Self-recusal justified due to judge's friendship with party representative

BGH RiZ (R) 3/15Bgh / Dienstgericht Des Bundes2 de dez. de 2015Granted

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The Federal Court of Justice held that the self-recusal of its presiding judge was justified. The judge had disclosed a long-standing personal friendship with the newly appointed president of the OLG Karlsruhe, including family vacations and regular private invitations. The court found that these circumstances went beyond a casual acquaintance and were capable of creating legitimate doubts about impartiality. It also held that it made no difference that the Land Baden-Württemberg, rather than the president personally, was the formal party, because the president represented the Land in the proceedings.

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§ 80 Abs. 1 Satz 1 DRiG; § 54 Abs. 1 VwGO; §§ 48, 42 Abs. 2 ZPO: Besorgnis der Befangenheit bei persönlicher Beziehung des Richters zu einem Verfahrensbeteiligten bzw. dessen gesetzlichem Vertreter. Maßgeblich ist, ob aus Sicht einer vernünftigen Prozesspartei bei Würdigung aller Umstände Zweifel an Unvoreingenommenheit und objektiver Einstellung bestehen. Eine bloße Bekanntschaft oder lockere Freundschaft genügt regelmäßig nicht; eine darüber hinausgehende, durch besondere Nähe geprägte persönliche Beziehung kann die Ablehnung rechtfertigen. Für die Befangenheitsprüfung ist der gesetzliche Vertreter dem vertretenen Rechtsträger gleichzustellen, wenn er dessen Interesse am Ausgang des Verfahrens wahrnimmt (consid. 3 f.).

Texto completo

BGH — RiZ (R) 3/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-12-02

Aktenzeichen: RiZ (R) 3/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2015:021215BRIZR3.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Vorinstanz: vorgehend OLG Stuttgart, 17. April 2015, Az: DGH 3/13vorgehend LG Karlsruhe, 4. Dezember 2012, Az: RDG 7/12nachgehend BGH, 28. März 2017, Az: RiZ (R) 3/15, Beschlussnachgehend BGH, 7. September 2017, Az: RiZ (R) 3/15, Urteil

Spruchkörper: Dienstgericht des Bundes

Tenor

Die Selbstablehnung des Vorsitzenden Richters am Bundesgerichtshof Prof. Dr. B. wird für begründet erklärt.

Gründe

I.

1 Der Antragsteller, der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe ist, hat ein Prüfungsverfahren gegen eine Maßnahme der Dienstaufsicht der früheren Präsidentin des Oberlandesgerichts Karlsruhe beantragt. Das Dienstgericht hat den Antrag zurückgewiesen. Gegen die Zurückweisung seiner Berufung durch den Dienstgerichtshof hat er beim Dienstgericht des Bundes Revision eingelegt.

2 Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. B., der nach dem Geschäftsverteilungsplan des Bundesgerichtshofs als Vorsitzender des Dienstgerichts zur Mitwirkung an dem Revisionsverfahren berufen ist, hat angezeigt, dass er seit über 20 Jahren mit dem neu ernannten Präsidenten des Oberlandesgerichts Karlsruhe befreundet sei, die Familien früher mehrfach gemeinsame Sommerurlaube verbracht hätten und sie sich weiterhin regelmäßig zu Geburtstagsfeiern und ähnlichen Anlässen einladen würden.

II.

