Forfeiture estimation may rely on older appraisal

BGH 5 StR 237/13Bgh / Criminal Chamber 518 de set. de 2013Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Court dismissed the prosecution's appeal, which was limited to the forfeiture order. It held that the Kiel Regional Court had correctly determined the proceeds obtained by the defendant and had lawfully applied the hardship rule under § 73c StGB. The court approved the use of an older valuation report for estimating the value of a parcel under § 73b StGB and found no need to appoint another expert. It also accepted the trial court's consideration of tax payments, waived assets, rehabilitation interests, and the defendant's luxury expenditures. The forfeiture order therefore remained unchanged, and the prosecution had to bear the appeal costs and the defendant's necessary expenses.

Sumário Omnilex

§§ 73a, 73b, 73c StGB; forfeiture of value and judicial estimation of the proceeds obtained: the sentencing court may, for reasons of procedural economy, base its estimation on an older but sufficiently reliable valuation report and need not obtain a further expert opinion if the available material permits a secure assessment. § 73c StGB is applicable also to estimated values; in applying the hardship clause, the court may take into account tax payments, waivers of assets, the defendant's rehabilitation interest after release, and the extent to which proceeds have been consumed through luxury expenditures. The appellate court reviews only for legal error; a plausible, non-arbitrary estimation will not be disturbed (consid. 3-5).

Texto completo

BGH — 5 StR 237/13, Urteil

Entscheidungsdatum: 2013-09-18

Aktenzeichen: 5 StR 237/13

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 73b StGB, § 73c Abs 1 S 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Kiel, 16. November 2012, Az: 5 KLs 9/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Verfallsanordnung: Schätzung des Erlangten zur Verfahrensbeschleunigung; Berücksichtigung der Härteregelung, steuerlicher Belastungen und des Resozialisierungsinteresses des Angeklagten

Tenor

Die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts Kiel vom 16. November 2012 wird verworfen.

Die Kosten des Rechtsmittels und die dem Angeklagten hierdurch entstandenen notwendigen Auslagen trägt die Staatskasse.

– Von Rechts wegen –

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen „vorsätzlichen Inverkehr-bringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport in 946 Fällen in Tateinheit mit vorsätzlichem Inverkehrbringen von bedenklichen Arzneimitteln in Tateinheit mit vorsätzlichem Handeltreiben mit Arzneimitteln, die nur auf Verschreibung an Verbraucher abgegeben werden dürfen“, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt und – unter Gewährung von Zahlungserleichterungen – den Verfall von Wertersatz in Höhe von 55.314,90 € angeordnet. Die auf die Sachrüge gestützte, zu Ungunsten des Angeklagten eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft ist in der Hauptverhandlung ausdrücklich auf den Verfallsausspruch beschränkt worden. Sie wird vom Generalbundesanwalt nicht vertreten und bleibt erfolglos.

2 Die getroffene Verfallsentscheidung hält rechtlicher Prüfung stand. Das Landgericht hat das vom Angeklagten durch seine Taten Erlangte (§ 73a StGB) mit 240.795,50 € zutreffend festgestellt. Auch die Härtevorschrift des § 73c StGB hat es rechtsfehlerfrei angewendet.

3 Insbesondere seine Prüfung, inwieweit der Wert des Erlangten im Vermögen des Angeklagten noch vorhanden ist (§ 73c Abs. 1 Satz 2 1. Alt. StGB), ist nicht zu beanstanden. Hierbei durfte das Landgericht geleistete Steuerzahlungen in Höhe von 47.738,51 € (vgl. BGH, Urteil vom 27. Oktober 2011 – 5 StR 14/11, NStZ 2012, 267, 268) sowie 38.357,94 € wegen in dieser Höhe zugunsten des Staates erklärten Verzichts des Angeklagten auf Vermögenswerte abziehen.

4 Die Revision wendet sich vor allem dagegen, dass das Landgericht den Wert eines dem Angeklagten gehörenden Grundstücks auf null Euro geschätzt hat. Ein Rechtsfehler ist dem Landgericht aber dabei ebenfalls nicht unterlaufen. Zutreffend hat es sich auf den auch im Rahmen des § 73c StGB anwendbaren § 73b StGB gestützt (vgl. W. Schmidt in LK, 12. Aufl., § 73b Rn. 7; Joecks in MüKo-StGB, 2. Aufl., § 73b Rn. 6); diese Vorschrift modifiziert die gerichtliche Amtsaufklärungspflicht, um das Verfahren zu beschleunigen. Im Interesse der Prozessökonomie durfte das Landgericht das ihm vorliegende Wertgutachten aus dem Jahr 2007 heranziehen und brauchte – mit Blick auf den erforderlichen Zeitaufwand und die entstehenden Kosten – keinen weiteren Sachverständigen zu beauftragen. Es hat zudem nachvollziehbar begründet, warum es seiner Schätzung den im genannten Gutachten bezifferten, zukünftige Entwicklungen einbeziehenden Beleihungswert zugrunde gelegt hat und nicht den stichtagsbezogenen Marktwert. Das Gutachten stellte mithin eine hinreichend sichere, auch eine Benachteiligung des Angeklagten (§ 301 StPO) ausschließende Schätzungsgrundlage dar. Soweit die Revision in diesem Zusammenhang eigene Berechnungen anstellt, stützt sie sich teilweise auf urteilsfremde Quellen. Eine Aufklärungsrüge (§ 244 Abs. 2 StPO), nach der das Landgericht von weiteren Beweismitteln hätte Gebrauch machen müssen, ist nicht erhoben.

5 Schließlich hat das Landgericht das ihm durch § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB eingeräumte Ermessen rechtsfehlerfrei ausgeübt. Hierbei durfte es einerseits das Resozialisierungsinteresse des Angeklagten nach dessen Haftentlassung (vgl. BGH, Urteil vom 10. Oktober 2002 – 4 StR 233/02, BGHSt 48, 40, 41) und andererseits berücksichtigen, ob und inwieweit das durch die Taten Erlangte infolge von Luxusausgaben nicht mehr vorhanden ist (vgl. BGH, Urteil vom 2. Oktober 2008 – 4 StR 153/08, NStZ-RR 2009, 234, 235).

Sander Schneider Dölp

Berger Bellay

Palavras-chave

forfeiturevalue-based forfeitureestimationhardship clausetax paymentsrehabilitationexpert evidenceprocedural economy

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Questão jurídica principal

Whether the forfeiture of value ordered by the trial court was legally unobjectionable, including the estimate of assets obtained and the application of the hardship rule.

Decisão extraída

The forfeiture decision stood. The trial court properly determined the value obtained, correctly applied the hardship rule, and was allowed to estimate the value of a parcel using an older appraisal without appointing another expert.

Fundamentação extraída

The court accepted the deduction of tax payments and waived assets, approved use of § 73b StGB to simplify fact-finding and speed the proceedings, and held that the 2007 appraisal provided a sufficiently reliable basis for estimation. It also found no error in considering the defendant's rehabilitation interest and the fact that luxury spending had reduced available proceeds.

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