OGH 11Os170/10z

11Os170/10zTribunal Superior17 de fev. de 2011

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Strafrecht

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OGH 11Os170/10z

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 17.02.2011

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Der Oberste Gerichtshof hat am 17.Februar2011 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Zehetner als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr.Schwab, Mag.Lendl, Mag.Michel und Dr.Oshidari als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag.Bergmann als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Richard K***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens der Untreue nach §153 Abs1, Abs2 zweiter Fall StGB über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Dr.Sylvia S***** und Walter H***** sowie die Berufungen des Angeklagten K*****, der Staatsanwaltschaft und der Privatbeteiligten U***** GmbH gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 18.März2010, GZ6Hv136/08m114, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Graz zugeleitet.

Den Angeklagten Dr.S***** und H***** fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Begründung

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil das auch den unbekämpften Schuldspruch des Richard K***** enthält wurden Dr.Sylvia S***** und Walter H***** des Verbrechens der Untreue nach §§12 (richtig:) zweiter Fall, 153 Abs1, Abs2 zweiter Fall StGB schuldig erkannt.

Danach haben

A)Richard K***** in Graz von Jahresanfang2000 bis zum Sommer2007 die ihm durch Rechtsgeschäft, nämlich dem mit der O***** GmbH abgeschlossenen und ab 4.Juli2003 von der Rechtsnachfolgerin U***** GmbH übernommenen Arbeitsvertrag, eingeräumte Befugnis, seine Arbeitgeberinnen, nämlich bis 3.Juli2003 die O***** GmbH und ab 4.Juli2003 die U***** GmbH, zu verpflichten, wissentlich missbraucht und dadurch der O***** GmbH bis 3.Juli2003 und der U***** GmbH ab 4.Juli2003 einen 50.000Euro übersteigenden Vermögensnachteil zugefügt, indem er

I.)die von Jahresanfang2000 bis 16.November2000 von der F***** GesmbH und von 17.November2000 bis zum Frühjahr2006 von der S***** GmbH mit seiner Zustimmung überhöht und zum Teil inhaltlich falsch erstellten Rechnungen für die von ihm bis 3.Juli2003 erteilten ReproAufträge der O***** GmbH und ab 4.Juli2003 erteilten ReproAufträge der U***** GmbH akzeptierte und die Auszahlung der begehrten Beträge an die F***** GesmbH, später an die S***** GmbH veranlasste, um die von ihm geforderte Provisionszahlung zu beziehen und dadurch bei der U***** GmbH einen Schaden von insgesamt 288.967,33Euro herbeiführte;

...

B) Dr.Sylvia S***** als Geschäftsführerin und Walter H***** als Prokurist der F***** GesmbH vom Jahresanfang2000 bis 16.November2000 und der S***** GmbH vom 17.November2000 bis 26.März2006 in Z***** Richard K***** zu der zu A)I.)beschriebenen strafbaren Handlung im bewussten und gewollten Zusammenwirken dadurch angestiftet, dass sie von Jahresanfang2000 bis 16.November2000 für die F***** GesmbH und vom 17.November2000 bis 26.März2006 für die S***** GmbH mit Zustimmung des Richard K***** überhöhte und zum Teil inhaltlich falsche Rechnungen für die ReproAufträge der (erg: O***** GmbH, ab 4.Juli2003 der) U***** GmbH erstellten und an Richard K***** zur Veranlassung zur Auszahlung der begehrten Beträge an die F***** GesmbH bzw S***** GmbH übersendeten, um damit Provisionen an Richard K***** bezahlen zu können.

Dagegen richten sich die in einem Schriftsatz ausgeführten Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Dr.S***** und H***** aus §281 Abs1 Z5, 9 lita und 10 StPO.

Die Kritik angeblicher Undeutlichkeit (Z5 erster Fall) der Feststellung „... Gewinnaufschläge von etwa 30% ...“ (US13) nennt keine entscheidenden Tatsachen, die davon angesichts der die Wertgrenze des §153 Abs2 zweiter Fall StGB weit übersteigenden Schadens betroffen sein könnten, und kann schon deshalb auf sich beruhen.

