OGH 14Os35/01 (14Os36/01)

14Os35/01 (14Os36/01)Tribunal Superior8 de mai. de 2001

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OGH 14Os35/01 (14Os36/01)

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 08.05.2001

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Der Oberste Gerichtshof hat am 8. Mai 2001 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Massauer als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Mayrhofer, Dr. Holzweber, Dr. Ratz und Dr. Philipp als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Dr. Mann als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Christian P***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen nach § 207 Abs 1 StGB und anderer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Christian P*****, Paul W***** und Erwin K***** gegen das Urteil des Landesgerichtes Steyr als Schöffengericht vom 18. Oktober 2000, GZ 11 Vr 196/00-62, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten P***** und K***** und aus deren Anlass wird das angefochtene Urteil, das im Übrigen unberührt bleibt, in den Schuldsprüchen des Christian P***** und des Erwin K***** zu A/I, des Christian P***** und des Paul W***** zu B/I sowie des Erwin K***** zu C, demnach auch in sämtlichen Strafaussprüchen, einschließlich des gemeinsam verkündeten Beschlusses auf (gemeint:) Widerruf einer bedingten Strafnachsicht, aufgehoben und die Sache im Umfang der Aufhebung zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Steyr zurückverwiesen.

Im Übrigen werden die Nichtigkeitsbeschwerden zurückgewiesen.

Mit ihren Berufungen werden die Angeklagten auf den kassatorischen Teil dieses Erkenntnisses verwiesen.

Den Angeklagten fallen auch die auf den erfolglos gebliebenen Teil ihrer Nichtigkeitsbeschwerden entfallenden Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Begründung

Gründe:

Soweit angefochten, wurden Christian P***** (zu A/I und II), Paul W***** (zu A/I und II) und Erwin K***** (zu A/I und III) mehrerer (verfehlt als ,Unzucht mit Unmündigen" bezeichneter) Verbrechen des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen nach § 207 Abs 1 StGB, Christian P***** und Paul W***** des tatmehrheitlich begangenen Verbrechens der gleichgeschlechtlichen Unzucht mit Personen unter achtzehn Jahren (jeweils zu B/I und II) und Erwin K***** des Vergehens der sittlichen Gefährdung von Personen unter sechzehn Jahren (C) verurteilt.

Danach haben in S*****

A) außer dem Fall des § 206 StGB eine geschlechtliche Handlung am

unmündigen Gerhard F*****vorgenommen oder sich von diesem an sich vornehmen lassen, nämlich

I) Christian P*****, Paul W***** und Erwin K*****, indem Paul W*****

am 2. April 2000 ,nach vorangegangener gemeinsamer Entschlussfassung das Glied des Unmündigen unter der Kleidung betastete und Onanierbewegungen durchführte";

II) Christian P***** und Paul W*****, indem sie Anfang April 2000 jeweils mehrfach ,das Glied des Unmündigen über und unter der Kleidung betatsteten sowie teilweise bis zum Samenerguss onanierten" und W***** (zu ergänzen:) im Zuge einer selbständigen Tat die Hand des Knaben über der Kleidung an sein erigiertes Glied führte;

III) Erwin K*****, indem er im April 2000 beim Ansehen eines Videobandes ,den Unterleib des Unmündigen entblößte, dessen Glied erfasste und bis zum Samenerguss onanierte";

B) als Personen männlichen Geschlechtes nach Vollendung des

neunzehnten Lebensjahres mit dem 14-jährigen Benjamin K***** gleichgeschlechtliche Unzucht getrieben, nämlich

I) Christian P***** und Paul W*****, indem - der dieser Tat nicht

schuldig gesprochene - Erwin K***** zeitgleich mit dem zu A/I geschilderten Geschehen am 2. April 2000 ,nach vorangegangener gemeinsamer Entschlussfassung" dessen Glied unter der Kleidung betastete und rieb;

II) Christian P***** und Paul W*****, indem sie Anfang April 2000 jeweils tatmehrheitlich ,dessen Glied betasteten und teils bis zum Samenerguss onanierten" und P***** (zu ergänzen:) im Zuge einer selbständigen Tat dessen Hand über der Kleidung an sein erigiertes Glied führte;

C) Erwin K***** Anfang April 2000 eine Handlung, die geeignet ist,

die sittliche, seelische oder gesundheitliche Entwicklung von Personen unter sechzehn Jahren zu gefährden, vor dem unmündigen Gerhard F***** vorgenommen, um sich dadurch geschlechtlich zu erregen oder zu befriedigen, indem er diesem einen Videofilm pornographischen Inhaltes vorführte und sich dabei selbst befriedigte.

Gegen diese Schuldsprüche richten sich Nichtigkeitsbeschwerden der drei Angeklagten, gestützt auf die Z 3, 5, 5a, 9 lit a und 10 (P*****), die Z 5, 9 lit a und 10 (W*****) bzw die Z 5, 5a, 9 lit a und 10 (K*****) des § 281 Abs 1 StPO.

