Interim suspension of eviction due to health and life risk

BVerfG 2 BvR 2455/12Bverfg / 2. Senat 2. Kammer24 set 2013Granted

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Sintesi Omnilex

The Federal Constitutional Court granted interim relief in constitutional complaint proceedings and suspended enforcement of the eviction order from the Local Court Aachen judgment. The Court applied the strict balancing test under § 32(1) BVerfGG and held that the complaint was not obviously inadmissible or manifestly unfounded, at least insofar as it relied on Art. 2(2) sentence 1 GG and Art. 103(1) GG. Because an eviction could otherwise be carried out before the merits decision, while the temporary delay would cause comparatively lesser harm, the balance favored suspension. The Court emphasized the serious medical risks, including possible life-threatening consequences, for the elderly first complainant.

Massima Omnilex

§ 32 Abs. 1 BVerfGG; interim relief in constitutional complaint proceedings concerning enforcement of an eviction order; the Court grants an injunction only on the basis of a strict balancing of consequences when the complaint is neither manifestly inadmissible nor manifestly unfounded. If immediate enforcement would create irreparable disadvantages, in particular substantial health risks or danger to life, and the opposing party suffers only a temporary delay, the balance may favor suspension. Missing proof of authorization under § 22(2) BVerfGG does not necessarily preclude relief if it can still be cured within a set period.

Testo completo

BVerfG — 2 BvR 2455/12, Einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2013-09-24

Aktenzeichen: 2 BvR 2455/12

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2013:rk20130924.2bvr245512

Dokumenttyp: Einstweilige Anordnung

Normen: Art 2 Abs 2 S 1 GG, § 22 Abs 2 BVerfGG, § 32 Abs 1 BVerfGG, § 765a Abs 3 ZPO, § 885 Abs 1 S 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Aachen, 13. August 2013, Az: 5 T 116/12, Beschlussvorgehend LG Aachen, 22. Juli 2013, Az: 5 T 116/12, Beschlussvorgehend LG Aachen, 27. September 2012, Az: 5 T 116/12, Beschlussvorgehend AG Aachen, 22. August 2012, Az: 903 M 1236-12, Beschlussvorgehend AG Aachen, 23. Juli 2012, Az: 903 M 1236-12, Beschlussnachgehend BVerfG, 19. Februar 2014, Az: 2 BvR 2455/12, Stattgebender Kammerbeschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Erlass einer einstweiligen Anordnung im Verfassungsbeschwerdeverfahren: Aussetzung der Zwangsvollstreckung - Gesundheits- bzw Lebensgefahr bei Zwangsräumung

Tenor

Die Zwangsvollstreckung aus Ziffer I. des Tenors des Urteils des Amtsgerichts Aachen vom 11. Mai 2011 - 110 C 385/10 - wird einstweilen bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde, längstens für sechs Monate, ausgesetzt.

Gründe

1 Die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung liegen vor.

2 1. Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Bei der Prüfung dieser Voraussetzungen ist ein strenger Maßstab anzulegen. Dabei haben die Gründe, welche der Beschwerdeführer für die Verfassungswidrigkeit der angegriffenen Hoheitsakte anführt, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben, es sei denn, die Verfassungsbeschwerde erweist sich von vornherein als unzulässig oder offensichtlich unbegründet. Bei offenem Ausgang muss das Bundesverfassungsgericht die Folgen, die einträten, wenn die einstweilige Anordnung nicht erginge, die Verfassungsbeschwerde aber Erfolg hätte, gegenüber den Nachteilen abwägen, die entstünden, wenn die begehrte einstweilige Anordnung erlassen würde, der Verfassungsbeschwerde aber der Erfolg zu versagen wäre (vgl. BVerfGE 99, 57 <66>; stRspr).

3 2. Die Verfassungsbeschwerde ist nach dem gegenwärtigen Verfahrensstand jedenfalls, soweit die Beschwerdeführer eine Verletzung ihrer verfassungsmäßigen Rechte aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG und aus Art. 103 Abs. 1 GG rügen, weder von vornherein unzulässig noch in Gänze offensichtlich unbegründet. Soweit eine den Anforderungen des § 22 Abs. 2 BVerfGG entsprechende Vollmacht der Beschwerdeführerin zu 1. bisher nicht vorliegt, kann diese innerhalb einer zu bestimmenden Frist nachgereicht werden (BVerfGE 62, 194 <200>). Im Rahmen der somit erforderlichen Abwägung überwiegen die Gründe für den Erlass einer einstweiligen Anordnung.

4 Erginge die einstweilige Anordnung nicht, erwiese sich die Verfassungsbeschwerde später aber als begründet, wäre nicht auszuschließen, dass der Räumungstitel in der Zwischenzeit vollstreckt würde. Nach dem von dem Landgericht eingeholten Gutachten erscheint eine Zwangsräumung aus ärztlicher Sicht derzeit nicht verantwortbar, weil sie zu erheblichen Gesundheitsgefahren bis hin zu einer Lebensgefahr für die hochbetagte Beschwerdeführerin zu 1. führen würde.

5 Erginge dagegen die einstweilige Anordnung, erwiese sich die Verfassungsbeschwerde später jedoch als nicht erfolgreich, so verzögerte sich die Räumung um wenige Monate. Das wiegt insgesamt weniger schwer als die im Falle einer Zwangsräumung drohenden Nachteile. Der Begünstigte des Ausgangsverfahrens hat in seiner Stellungnahme keine Nachteile geltend gemacht, die über die durch die mit der Verzögerung (zwangsläufig) verbundene Beeinträchtigung seines Eigentumsrechts und seines Rechts auf effektiven Rechtsschutz hinausgehen.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Parole chiave

interim reliefconstitutional complaintevictionbalancing of consequenceshealth riskright to lifeeffective legal protectionauthorizationenforcement suspension

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether an interim order should suspend enforcement of the eviction judgment pending the constitutional complaint.

Decisione estratta

Yes. The Court suspended enforcement because the balance of consequences favored temporary relief in view of the documented health and life risks.

Motivazione estratta

The constitutional complaint was not obviously inadmissible or unfounded. If no interim order were granted and the complaint later succeeded, the eviction could already have been enforced. By contrast, a short delay would weigh less heavily than the serious risk to the complainant's health and life.

Questione giuridica chiave

Whether the application should fail because the procedural authorization for the first complainant had not yet been submitted in the form required by § 22(2) BVerfGG.

Decisione estratta

No. A compliant authorization could still be submitted within a set period.

Motivazione estratta

The missing power of attorney did not prevent interim protection at this stage.

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