Non-admission and abuse fee for obviously hopeless constitutional complaint

BVerfG 2 BvR 2417/15Bverfg / 2. Senat 2. Kammer24 de out. de 2016Inadmissible

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The Federal Constitutional Court rejected legal aid and appointment of counsel for a constitutional complaint against an AG Rostock judgment because the intended challenge had no reasonable chance of success. It also refused to admit the complaint. The Court held that the filing was manifestly hopeless and, given the lawyer’s duty to assess admissibility and prospects, abusive. For that reason, it imposed an abuse fee of EUR 500 on the complainant’s counsel under § 34(2) BVerfGG.

Sumário Omnilex

§ 34 Abs. 2 BVerfGG; abuse fee for manifestly hopeless constitutional complaints; counsel’s liability. A constitutional complaint is abusive when it is obviously inadmissible or unfounded and its filing must be recognized by any reasonable person as completely hopeless. Where a lawyer is responsible for the filing, the fee may be imposed on counsel if the abusive conduct is attributable to them; counsel must examine the constitutional issues, relevant case-law and admissibility requirements, and, after careful assessment, act accordingly. Failure to do so in a clearly hopeless case justifies an abuse fee. Legal aid and appointment of counsel are to be refused where the intended constitutional complaint offers no sufficient prospects of success (consid. 1-3).

Texto completo

BVerfG — 2 BvR 2417/15, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2016-10-24

Aktenzeichen: 2 BvR 2417/15

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20161024.2bvr241715

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 34 Abs 2 BVerfGG, § 90 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend AG Rostock, 22. Oktober 2015, Az: 53 C 265/15, Urteil

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Offensichtliches Fehlen jeglicher Erfolgsaussichten einer Urteilsverfassungsbeschwerde - Auferlegung einer Missbrauchsgebühr zu Lasten der Bevollmächtigten des Beschwerdeführers

Tenor

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet.

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Der Prozessbevollmächtigten des Beschwerdeführers wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 500 € (in Worten: fünfhundert Euro) auferlegt.

Gründe

1 Die Auferlegung einer Missbrauchsgebühr beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG. Danach kann das Bundesverfassungsgericht eine Gebühr bis zu 2.600 Euro auferlegen, wenn die Einlegung der Verfassungsbeschwerde einen Missbrauch darstellt. Die Erhebung einer Verfassungsbeschwerde stellt unter anderem dann einen Missbrauch dar, wenn die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und ihre Einlegung von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss. Das Bundesverfassungsgericht muss nicht hinnehmen, dass es an der Erfüllung seiner Aufgaben durch für jedermann erkennbar aussichtslose Verfassungsbeschwerden behindert wird und dadurch anderen Bürgern den ihnen zukommenden Grundrechtsschutz nur verzögert gewähren kann (BVerfGK 6, 219 <219>; 14, 468 <470>; stRspr).

2 Die Missbrauchsgebühr kann dem Bevollmächtigten des Beschwerdeführers auferlegt werden, wenn ihm die missbräuchliche Handlung zuzurechnen ist (vgl. BVerfGK 6, 219 <220>; 10, 94 <97>). Von einem Rechtsanwalt ist zu erwarten, dass er sich mit der verfassungsrechtlichen Materie und der hierzu ergangenen Rechtsprechung sowie den Zulässigkeitsvoraussetzungen einer Verfassungsbeschwerde auseinandersetzt, die Erfolgsaussichten des Rechtsbehelfs eingehend abwägt und sich den Ergebnissen seiner Prüfung entsprechend verhält. Unterlässt er dies in vorwerfbarer Weise, setzt sich der Rechtsanwalt einer Gebührenbelastung nach § 34 Abs. 2 BVerfGG aus (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. August 2010 - 1 BvR 1584/10 -, juris; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 19. Februar 2009 - 2 BvR 191/09 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 12. Mai 2011 - 2 BvR 941/11 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 14. Dezember 2011 - 2 BvR 1430/11 -, juris).

3 Diesen Anforderungen ist die Prozessbevollmächtigte des Beschwerdeführers vorliegend bereits im Ansatz nicht nachgekommen. Das Fehlen jeder Erfolgsaussicht ist derart offensichtlich, dass die Erhebung der Verfassungsbeschwerde durch eine Rechtsanwältin nur als missbräuchlich angesehen werden kann. Dass aus dem durch die Prozessbevollmächtigte verfassten Vortrag kein Mangel hervorgeht, musste ihr spätestens nach Durchsicht des ausführlich begründeten Beschlusses des Amtsgerichts vom 18. November 2015 bewusst gewesen sein. Die Verfassungsbeschwerde setzt sich mit der vom Amtsgericht dargestellten Zivilrechtslage nicht auseinander und übergeht so den entscheidenden Gesichtspunkt, dass sich ein Mangel bereits aus dem Vortrag des Beschwerdeführers nicht ergibt, sodass auch keine Beweisaufnahme stattfinden musste.

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Palavras-chave

constitutional complaintlegal aidadmissibilityabuse feehopeless claimcounsel liability

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Questão jurídica principal

Whether legal aid and appointment of counsel should be granted for the intended constitutional complaint

Decisão extraída

Legal aid and appointment of counsel were denied because the intended complaint had no sufficient prospects of success.

Fundamentação extraída

Under the Court's summary review, an obviously hopeless constitutional complaint does not justify legal aid.

Questão jurídica principal

Whether the constitutional complaint should be admitted for decision

Decisão extraída

The complaint was not admitted.

Fundamentação extraída

The submission was manifestly devoid of any prospect of success and did not engage with the decisive civil-law reasoning of the lower court.

Questão jurídica principal

Whether an abuse fee should be imposed on the complainant's counsel

Decisão extraída

An abuse fee of EUR 500 was imposed on the complainant's counsel.

Fundamentação extraída

Counsel should have recognized at latest after reviewing the reasoned AG decision that the complaint was obviously hopeless and therefore abusive within the meaning of § 34(2) BVerfGG.

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