Nominell auch aus Z 3, der Sache nach jedoch aus Z 9 lit a, beklagt die Beschwerde des Angeklagten P***** zu Recht das Fehlen von Feststellungen darüber, auf welche Weise er zum sexuellen Missbrauch Ws an F (A/I) und zur gleichgeschlechtlichen Unzucht des - dieser Tat nicht schuldig erkannten - K***** (mit K*****; B/I) beigetragen habe. Der nämliche, von diesen Angeklagten jedoch nicht geltend gemachte Rechtsfehler ist dem Schöffengericht betreffs K***** in Hinsicht auf einen Beitrag zu A/I und betreffs W***** in Hinsicht auf einen Beitrag zu B/I, unterlaufen (§ 290 Abs 1 zweiter Satz StPO). Der Schuldspruch Ks wegen des Vergehens der sittlichen Gefährdung von Personen unter sechzehn Jahren (C) hinwieder entbehrt von diesem vermisster Feststellungen zur Frage, ob nach den Umständen des Falles eine Gefährdung Ks ausgeschlossen war, obwohl sich aus dem Gutachten Dris Ro***** Anhaltspunkte dafür ergeben (Z 9 lit a).

Es zeigt sich, dass mit Bezug auf diese Taten die Anordnung einer neuen Hauptverhandlung nicht zu vermeiden ist (§ 285e erster Satz StPO). Die Aufhebung der Sanktionsaussprüche einschließlich einer Widerrufsentscheidung ist die rechtslogische Konsequenz.

Im Übrigen kommt den Nichtigkeitsbeschwerden keine Berechtigung zu (§ 285d Abs 1 Z 1 und 2 StPO).

Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Christian P*****:

Die bloß pauschale Individualisierung der allesamt Anfang April 2000 an Gerhard F***** (A/II) und Benjamin K***** (B/II) begangenen, jeweils gleichartigen Taten widerspricht § 260 Abs 1 Z 1 StPO, der Verfahrensrüge (Z 3) zuwider, nicht; von den zu A/I und B/I bezeichneten Beitragshandlungen werden sie deutlich unterschieden. Das Vorbringen der Mängelrüge (Z 5), F***** habe in ON 43 (S 20) behauptet, von Pnicht sexuell berührt worden zu sein (A/II), ist aktenwidrig; dessen Hand an sein Geschlechtsteil geführt zu haben, aber ist P gar nicht schuldig erkannt worden. Der Vorwurf, die Kenntnis des Angeklagten vom Alter F*****s sei unbegründet geblieben, ist unzutreffend (vgl US 16 f).

Indem die Tatsachenrüge (Z 5a) nur pauschal die Beweiswürdigung der Tatrichter anzweifelt, verfehlt sie eine Ausrichtung am Verfahrensrecht. Gleiches gilt für Rechts- (Z 9 lit a) und Subsumtionsrüge (Z 10), welche die getroffenen Feststellungen negieren.

Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Paul W*****:

Die Mängelrüge (Z 5) erschöpft sich in beweiswürdigenden Spekulationen und der urteilsfremden Behauptung (vgl US 16 f), die Kenntnis des Angeklagten vom Alter F*****s sei nicht begründet worden.

Der Rechtsrüge (Z 9 lit a) ist nicht zu entnehmen, was aus dem vorgeblichen Umstand folgen soll, ,dass eine Gefährdung in der Persönlichkeitsentwicklung jedenfalls in concreto nicht möglich war", wogegen die Subsumtionsrüge (Z 10) einen Teil der zur Kenntnis vom Alter F*****s getroffenen Feststellungen vernachlässigt (A/I und II; vgl US 11 f).

Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Erwin K*****:

Ob der Angeklagte zu A/III sexuell erregt war, ist für die Schuldfrage ohne Bedeutung. Was die Kenntnis vom Alter F*****s hinwieder anlangt, negiert die Mängelrüge (Z 5) mit dem Vorwurf fehlender Begründung die darauf bezogenen Erwägungen der Tatrichter in US 16 f und ergeht sich im Übrigen unzulässig in beweiswürdigenden Betrachtungen.

Dass nicht auch ein weiterer Minderjähriger Opfer sexueller Übergriffe des Angeklagten geworden ist, vermag erhebliche Bedenken an den den Schuldsprüchen zugrunde gelegten entscheidenden Tatsachen nicht zu wecken (Z 5a).

Schließlich geht auch die Subsumtionsrüge (Z 10) dieses Angeklagten nicht von der Gesamtheit der zur Kenntnis vom Alter F*****s getroffenen Feststellungen aus (vgl US 11 f).

Die Kostenersatzpflicht der Angeklagten gründet auf § 390a StPO.

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