3 Auf die Selbstanzeige ist die Ablehnung für begründet zu erklären, § 80 Abs. 1 Satz 1 DRiG, § 54 Abs. 1 VwGO, §§ 48, 42 Abs. 2 ZPO. Die Besorgnis der Befangenheit führt zur Ablehnung, wenn aus der Sicht eines Verfahrensbeteiligten bei vernünftiger Würdigung aller Umstände Anlass gegeben ist, an der Unvoreingenommenheit und objektiven Einstellung des Richters zu zweifeln (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 15. März 2012 - V ZB 102/11, NJW 2012, 1890 Rn. 10; Beschluss vom 10. Juni 2013 - AnwZ (Brfg) 24/12, NJW-RR 2013, 1211 Rn. 6; Beschluss vom 24. November 2014 - BLw 2/14, MDR 2015, 608 Rn. 3). Besondere persönliche Beziehungen des Richters zu einem Verfahrensbeteiligten können geeignet sein, ein solches Misstrauen eines Verfahrensbeteiligten in die Unparteilichkeit eines Richters zu rechtfertigen (BGH, Beschluss vom 24. April 2013 - RiZ 4/12, juris Rn. 28; Beschluss vom 15. März 2011 - II ZR 237/09, WM 2011, 812 Rn. 2; Beschluss vom 15. März 2011 - II ZR 244/09, NJW-RR 2011, 648 Rn. 2). Eine Bekanntschaft oder lockere Freundschaft stellt allerdings regelmäßig noch keine für eine Besorgnis der Befangenheit ausreichende besondere persönliche Beziehung dar (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Juni 2009 - I ZR 168/06, juris Rn. 6 f.; Beschluss vom 13. Juni 2005 - X ZR 195/03, juris Rn. 8; BAG, NZA-RR 2010, 516, 517). Die von Vorsitzendem Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. B. angezeigten Umstände begründen aber die Besorgnis der Befangenheit, weil danach eine über eine Bekanntschaft oder lockere Freundschaft hinausreichende persönliche Beziehung zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Karlsruhe besteht.

4 Dass das Land und nicht der Präsident des Oberlandesgerichts Karlsruhe im Prüfungsverfahren unmittelbar beteiligter Rechtsträger ist, steht dem nicht entgegen. Der Präsident des Oberlandesgerichts vertritt das Land im Prüfungsverfahren nach § 8 des Landesrichter- und -staatsanwaltsgesetzes Baden-Württemberg (LRiStAG BW) in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. Mai 2000 (GBl. 2000, 503), § 11 Satz 1 der Verordnung des Innenministeriums, Finanz- und Wirtschaftsministeriums, des Kultusministeriums, des Wissenschaftsministeriums, des Umweltministeriums, des Sozialministeriums, des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, des Justizministeriums, des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur und des Integrationsministeriums über die Regelung beamtenrechtlicher Zuständigkeiten (Beamtenrechtszuständigkeitsverordnung - BeamtZuVO) vom 8. Mai 1996 (GBl. 1996, 402) in der Fassung vom 9. November 2010 (GBl. 2010, 793, 977), § 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BeamtZuVO (in der Fassung vom 3. Dezember 2013, GBl. 2013, 449, 475). Als gesetzlicher Vertreter steht er hinsichtlich seines Interesses am Verfahrensausgang dem unmittelbar beteiligten Rechtsträger gleich.

Mayen Drescher Menges

Koch Gericke

Palavras-chave

biasjudicial impartialityself-recusalpersonal relationshipjudicial service proceedingsrepresentativerevision

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Questão jurídica principal

Whether the presiding judge's self-recusal was justified because of his close personal relationship with the president of the OLG Karlsruhe.

Decisão extraída

Yes. The described long-standing friendship went beyond a mere acquaintance or loose friendship and objectively justified doubts about impartiality.

Fundamentação extraída

Under the rules on bias, the decisive question is whether a reasonable party, considering all circumstances, may doubt the judge's neutrality. The disclosed family ties, shared vacations and regular private invitations showed a relationship strong enough to trigger concern.

Questão jurídica principal

Whether it mattered that the Land, not the OLG president personally, was the formal party to the review proceedings.

Decisão extraída

No. The president represented the Land in the review proceedings and stood procedurally in the same position as the directly involved legal entity.

Fundamentação extraída

A statutory representative is treated, for purposes of impartiality concerns, like the represented entity when his or her own interests in the outcome are at stake.

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