Admissibility of insolvency appeal after abolition of § 7 InsO

BGH IX ZB 301/11Bgh / Civil Chamber 925 de jan. de 2012Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Court of Justice dealt with a debtor's insolvency appeal against a Kempten appellate decision dated 4 November 2011. It refused legal aid because the appeal had no chance of success. After the repeal of § 7 InsO, an insolvency appeal against such a decision requires leave under § 574(1) sentence 1 no. 2 ZPO; the appellate court's mistaken assumption of automatic admissibility under former law was irrelevant. The appeal was also inadmissible because it was not filed by a lawyer admitted before the Federal Court of Justice. No court fees were charged due to the incorrect legal remedy instruction.

Sumário Omnilex

§ 7 InsO a.F., § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO; Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde im Insolvenzverfahren nach Wegfall der gesetzlichen Statthaftigkeit. Nach Aufhebung des § 7 InsO ist die Rechtsbeschwerde gegen Beschwerdeentscheidungen im Insolvenzverfahren nur zulässig, wenn sie vom Beschwerdegericht zugelassen worden ist. Art. 103f Satz 1 EGInsO ordnet die Anwendung des neuen Rechts auf nach Inkrafttreten erlassene Beschwerdeentscheidungen an. Eine unrichtige Annahme des Beschwerdegerichts, die Rechtsbeschwerde sei noch kraft Gesetzes statthaft, ersetzt die erforderliche Zulassungsentscheidung nicht. Die Einlegung der Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof bedarf zudem nach § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO eines beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalts. Bei unrichtiger Rechtsmittelbelehrung können Gerichtskosten nach § 21 Abs. 1 Satz 1 GKG entfallen.

Texto completo

BGH — IX ZB 301/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-01-25

Aktenzeichen: IX ZB 301/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 4 InsO, § 7 InsO vom 27.07.2001, § 574 Abs 1 S 1 Nr 2 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Kempten, 4. November 2011, Az: 42 T 1950/11vorgehend AG Kempten, 22. August 2011, Az: IN 551/11

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzverfahren: Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde

Tenor

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 4. Zivilkammer des Landgerichts Kempten (Allgäu) vom 4. November 2011 wird abgelehnt.

Die Rechtsbeschwerde gegen den bezeichneten Beschluss wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.

Für das Rechtsbeschwerdeverfahren werden keine Kosten nach dem Gerichtskostengesetz erhoben.

Gründe

1 1. Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist abzulehnen, weil die Rechtsbeschwerde keine Aussicht auf Erfolg hat (§ 4 InsO, § 114 Satz 1 ZPO). Die Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft.

2 Nachdem die Vorschrift des § 7 InsO durch Gesetz vom 21. Oktober 2011 (BGBl. I S. 2082) mit Wirkung zum 27. Oktober 2011 aufgehoben worden ist, findet die Rechtsbeschwerde gegen Beschwerdeentscheidungen im Insolvenzverfahren nur statt, wenn sie durch das Beschwerdegericht zugelassen worden ist (§ 4 InsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO). Die Neuregelung ist gemäß Art. 103f Satz 1 EGInsO auf die Rechtsbeschwerde gegen solche Beschwerdeentscheidungen anzuwenden, welche nach dem Inkrafttreten des neuen Rechts erlassen worden sind.

3 Da die vom Rechtsbeschwerdeführer angefochtene Entscheidung am 4. November 2011 erlassen worden ist, findet das neue Recht Anwendung. Der Umstand, dass das Beschwerdegericht irrtümlich davon ausgegangen ist, die Rechtsbeschwerde sei gemäß § 7 InsO a.F. kraft Gesetzes statthaft, ersetzt die nun erforderliche Zulassungsentscheidung nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 12. März 2009 - IX ZB 193/08, WM 2009, 1058 Rn. 9 f). Die Rechtsbeschwerde ist daher unabhängig davon unstatthaft, ob die sofortige Beschwerde des Schuldners überhaupt statthaft gewesen ist.

4 2. Die vom Schuldner eingelegte Rechtsbeschwerde ist auch aus dem weiteren Grund unzulässig, weil sie nicht durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist.

5 Entgegen der mit dem angefochtenen Beschluss erteilten Rechtsmittelbelehrung bedarf die Einlegung der Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (§ 4 InsO, § 575 Abs. 1 Satz 1 ZPO, § 133 GVG) gemäß § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO der Vertretung durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt (BGH, Beschluss vom 21. März 2002 - IX ZB 18/02, WM 2002, 1512, 1513; vom 18. Mai 2005 - VIII ZB 3/05, NJW 2005, 2017).

6 Die Rechtsbeschwerde ist daher als unzulässig zu verwerfen (§ 577 Abs. 1 Satz 2 ZPO).

7 3. Für das Rechtsbeschwerdeverfahren sind keine Kosten nach dem Gerichtskostengesetz zu erheben (§ 21 Abs. 1 Satz 1 GKG), weil der Schuldner aufgrund der unrichtigen Rechtsmittelbelehrung durch das Beschwerdegericht annehmen durfte, die von ihm eingelegte Rechtsbeschwerde sei zulässig.

Kayser Raebel Lohmann

Pape Möhring

Palavras-chave

insolvencyappeal admissibilitylegal aidrepresentation before federal courtcourt feeslegal remedy instruction

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether legal aid should be granted for the insolvency appeal

Decisão extraída

Legal aid was denied because the appeal had no prospect of success; the appeal was not statutorily admissible.

Fundamentação extraída

Since § 7 InsO had been abolished, an insolvency appeal against a post-27 October 2011 appellate decision requires leave under § 574(1) sentence 1 no. 2 ZPO. The challenged decision was issued on 4 November 2011, so the new law applied. The appellate court's mistaken belief in statutory admissibility under former law could not replace the required leave.

Questão jurídica principal

Whether the debtor's appeal was admissible

Decisão extraída

The appeal was inadmissible and therefore dismissed.

Fundamentação extraída

For decisions issued after the abolition of § 7 InsO, an insolvency appeal lies only if admitted by the appellate court. No such leave had been granted. In addition, the appeal had not been filed by a lawyer admitted before the Federal Court of Justice, which is required for filing before the Federal Court of Justice.

Questão jurídica principal

Whether court costs should be charged for the appeal proceedings

Decisão extraída

No court fees were charged because the debtor could rely on the incorrect appellate legal remedy instruction.

Fundamentação extraída

Under § 21(1) sentence 1 GKG, no costs were levied given the erroneous legal remedy instruction by the appellate court.

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