Keinen Widerspruch im Sinne einer denkgesetzmäßigen Unvereinbarkeit (Z5 dritter Fall) bilden die erstgerichtlichen Annahmen, die überhöhten Preise hätten einerseits der Finanzierung der Provisionszahlungen für Richard K*****, andererseits der Erzielung höchstmöglicher Gewinne für die S***** GmbH die aus Qualitäts und Leistungszeitgründen anderen Unternehmen vorgezogen wurde gedient (US13, 20f; vgl auch US36f).

Der Rüge (Z5 vierter Fall) zuwider blieb die Feststellung der tatbestandsmäßigen Wissentlichkeit der Angeklagten (US16) nicht unbegründet (siehe US43, 44, 48, 53) und es ergibt sich daraus unter anderem die auf die treuwidrigen Provisionszahlungen gerichtete qualifizierte Vorsatzform der Bestimmungstäter (US44, 48). Die Gesamtheit der tatrichterlichen Ausführungen lässt auch aus der entscheidenden Sicht des Obersten Gerichtshofs (Ratz, WKStPO §281 Rz19) erkennen, dass die Rechtsmittelwerber keinesfalls bloß fahrlässig gehandelt haben (US44 „zweifelsfrei“, US48 „klar“).

Nicht im Widerspruch (Z5 dritter Fall) stehen die erstgerichtlichen Annahmen, dass die Provisionszahlungen im Einverständnis zwischen den Angeklagten K*****, Dr.S***** und H***** erfolgten (US17 bis 19, 49), wiewohl konkrete Absprachen zur aktuellen Preisgestaltung nicht festzustellen waren (US22).

Indem die Beschwerdeführer (Z5 dritter Fall; nominell auch Z9 lita) einen Satz des angefochtenen Urteils (US43f) isoliert einem anderen (US14) gegenüberstellen, lassen sie den erforderlichen Bezug auf die Gesamtheit der Entscheidungsgründe (RISJustiz RS0119370, RS0116504; Ratz, WKStPO §281 Rz 394) vermissen, woraus sich die Begrenzung des Schädigungsvorsatzes mit der Höhe der treuwidrigen Provisionszahlungen ergibt (US16, 43f, 49).

Der Rechtsrüge (Z9 lita) entgegen ist die deliktsspezifische subjektive Tatseite der Angeklagten in US16 und 53 festgestellt; zum Vorwurf einer angeblich konstatierten bloßen Fahrlässigkeit (US44, 48) ist auf die obige Erledigung der Mängelrüge zu verweisen.

Die von der Subsumtionsrüge (Z10) vermisste Annahme einer (konkludenten) Vereinbarung zur Zuwendung von Provisionen findet sich in US16, 33f und 39 (nur die fallbezogen nicht subsumtionsrelevante aktuelle Höhe einzelner treuwidriger Zahlungen betreffen die von den Nichtigkeitswerbern zitierten Passagen US18 und 22).

Die Behauptung fehlender Schädigung der Versandgesellschaft steht im sinnfälligen Widerspruch zu den Konstatierungen US14 und 16.

Die Ausführungen zu den materiellrechtlichen Nichtigkeitsgründen orientieren sich somit insgesamt nicht an der Gesamtheit des Tatsachensubstrats des bekämpften Urteils als Basis der Anfechtung (Ratz, WKStPO §281 Rz581, 584).

Der letzte Teil des Vorbringens zu den Nichtigkeitsbeschwerden gehört offensichtlich bereits zu den Berufungen wegen des Ausspruchs über die privatrechtlichen Ansprüche und bedarf daher keiner Erörterung durch den Obersten Gerichtshof.

Die Nichtigkeitsbeschwerden waren somit bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§285d Abs1 StPO), woraus die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Erledigung der Berufungen folgt (§285i StPO).

Die Kostenentscheidung beruht auf §390a Abs1 StPO.

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