Psychiatric commitment requires lack of insight, not mere diminished insight

BGH 1 StR 332/12Bgh / Câmara Penal I25 de jul. de 2012Partially Granted

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The Federal Court partly allowed the defendant’s revision against a Stuttgart Regional Court judgment in a dangerous bodily injury case. The Senate held that the trial court’s commitment to a psychiatric hospital remained legally sound. It clarified, however, that diminished insight alone does not satisfy § 21 StGB; what matters is whether the accused actually lacked insight into the unlawfulness of the conduct. Because the findings showed that the defendant, due to paranoid schizophrenia, believed he was acting in self-defence, the judgment had to expressly acquit him in the operative part. The remaining grounds of the revision were rejected, and the defendant had to bear the costs.

Sumário Omnilex

§ 21 StGB, § 63 StGB; diminished insight is relevant only if it results in a complete lack of insight into unlawfulness. A defendant who, despite substantially reduced insight, still understood the wrongfulness of the act remains fully responsible unless his volitional capacity was also substantially impaired. If the findings show absence of insight at the time of the offence, the court must expressly acquit in the operative part when it refrains from conviction because of incapacity; otherwise the judgment is incomplete. An order under § 63 StGB is permissible on the basis of such incapacity, but not merely because insight was reduced (consid. 1-2).

Texto completo

BGH — 1 StR 332/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-07-25

Aktenzeichen: 1 StR 332/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 20 StGB, § 21 StGB, § 63 StGB, § 224 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Stuttgart, 21. Februar 2012, Az: 5 KLs 105 Js 58634/11

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung: Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus bei erheblich verminderter Einsichtsfähigkeit

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 21. Februar 2012 in der Entscheidungsformel dahin ergänzt, dass der Angeklagte freigesprochen wird (§ 349 Abs. 4 StPO). Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

  1. Das Landgericht hat die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet (§ 63 StGB). Dies hält rechtlicher Nachprüfung stand.

Allerdings erwecken die dieser Anordnung zugrunde liegenden Ausführungen in den Urteilsgründen zur Schuldfähigkeit des Angeklagten den Eindruck, dass das Landgericht die Auffassung vertritt, bereits mit der Feststellung einer erheblichen verminderten Einsichtsfähigkeit seien die Voraussetzungen des § 21 StGB erfüllt und damit auch die Grundlage für die Anordnung der Unterbringung nach § 63 StGB gegeben. Dies ist indes nicht der Fall. Eine verminderte Einsichtsfähigkeit ist strafrechtlich erst dann von Bedeutung, wenn sie das Fehlen der Einsicht zur Folge hat (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 3. April 2007 - 4 StR 64/07; BGH, Beschluss vom 12. Juli 2006 - 5 StR 215/06; BGH, Beschluss vom 22. November 2006 - 2 StR 430/06). Der Täter, der trotz erheblich verminderter Einsichtsfähigkeit im konkreten Fall die Einsicht in das Unrecht seiner Tat gehabt hat, ist - sofern nicht seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt war - voll schuldfähig. In einem solchen Fall ist auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nicht zulässig (BGHSt 21, 27, 28; 34, 22, 26 f.).

Hier lässt sich den Urteilsgründen in ihrer Gesamtheit hinreichend deutlich entnehmen, dass dem Angeklagten bei der Tatbegehung die Unrechtseinsicht vollständig gefehlt hat. Das Landgericht hat nämlich ausdrücklich festgestellt, dass der Angeklagte aufgrund seiner chronifizierten paranoiden Schizophrenie die von Verfolgungswahn geprägte, irrige Überzeugung gewonnen hatte, der Zeuge S. wolle ihn mit dem Blumenstrauß angreifen (UA S. 7). Er hielt deshalb sein eigenes Verhalten für "zulässiges Notwehrverhalten" (UA S. 11). Das Landgericht ist demnach im Ergebnis - tragfähig - davon ausgegangen, dass der Angeklagte aufgrund seines Zustands bei der Tatbegehung keine Einsicht in das Unrecht seines Handelns gehabt hat.

  1. Wegen des Zustands des Angeklagten bei der Tatbegehung hat sich das Landgericht auch gehindert gesehen, den Angeklagten wegen der zwei ihm zur Last liegenden Taten der gefährlichen Körperverletzung, jeweils in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, zu verurteilen. Bei dieser Sachlage, zumal die Feststellungen die Aufhebung der Unrechtseinsicht und damit die Schuldunfähigkeit bei Tatbegehung sicher belegen (s.o.), hätte das Landgericht den Angeklagten in der Urteilsformel vom Anklagevorwurf ausdrücklich freisprechen müssen (vgl. BGH, Beschluss vom 11. Juni 2002 - 3 StR 158/02). Da das Landgericht dies unterlassen hat, ergänzt der Senat die Urteilsformel entsprechend.

Der lediglich in der Ergänzung der Urteilsformel liegende Teilerfolg der Revision rechtfertigt es nicht, den Angeklagten teilweise von Gebühren oder Auslagen des Rechtsmittels freizustellen (§ 473 Abs. 4 StPO).

Nack Rothfuß Hebenstreit

Jäger Cirener

Palavras-chave

psychiatric commitmentdiminished insightcriminal responsibilityacquittaldangerous bodily injuryinsanityrevisioncosts

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Questão jurídica principal

Whether psychiatric commitment under § 63 StGB is justified when only diminished insight is established.

Decisão extraída

Commitment was sustainable, but diminished insight alone is not enough; it matters only if it results in a complete lack of insight.

Fundamentação extraída

The Senate clarified that § 21 StGB is not satisfied by diminished insight as such. If the defendant had no insight into the unlawfulness of the acts due to his mental condition, he is schuldunfähig; in that situation commitment may be ordered, but not merely because insight was reduced.

Questão jurídica principal

Whether the trial court had to expressly acquit the defendant in the operative part because the findings established lack of criminal responsibility.

Decisão extraída

Yes. Because the findings clearly showed lack of insight and thus incapacity at the time of the acts, the operative part had to include an express acquittal from the indictment.

Fundamentação extraída

Where the court refrains from a conviction because incapacity is established, it must expressly pronounce an acquittal in the dispositive part; otherwise the judgment is incomplete.

Questão jurídica principal

Costs of the revision after only partial success.

Decisão extraída

The defendant must bear the costs of the remedy; the partial success concerning the supplement to the operative part did not justify relief from fees or expenses.

Fundamentação extraída

The revision succeeded only to a limited extent, namely by supplementation of the dispositive part, which was insufficient to warrant cost relief under § 473 Abs. 4 StPO.

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