(Art. 6 Abs. 1 und 7 Abs. 1)
1Industrieabwasser umfasst:
2Wer Industrieabwasser ableitet, muss bei Produktionsprozessen und bei der Abwasserbehandlung die nach dem Stand der Technik notwendigen Massnahmen treffen, um Verunreinigungen der Gewässer zu vermeiden. Insbesondere muss er dafür sorgen, dass:
3Er muss bei der Einleitung des Abwassers in Gewässer oder in die öffentliche Kanalisation am Ort der Einleitung einhalten:
4Wenn der Inhaber des Betriebes nachweist, dass er die nach dem Stand der Technik erforderlichen Massnahmen nach Absatz 2 getroffen hat und dass die Einhaltung der allgemeinen Anforderungen nach Ziffer 2 unverhältnismässig wäre, legt die Behörde weniger strenge Werte fest.
5Wenn die nach dem Stand der Technik nach Absatz 2 erforderlichen Massnahmen ermöglichen, strengere Anforderungen als diejenigen nach den Ziffern 2 und 3 einzuhalten, kann die Behörde aufgrund der Angaben des Betriebsinhabers und nach dessen Anhörung strengere Werte festlegen.
6Wenn die Ziffern 2 und 3 für bestimmte Stoffe, die Gewässer verunreinigen können, keine Anforderungen enthalten, so legt die Behörde in der Bewilligung auf Grund des Standes der Technik die erforderlichen Anforderungen fest. Sie berücksichtigt dabei internationale oder nationale Normen, vom BAFU veröffentlichte Richtlinien oder von der betroffenen Branche in Zusammenarbeit mit dem BAFU erarbeitete Normen.
7Wenn Industrieabwasser, das auch kommunales Abwasser (Anhang 3.1) oder anderes verschmutztes Abwasser (Anhang 3.3) enthält, in ein Gewässer eingeleitet wird, legt die Behörde die Anforderungen in der Bewilligung so fest, dass mit dem Abwasser gesamthaft nicht mehr Stoffe eingeleitet werden, die Gewässer verunreinigen können, als dies bei getrennter Behandlung und Einhaltung der entsprechenden Anhänge der Fall wäre.
| Nr. | Parameter | Kolonne 1: Anforderungen an die Einleitung in Gewässer | Kolonne 2: Anforderungen an die Einleitung in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|---|
| 1 | pH-Wert | 6,5 bis 9,0 | 6,5 bis 9,0; Abweichungen sind bei ausreichender Vermischung in der Kanalisation zulässig. |
| 2 | Temperatur | Höchstens 30 °C. Die Behörde kann kurzfristige, geringfügige Überschreitungen im Sommer zulassen. | Höchstens 60 °C. Die Temperatur in der Kana- lisation darf nach der Vermischung höchstens 40 °C betragen. |
| 3 | Durchsichtigkeit (nach Snellen) | 30 cm | – |
| 4 | Gesamte ungelöste Stoffe | 20 mg/l | – |
| 5 | Arsen*(As)* | 0,1 mg/l As (gesamt) | 0,1 mg/l As (gesamt) |
| 6 | Blei*(Pb)* | 0,5 mg/l Pb (gesamt) | 0,5 mg/l Pb (gesamt) |
| 7 | Cadmium*(Cd)* | 0,1 mg/l Cd (gesamt) | 0,1 mg/l Cd (gesamt) |
| 8 | Chrom*(Cr)* | 2 mg/l Cr (gesamt); 0,1 mg/l Cr-VI | 2 mg/l Cr (gesamt) |
| 9 | Kobalt*(Co)* | 0,5 mg/l Co (gesamt) | 0,5 mg/l Co (gesamt) |
| 10 | Kupfer*(Cu)* | 0,5 mg/l Cu (gesamt) | 1 mg/l Cu (gesamt) |
| 11 | Molybdän*(Mo)* | – | 1 mg/l Mo (gesamt) |
| 12 | Nickel*(Ni)* | 2 mg/l Ni (gesamt) | 2 mg/l Ni (gesamt) |
| 13 | Zink*(Zn)* | 2 mg/l Zn (gesamt) | 2 mg/l Zn (gesamt) |
| 14 | Cyanide*(CN* –) | 0,1 mg/l CN–(freies und leicht freisetzbares Cyanid) | 0,5 mg/l CN–(freies und leicht freisetzbares Cyanid) |
| 15 | Gesamte Kohlenwasserstoffe | 10 mg/l | 20 mg/l |
| 16 | Leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe*(FOCl)* oder Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe*(VOX)* | 0,1 mg/l Cl oder 0,1 mg/l X | 0,1 mg/l Cl oder 0,1 mg/l X |
Zusätzlich zu den nachfolgenden Anforderungen gelten für die ganze Schweiz die international vereinbarten und vom Bundesrat oder vom Departement nach Artikel 51 genehmigten Beschlüsse und Empfehlungen.1
