Delayed verdict announcement in criminal trial

BGH 3 StR 130/14Bgh / Câmara Penal III14 de mai. de 2014Annulled

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Resumo Omnilex

The BGH upheld the defendant’s revision. The LG Kleve had interrupted the main hearing after the evidence closed and then announced the judgment only on 6 January 2014, although the eleven-day period under § 268(3) sentence 2 StPO had expired on 27 December 2013. The court held that an interruption of the hearing does not extend this deadline by analogy to § 229(2) StPO. Because no exceptional case excluded reliance on the defect, the judgment, including the findings, was set aside and the case remanded to another criminal chamber of the Landgericht, also for costs of the appeal.

Sumário Omnilex

§ 268 Abs. 3 S. 2 StPO; verspätete Urteilsverkündung nach Unterbrechung der Hauptverhandlung; eine analoge Anwendung von § 229 Abs. 2 StPO zur Verlängerung der Elftagefrist kommt bei Unterbrechung unmittelbar vor der Urteilsverkündung nicht in Betracht. Wird das Urteil nicht spätestens am elften Tag nach Schluss der Verhandlung verkündet, ist die Hauptverhandlung erneut zu beginnen; andernfalls liegt ein revisibler Verfahrensverstoß vor. Ein Beruhen kann nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen verneint werden, die strengen Anforderungen unterliegen (vgl. consid. 2).

Texto completo

BGH — 3 StR 130/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-05-14

Aktenzeichen: 3 StR 130/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 229 Abs 2 StPO, § 268 Abs 3 S 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Kleve, 6. Januar 2014, Az: 120 KLs 27/13

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Verlängerung der Urteilsverkündungsfrist durch Unterbrechung

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Kleve vom 6. Januar 2014 mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, wegen versuchter Nötigung und wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zur Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt und die Anordnung der Sicherungsverwahrung vorbehalten. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner Revision, die er auf eine Verfahrensrüge und die allgemeine Sachbeschwerde stützt. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Erfolg (§ 349 Abs. 4, § 354 Abs. 2 Satz 1 StPO).

2 Der Generalbundesanwalt hat in seiner Antragsschrift hierzu ausgeführt:

"Zu Recht beanstandet der Beschwerdeführer die Verletzung der Urteilsverkündungsfrist gem. § 268 Abs. 3 S. 2 StPO. Die Beweisaufnahme wurde bereits am 1. Hauptverhandlungstag, dem 16. Dezember 2013, geschlossen. Am selben Tag hielten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Schlussvorträge; der Angeklagte hatte das letzte Wort. Der Vorsitzende unterbrach daraufhin die Verhandlung bis zum 6. Januar 2014. An diesem Tag hat das Landgericht ohne Wiedereintritt in die Beweisaufnahme unmittelbar das Urteil verkündet. Nach § 268 Abs. 3 S. 2 StPO muss jedoch, sofern das Urteil nicht am Schluss der Verhandlung verkündet wird, die Verkündung des Urteils spätestens am elften Tage danach erfolgen; andernfalls ist mit der Hauptverhandlung erneut zu beginnen. Die Elftagefrist begann hier am 16. Dezember 2013 und endete, wie die Revision zutreffend ausführt, bereits am 27. Dezember 2013. Eine Verlängerung der Frist entsprechend § 229 Abs. 2 StPO kommt bei der Unterbrechung der Hauptverhandlung unmittelbar vor Urteilsverkündung nicht in Betracht (BGH NStZ 2004, 52; NStZ 2007, 235; NStZ-RR 2007, 278f.).

Das Urteil beruht auch auf dem Verfahrensverstoß. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann bei einem Verstoß gegen die Elftagefrist des § 268 Abs. 3 S. 2 StPO ein Beruhen des Urteils nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen ausgeschlossen werden (BGH aaO, BGHR StPO § 268 Abs. 3 Verkündung 1 und 2; Beschl. v. 30 Mai 2007 - 2 StR 22/07 - zit. n. juris Rn 5). Derartige Umstände sind vorliegend nicht ersichtlich. Der dienstlichen Erklärung des Vorsitzenden der Strafkammer vom 26. März 2014 kann entnommen werden, dass eine rechtzeitige Terminierung wegen der Weihnachtsfeiertage und Urlaubs der Berufsrichter nicht möglich war und der Strafkammer am Tag der Verkündung, dem 6. Januar 2014, die Elftagefrist des § 268 Abs. 3 S. 2 StPO nicht präsent gewesen ist. Das Urteil ist daher bereits auf die Verfahrensrüge aufzuheben, sodass es auf die Sachrüge nicht mehr ankommt."

3 Dem schließt sich der Senat an.

Becker Hubert Mayer

Gericke Spaniol

Palavras-chave

verdict announcementmain hearing interruptionrevisionprocedural defectcausationremandcriminal procedure

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Questão jurídica principal

Whether the judgment had to be set aside because the verdict was announced after the eleven-day limit under § 268(3) sentence 2 StPO.

Decisão extraída

Yes. The main hearing was interrupted after the evidence closed and closing submissions were made, but the judgment was announced only on 6 January 2014; the statutory period had already expired.

Fundamentação extraída

When the judgment is not announced at the end of the hearing, it must be announced no later than the eleventh day thereafter. The period began with the closure of the evidence on 16 December 2013 and expired on 27 December 2013. The trial court did not restart the hearing before announcing judgment.

Questão jurídica principal

Whether the interruption of the main hearing could extend the verdict-announcement period by analogy to § 229(2) StPO.

Decisão extraída

No. Such an extension is not available for an interruption immediately before verdict announcement.

Fundamentação extraída

The court followed settled precedent rejecting an analogous application of § 229(2) StPO to the verdict-announcement period.

Questão jurídica principal

Whether the procedural defect affected the judgment.

Decisão extraída

Yes, the judgment was based on the violation; no exceptional circumstances excluded causation.

Fundamentação extraída

In cases of violation of the eleven-day rule, causation is excluded only in very exceptional cases. None were present here; the chairperson's statement showed the court had not kept the time limit in mind.

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