Complaint inadmissible for lack of procedural capacity

BVerwG 5 B 52/15Bverwg / 5a divisione19 ago 2015Dismissed

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Sintesi Omnilex

The Federal Administrative Court dismissed a complaint against an OVG Lüneburg decision because the applicant, subject to a guardianship with a consent reservation for legal matters, lacked procedural capacity. The guardian had not consented to or ratified the filing. The court held that filing the complaint was not merely legally advantageous because it involved a costs risk. Costs were imposed on the applicant, but court fees were not charged.

Massima Omnilex

§ 62 Abs. 2 VwGO; Beschwerdeeinlegung durch einen geschäftsfähigen Betreuten unter Einwilligungsvorbehalt: Prozessfähigkeit besteht nur, soweit der Betreute nach bürgerlichem Recht ohne Zustimmung des Betreuers handeln kann oder öffentlich-rechtlich als handlungsfähig anerkannt ist. Die Einlegung einer kostenrisikobehafteten Beschwerde ist kein lediglich rechtlich vorteilhaftes Rechtsgeschäft i.S.v. § 1903 Abs. 3 Satz 1 BGB. Fehlt die erforderliche Einwilligung des Betreuers und eine nachträgliche Genehmigung, ist das Rechtsmittel unzulässig; gleichwohl entsteht durch die Einlegung ein begrenztes Prozessrechtsverhältnis, das eine Kostenentscheidung nach § 154 Abs. 2 VwGO ermöglicht (vgl. auch consid. 2 und 3).

Testo completo

BVerwG — 5 B 52/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-08-19

Aktenzeichen: 5 B 52/15

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2015:190815B5B52.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Vorinstanz: vorgehend OVG Lüneburg, 9. Juli 2015, Az: 4 LB 152/15, Beschluss

Spruchkörper: 5. Senat

Gründe

1 1. Die Beschwerde ist schon deshalb unzulässig, weil die Antragstellerin nicht prozessfähig ist.

2 Der Mangel der Prozessfähigkeit folgt jedenfalls aus § 62 Abs. 2 VwGO. Danach ist ein geschäftsfähiger Betreuter bei Bestehen eines Einwilligungsvorbehalts nach § 1903 BGB, der den Gegenstand des Verfahrens betrifft, nur insoweit zur Vornahme von Verfahrenshandlungen fähig, als er nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts ohne Einwilligung des Betreuers handeln kann oder durch Vorschriften des öffentlichen Rechts als handlungsfähig anerkannt ist. Im Fall der Antragstellerin besteht ein den Gegenstand des Verfahrens betreffender Einwilligungsvorbehalt nach § 1903 BGB. Das Amtsgericht Rotenburg (Wümme) hat mit rechtskräftigem Beschluss vom 18. Dezember 2014 (10 XVII S 1057) nach § 1896 Abs. 1 BGB für die Antragstellerin einen Betreuer u.a. mit dem Aufgabenkreis "Rechtsangelegenheiten" bestellt und gemäß § 1903 Abs. 1 Satz 1 BGB angeordnet, dass sie zu Willenserklärungen auch in solchen Angelegenheiten (grundsätzlich) der Einwilligung des Betreuers bedarf. Die Voraussetzungen, unter denen die Antragstellerin nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts die Beschwerde ohne Einwilligung des Betreuers einlegen könnte, sind nicht erfüllt. Zwar bedarf der Betreute nach § 1903 Abs. 3 Satz 1 BGB trotz eines angeordneten Einwilligungsvorbehalts nicht der Einwilligung des Betreuers, wenn die Willenserklärung dem Betreuten lediglich einen rechtlichen Vorteil bringt. Die Beschwerde gehört nicht zu solchen Willenserklärungen, weil deren Einlegung mit einem Kostenrisiko nach § 154 Abs. 2 VwGO verbunden ist (vgl. BVerwG, Beschluss vom 26. Januar 1996 - 5 B 219.95 - Buchholz 310 § 62 VwGO Nr. 24 S. 2). Vorschriften des öffentlichen Rechts, die die Antragstellerin hinsichtlich der hier in Rede stehenden Beschwerde als handlungsfähig anerkennen, sind nicht ersichtlich.

3 Mithin hätte die Antragstellerin zur wirksamen Einlegung der Beschwerde der Einwilligung ihres Betreuers bedurft (§ 1903 Abs. 1 Satz 1 und 2 BGB). Dieser hat eine entsprechende Einwilligung nicht erteilt. Er hat die Beschwerdeeinlegung auch nicht nachträglich genehmigt. Obwohl die Antragstellerin hinsichtlich der Beschwerde nicht prozessfähig ist, begründet deren Einlegung ein begrenztes Prozessrechtsverhältnis, in dem der Senat eine Entscheidung über die Zulässigkeit mit der sich aus § 154 VwGO ergebenden Kostenfolge zu treffen hat (vgl. BVerwG, Beschluss vom 2. April 1998 - 3 B 70.97 - Buchholz 310 § 62 VwGO Nr. 27 m.w.N.).

4 2. Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Gerichtskosten werden nicht erhoben (§ 188 Satz 2 Halbs. 1 VwGO).

Parole chiave

procedural capacityguardianshipconsent reservationinadmissibilitycost riskcomplaintadministrative procedure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the complaint was admissible despite the applicant's lack of procedural capacity under guardianship law.

Decisione estratta

The complaint was inadmissible because the applicant was not procedurally capable and had needed the guardian's consent to file it.

Motivazione estratta

Under Section 62(2) VwGO, a ward under a consent reservation covering the subject matter may act only where civil law allows action without the guardian's consent or public law expressly recognizes capacity. Here, a court-ordered consent reservation existed for legal matters. Filing the complaint was not a merely legally advantageous act because it entailed a costs risk. No public-law rule granting capacity applied, and the guardian neither consented nor later approved the filing.

Questione giuridica chiave

Who bears the costs of the proceedings and whether court fees are charged.

Decisione estratta

The costs were imposed on the applicant, while no court fees were levied.

Motivazione estratta

The cost consequence followed from the dismissal under Section 154(2) VwGO. Court fees were not charged pursuant to Section 188 sentence 2 half-sentence 1 VwGO.

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