| Branche/Prozess | Kolonne 1: Anforderungen an die Einleitung in Gewässer | Kolonne 2: Anforderungen an die Einleitung in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|
| – Milchverarbeitung – Obst- und Gemüseverarbeitung – Herstellung von Erfrischungsgetränken und Getränkeabfüllung – Kartoffelverarbeitung – Fleischwarenverarbeitung – Brauereien – Herstellung von Alkohol und alkoholischen Getränken – Herstellung von Tierfutter aus Pflanzenerzeugnissen – Herstellung von Hautleim, Gelatine und Knochenleim – Mälzereien – Fischverarbeitung | Es gelten die Anforderungen an kommunales Abwasser gemäss Anhang 3.1. Ausgenommen sind die Anforderungen an Gesamt phosphor in Fällen, in denen für die biologische Behandlung des Abwassers in der Abwasserrei- nigungsanlage Phosphor zugege- ben werden muss. | In fett- und ölverarbeitenden Betrieben sind nötigenfalls Abscheider einzubauen. |
| Nr. | Branche/Prozess | Parameter/Anforderungen an die Einleitung in Gewässer und in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|
| 1 | Kontinuierliches Giessen | Prozesswasser: – wenigstens 95 Prozent Rezirkulation Gesamte ungelöste Stoffe: – 10 g/t behandelter Stahl im Tagesmittel Kohlenwasserstoffe: – 5 g/t behandelter Stahl im Tagesmittel |
| 2 | Kaltwalzen | Gesamte ungelöste Stoffe: – 10 g/t behandelter Stahl im Tagesmittel Kohlenwasserstoffe: – 5 g/t behandelter Stahl im Tagesmittel |
| 3 | Heisswalzen | Prozesswasser: – wenigstens 95 Prozent Rezirkulation Gesamte ungelöste Stoffe: – 50 g/t behandelter Stahl im Tagesmittel Kohlenwasserstoffe: – 10 g/t behandelter Stahl im Tagesmittel |
| 4 | Beizen | Cadmium (Cd): – 0,2 mg/l Cd im Tagesmittel oder Chrom (Cr): – 0,1 mg/l Cr-VI im Tagesmittel – 1 mg/l Cr (gesamt) im Tagesmittel Nickel (Ni): – 1 mg/l Ni im Tagesmittel Zink (Zn): – 2 mg/l Zn im Tagesmittel Säureregeneration: – Säureregeneration zur Reduktion der Nitratableitung ab einem Jahresverbrauch von mehr als 20 Tonnen Salpetersäure pro Jahr und Betrieb oder andere gleichwertige Massnahmen |
Für Anlagen, die vor dem 1.1.1993 in Betrieb genommen worden sind, legt die Behörde die Anforderungen im Einzelfall fest.
| Nr. | Branche / Prozess | Parameter/Anforderungen an die Einleitung in Gewässer und in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|
| 1 | Verwendung von 1,2-Dichlorethan zum Entfetten von Metallen | 1,2-Dichlorethan: – 0,1 mg/l im Monatsmittel – 0,2 mg/l im Tagesmittel |
| 2 | Verwendung von Trichlorethen zum Entfetten von Metallen | Trichlorethen: – 0,1 mg/l im Monatsmittel – 0,2 mg/l im Tagesmittel |
| 3 | Verwendung von Tetrachlorethen zum Entfetten von Metallen | Tetrachlorethen: – 0,1 mg/l im Monatsmittel – 0,2 mg/l im Tagesmittel |
| 4 | Oberflächenbehandlung | Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (VOX): – 0,1 mg/l VOX im Tagesmittel Cyanid (CN –): – 0,2 mg/l CN–(leicht freisetzbare) im Tagesmittel Quecksilber (Hg): – 0,05 mg/l Hg im Tagesmittel oder – 0,03 kg Hg pro Tonne verwendetes Quecksilber im Tagesmittel Cadmium (Cd): – 0,2 mg/l Cd im Tagesmittel oder – 0,3 kg Cd pro Tonne verwendetes Cadmium im Tagesmittel Chrom (Cr): – 0,1 mg/l Cr-VI im Tagesmittel – 0,5 mg/l Cr (gesamt) im Tagesmittel1 Blei (Pb): – 0,5 mg/l Pb im Tagesmittel1 Kupfer (Cu): – 0,5 mg/l Cu im Tagesmittel1 Nickel (Ni): – 0,5 mg/l Ni im Tagesmittel1 Zink (Zn): – 0,5 mg/l Zn im Tagesmittel; in begründeten Fällen kann die Behörde bis zu 2 mg/l Zn im Tagesmittel zulassen Silber (Ag): – 0,1 mg/l Ag im Tagesmittel Zinn (Sn): – 2 mg/l Sn im Tagesmittel |
| 1 Für Betriebe der Oberflächenbehandlung, die kleine Metallfrachten ableiten (weniger als 200 g der Summe Gesamtchrom, Blei, Kupfer, Nickel und Zink pro Tag), kann die Behörde höchstens 2 mg/l im Monatsmittel zulassen. |
