenses, completion occurs only when the contribution obligation ends, either through payment or cessation of the debtor. The matter was remitted to another criminal chamber of the Regional Court Frankfurt am Main for a new decision, including costs. The total of the new combined sentences may not exceed the previous total.

Massima Omnilex

§ 55 StGB; § 266a Abs. 1, 2 StGB; total punishment after withholding and misappropriation of wages: offenses are completed only when the contribution claim has ceased, either by payment or by extinction of the debtor. Where later offenses have not yet reached this point, they must be included in the later total sentence; a failure to do so constitutes an error in the aggregation of sentences and requires setting aside the total punishment, while the findings otherwise may remain unaffected. Under the reformatio in peius prohibition, the aggregate of the newly formed total sentences may not exceed the sum of the set-aside sentences.

Testo completo

BGH — 1 StR 180/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-07-26

Aktenzeichen: 1 StR 180/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:260717B1STR180.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 55 StGB, § 266a Abs 1 StGB, § 266a Abs 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 17. November 2016, Az: 5/29 KLs 12/16

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Gesamtstrafenbildung: Tatbeendigung bei Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 17. November 2016 im Ausspruch über die Gesamtfreiheitsstrafe aufgehoben.

  2. Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.

  3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 1. Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Steuerhinterziehung in 48 Fällen sowie Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 43 Fällen unter Einbeziehung der Einzelstrafen aus den Urteilen der Amtsgerichte Friedberg vom 21. Februar 2012 und Frankfurt am Main vom 20. Juni 2012 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten („wegen der Taten 5 – 14 und 49 – 57“) sowie zu einer weiteren Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren („wegen der Taten 1 – 4, 15 – 48 sowie 58 – 91“) verurteilt und eine Entscheidung über die Anrechnung der in Portugal erlittenen Auslieferungshaft getroffen.

2 2. Soweit der Beschwerdeführer ein Verfahrenshindernis bezüglich der Tat 49 geltend macht, wird auf die Antragsschrift des Generalbundesanwalts Bezug genommen.

3 3. Die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat mit der Sachrüge in dem aus der Beschlussformel ersichtlichen Umfang Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

4 a) Zum Schuldspruch und zum Ausspruch über die Einzelfreiheitsstrafen hat die Revision des Angeklagten aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts genannten Gründen keinen Erfolg.

5 b) Der Ausspruch über die gegen den Angeklagten verhängten Gesamtfreiheitsstrafen hat keinen Bestand.

6 Das Landgericht hat zwar zutreffend erkannt, dass dem Urteil des Amtsgerichts Friedberg eine Zäsurwirkung zukommt. Es hat aber übersehen, dass Taten nach § 266a Abs. 1, Abs. 2 StGB erst beendet sind, wenn die Beitragspflicht erloschen ist, sei es durch Beitragsentrichtung oder Wegfall des Beitragsschuldners (BGH, Beschlüsse vom 27. September 1991 – 2 StR 315/91, wistra 1992, 23 und vom 28. Oktober 2008 – 5 StR 166/08, BGHSt 53, 24, 31). Dies ist bei den Taten 49 – 57 nach dem Gesamtzusammenhang der Urteilsgründe nicht der Fall.

7 Die Kammer hätte daher die Fälle 49 – 57 in die zweite Gesamtfreiheitsstrafe, die für die nach dem 21. Februar 2012 beendeten Taten gebildet worden ist, einbeziehen müssen.

8 Durch die fehlerhafte Gesamtstrafenbildung ist der Angeklagte beschwert. Der Senat kann nicht ausschließen, dass das Landgericht in der Gesamtsumme geringere Gesamtstrafen gebildet hätte oder dass sich der Rechtsfehler in dem Fall, dass ihm weitere Taten zur Last gelegt werden sollten und die Gesamtstrafen erneut aufgelöst und weitere Taten in die dann neu zu bildenden Gesamtstrafen einbezogen werden müssten, zu seinem Nachteil auswirken könnte.

9 Der Ausspruch über die Gesamtstrafe war daher aufzuheben. Die Feststellungen haben Bestand; sie sind von dem Rechtsfehler nicht betroffen.

10 Wegen des Verschlechterungsverbots (§ 358 Abs. 2 Satz 1 StPO) darf die Summe der beiden neu zu bildenden Gesamtfreiheitsstrafen nicht höher sein als die Summe der früheren Gesamtfreiheitsstrafen.

RaumBellayRadtke
FischerBär

Parole chiave

sentence aggregationcompletion of offensesocial security contributionsrevisionreformatio in peius

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the total imprisonment sentence had to be set aside because offenses under § 266a(1), (2) StGB were treated as completed too early for aggregation purposes.

Decisione estratta

Yes. The offenses were only completed when the contribution obligation ended, either by payment or by cessation of the debtor; the lower court failed to include cases 49–57 in the later total sentence.

Motivazione estratta

The earlier judgment of the Amtsgericht Friedberg had a blocking effect, but the court overlooked the special completion point of § 266a offenses. Because the contribution obligations had not yet lapsed, the relevant acts remained to be included in the second total sentence.

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