PKH denied for compensation claim based on lack of standing

BFH X S 50/13 (PKH)Bfh / Division 1010 mar 2014Dismissed

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Sintesi Omnilex

The Federal Fiscal Court denied the applicant legal aid for an intended compensation action concerning the length of an earlier legal-aid proceeding. Because insolvency had been opened over the applicant's assets, the insolvency administrator alone had procedural authority over estate-related proceedings. The applicant therefore was not a 'Verfahrensbeteiligter' under § 198 GVG in the underlying proceeding, so the compensation claim had no sufficient prospects of success. The court left open whether the legal-aid application was also formally insufficient under § 117 ZPO.

Massima Omnilex

§ 198 Abs. 1 Satz 1, Abs. 6 Nr. 2 GVG; § 80 Abs. 1 InsO; legal aid for an intended compensation action based on excessive length of proceedings requires that the applicant be a procedural participant in the allegedly delayed proceeding. A participant within the meaning of § 198 GVG is only a person who can affect the subject matter of the proceedings by virtue of own rights. Upon opening insolvency, the debtor loses the power to administer and dispose of estate assets; procedural authority concerning estate matters passes exclusively to the insolvency administrator. The debtor is therefore not a participant in a proceeding conducted by the administrator and lacks standing for a compensation claim based on that proceeding (consid. 5-8).

Testo completo

BFH — X S 50/13 (PKH), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-03-10

Aktenzeichen: X S 50/13 (PKH)

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 198 Abs 1 S 1 GVG, § 198 Abs 6 Nr 2 GVG, § 142 Abs 1 FGO, § 114 S 1 ZPO, § 80 Abs 1 InsO, § 116 S 1 Nr 1 ZPO, § 117 Abs 1 S 2 ZPO

Spruchkörper: 10. Senat

Titelzeile

(Bewilligung von Prozesskostenhilfe bei Entschädigungsklage wegen unangemessener Dauer eines Prozesskostenhilfeverfahrens - Verfahrensbeteiligter i.S. des § 198 Abs. 1 Satz 1 GVG bei Insolvenz - Anforderungen an einen Antrag auf Prozesskostenhilfe)

Leitsatz

NV: Verfahrensbeteiligter i.S. des § 198 Abs. 1 Satz 1 GVG ist nur eine Person, die kraft eigenen Rechts gestaltend auf den Prozessgegenstand des (angeblich verzögerten) Gerichtsverfahrens einwirken kann .

Tatbestand

1 I. Mit Beschluss des Amtsgerichts X vom … 2006 wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Antragstellers eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt R bestellt. R beantragte beim Finanzgericht Berlin-Brandenburg (FG - vormals FG Berlin), ihm Prozesskostenhilfe (PKH) für ein noch vom Antragsteller eingeleitetes Verfahren zwecks Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes (§ 69 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung --FGO--) zu bewilligen.

2 Der Antragsteller begehrt nun seinerseits PKH für eine nach § 198 des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) beabsichtigte Klage wegen überlanger Dauer des Verfahrens …/06 B (PKH). Zur Begründung trägt er vor, es handele sich um eines von mehreren Verfahren, bei denen bislang keine substantielle Bearbeitung zu erkennen sei.

Entscheidungsgründe

3 II. Der Antrag hat keinen Erfolg.

4 1. Gemäß § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 114 Satz 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) erhält eine Partei, die nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, auf Antrag PKH, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint. Hierbei ist nach § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 117 Abs. 1 Satz 2 ZPO in dem PKH-Antrag das Streitverhältnis unter Angabe der Beweismittel darzustellen.

5 Daran fehlt es. Vorliegend hat die von dem Antragsteller beabsichtigte Entschädigungsklage keine hinreichende Erfolgsaussicht. Beteiligter des Ausgangsverfahrens …/06 B (PKH) war nicht der Antragsteller, sondern R.

6 a) Nach § 198 Abs. 1 Satz 1 GVG wird, wer infolge unangemessener Dauer eines Gerichtsverfahrens als Verfahrensbeteiligter einen Nachteil erleidet, angemessen entschädigt. Verfahrensbeteiligter im Sinne der Vorschrift ist nach der Definition des § 198 Abs. 6 Nr. 2 GVG mit hier nicht einschlägigen Ausnahmen jede Partei und jeder Beteiligte eines Gerichtsverfahrens. Hierzu gehören nur Personen, die kraft eigenen Rechts gestaltend auf den Prozessgegenstand des (angeblich verzögerten) Gerichtsverfahrens einwirken können (Kissel/Mayer, Gerichtsverfassungsgesetz, 7. Aufl., § 198 Rz 10).

7 b) Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens über sein Vermögen ist der Antragsteller nicht mehr befugt, das zur Insolvenzmasse gehörende Vermögen zu verwalten und über dieses zu verfügen (§ 80 Abs. 1 der Insolvenzordnung). Er kann als Insolvenzschuldner für und gegen die Masse nicht wirksam handeln, mithin auch keinen masserelevanten Prozess führen. Die Prozessführungsbefugnis obliegt allein dem Insolvenzverwalter.

8 Hiermit einhergehend enthält § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO eine Sonderregelung für die Gewährung von PKH für Parteien kraft Amtes wie beispielsweise den Insolvenzverwalter. Entsprechend ist das FG davon ausgegangen, dass vorliegend nur R Antragsteller des PKH-Verfahrens war. In dem PKH-Verfahren …/06 B (PKH) des R war der Antragsteller mithin nicht Beteiligter i.S. des § 198 Abs. 6 Nr. 2 GVG.

9 c) Im Hinblick auf die fehlende Erfolgsaussicht kann vorliegend dahinstehen, ob der Antrag bereits unzulässig ist, weil der Antragsteller es versäumt hat, das Streitverhältnis in der nach § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 117 Abs. 1 Satz 2 ZPO gebotenen Weise darzustellen (zu den Anforderungen vgl. den Senatsbeschluss im Verfahren X S 52/13 (PKH) vom 10. März 2014, sowie den Senatsbeschluss X S 90/13 (PKH) vom 23. Januar 2014, BFH/NV 2014, 569). Seine Ausführungen beschränken sich darauf, in dem Verfahren …/06 B (PKH) sei "bis heute keinerlei substanzielle Bearbeitung zu erkennen".

10 2. Eine Kostenentscheidung ist nicht zu treffen. Gerichtsgebühren sind für dieses Verfahren nicht zu erheben (§ 142 FGO i.V.m. § 118 Abs. 1 Sätze 4 und 5 ZPO, § 1 Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. § 3 Abs. 2 des Gerichtskostengesetzes und des Kostenverzeichnisses der Anlage 1).

Parole chiave

legal aidcompensation claimexcessive length of proceedingsinsolvencyprocedural standingprospects of success

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the applicant was entitled to legal aid for the intended compensation claim under § 198 GVG.

Decisione estratta

No. The intended claim lacked sufficient prospects of success because the applicant was not a participant in the underlying proceeding; that role belonged to the insolvency administrator.

Motivazione estratta

Only a person who can shape the subject matter of the delayed proceeding by virtue of their own rights is a 'Verfahrensbeteiligter'. After the opening of insolvency, the applicant could no longer dispose of the estate or conduct proceedings affecting it; procedural authority rested with the insolvency administrator.

Questione giuridica chiave

Whether the legal-aid application met the formal requirement to describe the dispute and evidence.

Decisione estratta

The court left this open because the application already failed for lack of prospects of success.

Motivazione estratta

The submissions were minimal and might not have satisfied § 117 Abs. 1 Satz 2 ZPO, but the court did not need to decide this point.

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