Procedural guardian may not appeal without mandate

BGH XII ZB 270/13Bgh / Civil Chamber 1214 de ago. de 2013Dismissed

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Resumo Omnilex

In a care and placement matter, the procedural guardian had lodged an appeal to the Regional Court in the name of the person under care, although no appeal mandate had been granted. The Federal Court of Justice held that the procedural guardian under § 317 FamFG is not the statutory representative of the person under care; she only has the personal right to appeal under § 335(2) FamFG. Because the filing was expressly made in the name of the person under care, it was inadmissible and could not be reinterpreted as an appeal in the guardian’s own name. The legal complaint was therefore dismissed; no court fees were charged.

Sumário Omnilex

§§ 317 Abs. 1 S. 1, 335 Abs. 2, 315 Abs. 2 FamFG; § 1902 BGB; Art. 103 Abs. 1 GG: Der Verfahrenspfleger im Unterbringungsverfahren ist nicht gesetzlicher Vertreter des Betroffenen, sondern nimmt dessen Interessen im Verfahren wahr und verwirklicht dessen Anspruch auf rechtliches Gehör. Die dem Verfahrenspfleger nach § 335 Abs. 2 FamFG eingeräumte Beschwerdebefugnis ist ein eigenes, aus dem Amt folgendes Rechtsmittelrecht; es berechtigt ihn nicht, ohne Beschwerdeauftrag für den Betroffenen im Namen des Betroffenen Beschwerde einzulegen. Eine ausdrücklich namens des Betroffenen erhobene Beschwerde ist nicht als Eigenbeschwerde des Verfahrenspflegers umzudeuten, wenn die Eingabe eindeutig auf die Vertretung abstellt (vgl. auch die systematische Entsprechung zu § 315 Abs. 2 FamFG).

Texto completo

BGH — XII ZB 270/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-08-14

Aktenzeichen: XII ZB 270/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 315 Abs 2 FamFG, § 317 Abs 1 S 1 FamFG, § 335 Abs 2 FamFG, § 1902 BGB, Art 103 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend LG Erfurt, 26. April 2013, Az: 3 T 92/13vorgehend AG Erfurt, 18. März 2013, Az: XVII 773/12

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Betreuungssache: Unzulässigkeit der Beschwerde des Verfahrenspflegers gegen eine Unterbringung

Tenor

Die Rechtsbeschwerde der Betroffenen gegen den Beschluss der 3. Zivilkammer des Landgerichts Erfurt vom 26. April 2013 wird zurückgewiesen.

Gerichtsgebühren werden nicht erhoben (§ 131 Abs. 5 Satz 2 KostO).

Gründe

I.

1 Die gemäß § 70 Abs. 3 Nr. 2 FamFG statthafte Rechtsbeschwerde ist unbegründet.

2 Sie hat keinen Erfolg, weil bereits die von der Verfahrenspflegerin für die Betroffene eingelegte Erstbeschwerde unzulässig war.

3 1. Gemäß § 317 Abs. 1 Satz 1 FamFG hat das Gericht dem Betroffenen im Unterbringungsverfahren einen Verfahrenspfleger zu bestellen, wenn dies zur Wahrnehmung der Interessen des Betroffenen erforderlich ist. Die vorrangige Aufgabe des Verfahrenspflegers besteht darin, gegenüber dem Gericht den Willen des Betreuten kundzutun und dessen aus Art. 103 Abs. 1 GG folgenden Anspruch auf rechtliches Gehör zu verwirklichen (Senatsbeschluss vom 22. August 2012 - XII ZB 474/11 - FamRZ 2012, 1798 Rn. 12 zum Betreuungsverfahren).

4 Wie seine Bezeichnung in § 317 FamFG zu erkennen gibt, hat der Verfahrenspfleger die rechtlichen Interessen des Betroffenen im Verfahren wahrzunehmen bzw. zur Geltung zu bringen. Anders als der Betreuer in dem jeweiligen Aufgabenkreis gemäß § 1902 BGB ist er jedoch nicht gesetzlicher Vertreter des Betroffenen (Senatsbeschluss vom 22. August 2012 - XII ZB 474/11 - FamRZ 2012, 1798 Rn. 13 zum Betreuungsverfahren; vgl. auch Keidel/Zimmermann FamFG 17. Aufl. § 10 Rn. 15).

5 Zwar räumt § 335 Abs. 2 FamFG dem Verfahrenspfleger eine Beschwerdebefugnis ein. Dabei handelt es sich aber um ein eigenes Beschwerderecht, das sich aus seinem Amt als Verfahrenspfleger ableitet. Die Vorschrift korrespondiert mit derjenigen des § 315 Abs. 2 FamFG, durch die dem Verfahrenspfleger die verfahrensrechtliche Rechtsstellung eines selbständigen Verfahrensbeteiligten eingeräumt wird (Keidel/Budde FamFG 17. Aufl. § 335 Rn. 3; vgl. auch BVerfG FamRZ 2013, 1279).

6 2. Gemessen hieran war die von der Verfahrenspflegerin im Namen der Betroffenen eingelegte Beschwerde zum Landgericht unzulässig.

7 In ihrer Beschwerdeschrift hat die Verfahrenspflegerin ausdrücklich auf ihr Amt Bezug genommen und zudem mitgeteilt, dass ihr ein Beschwerdeauftrag von der Betroffenen nicht erteilt worden sei. Damit war sie nicht befugt, die Betroffene zu vertreten.

8 Die Beschwerde lässt sich auch nicht in eine solche im eigenen Namen der Verfahrenspflegerin umdeuten. Denn die als Rechtsanwältin tätige Verfahrenspflegerin hat ausdrücklich "Namens der Betroffenen" Beschwerde eingelegt.

II.

9 Von einer weiteren Begründung der Entscheidung wird abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung von Rechtsfragen grundsätzlicher Bedeutung, zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung beizutragen (§ 74 Abs. 7 FamFG).

Dose Weber-Monecke Schilling

Günter Botur

Palavras-chave

procedural guardianadmissibility of appealrepresentationcare lawplacementlegal standingright to be heard

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Questão jurídica principal

Whether the procedural guardian was authorized to file an appeal in the name of the person under care without a mandate.

Decisão extraída

No. The procedural guardian is not the legal representative of the person under care and therefore could not lodge an appeal on her behalf without a specific mandate.

Fundamentação extraída

The guardian’s role under § 317 FamFG is to present the person’s will and safeguard procedural interests, not to act as statutory representative like a guardian under § 1902 BGB. Although § 335(2) FamFG gives the guardian a right of appeal, it is a separate personal appeal right deriving from the office itself.

Questão jurídica principal

Whether the appeal could be construed as an appeal filed by the guardian in her own name.

Decisão extraída

No. The filing expressly stated that it was made 'in the name of the person under care,' so recharacterization was excluded.

Fundamentação extraída

Because the filing explicitly relied on representation and stated that no appeal instruction had been given, it could not be treated as the guardian’s own appeal.

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