| Nr. | Branche/Prozess | Parameter/Anforderungen an die Einleitung in Gewässer und in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|
| 1 | Herstellung von Chlor durch Alkalichloridelektrolyse | Quecksilber (Hg): Anwendung von quecksilberfreien Verfahren. Für bestehende Anlagen gilt: – 0,5 g Hg pro Tonne Chlorproduktionskapazität im Monatsmittel – 2,0 g Hg pro Tonne Chlorproduktionskapazität im Tagesmittel |
| 2 | Herstellung von Cadmiumpigmenten | Cadmium (Cd): – 0,2 mg/l Cd im Monatsmittel – 0,4 mg/l Cd im Tagesmittel |
| Nr. | Branche/Prozess | Parameter/Anforderungen an die Einleitung in Gewässer | Parameter/Anforderungen an die Einleitung in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|---|
| 1 | Herstellung von Papier oder Karton | Gesamte ungelöste Stoffe: – 1 Kilogramm pro Tonne Produktion an Papier oder Karton im Tagesmittel oder 50 mg/l im Tagesmittel Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)/gelöster organischer Kohl enstoff (DOC): – je nach Papiertyp: 2,5–5 Kilogramm CSB pro Tonne Produktion an Papier oder Karton im Tagesmittel oder 1,5–2,5 Kilogramm DOC pro Tonne Produktion an Papier oder Karton im Tagesmittel Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB Tagesmittel; in begründeten Fällen kann die Behörde an Stelle der vorgenannten Anforderung einen Wert von 25 mg/l BSB | Die Behörde legt die Anforderungen im Einzelfall fest. |
| Nr. | Branche/Prozess | Parameter/Anforderungen an die Einleitung in Gewässer |
|---|---|---|
| 2 | Herstellung von Sulfitzellstoff | Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB erfolgen, wenn die Korrelation zwischen CSB und TOC gegeben und nachgewiesen ist. Gesamte ungelöste Stoffe: – 4,5 Kilogramm pro Tonne Produktion an lufttrockenem Zellstoff im Monatsmittel 8,0 Kilogramm pro Tonne Produktion an luft- trockenem Zellstoff im Monatsmittel ab 1.1.2000 für Anlagen, die vor dem 1.1.1997 in Betrieb genommen wurden und die ihre Produktionskapazität nach dem 1.1.1997 um nicht mehr als 50 Prozent erhöhen Adsorbierbare organische Halogenverbindungen (AOX), für Betriebe, die nicht ausschliesslich chlorfrei ge bleichten Zellstoff herstellen: – 0,5 Kilogramm pro Tonne Produktion an gebleichtem lufttrockenem Zellstoff im Monatsmittel Molekulares Chlorverhältnis: – weniger als 0,05 bis 0,1, je nach Zellstoffsorte |
| Nr. | Branche / Prozess | Kolonne 1: Anforderungen an die Einleitung in Gewässer | Kolonne 2: Anforderungen an die Einleitung in die öffentliche Kanalisation |
|---|---|---|---|
| 1 | Filterwasser aus der Wasseraufbereitung | Gesamte ungelöste Stoffe: – 30 mg/l1im Tagesmittel | Keine besonderen Anforderungen |
| 2 | Kehrichtverbrennungs- anlagen | Blei (Pb): – 0,1 mg/l Pb 1 Cadmium (Cd): – 0,05 mg/l Cd 1 Chrom (gesamt Cr): – 0,1 mg/l Cr 1 Kupfer (Cu): – 0,1 mg/l Cu 1 Nickel (Ni): – 0,1 mg/l Ni 1 Zink (Zn): – 0,1 mg/l Zn 1 Quecksilber (Hg): – 0,001 mg/l Hg 1 Gelöster organischer Kohlenstoff (DOC): – 10 mg/l DOC 1 | Blei (Pb): – 0,1 mg/l Pb 1 Cadmium (Cd): – 0,05 mg/l Cd 1 Chrom (gesamt Cr): – 0,1 mg/l Cr 1 Kupfer (Cu): – 0,1 mg/l Cu 1 Nickel (Ni): – 0,1 mg/l Ni 1 Zink (Zn): – 0,1 mg/l Zn 1 Quecksilber (Hg): – 0,001 mg/l Hg 1 Sulfat: Wenn Korrosionsgefahr in der öffentlichen Kanalisation besteht, legt die Behörde einen Wert für die zulässige Sulfatkonzentration im Einzelfall fest. |
| 3 | Aufbereitung quecksilberhaltiger Abfälle | Quecksilber (Hg): – 0,05 mg/l Hg im Monatsmittel – 0,1 mg/l Hg im Tages-mittel | Quecksilber (Hg): – 0,05 mg/l Hg im Monatsmittel – 0,1 mg/l Hg im Tages-mittel |
| 4 | Entsilberung von Fixierbädern | Silber (Ag): Die Behörde legt die Anforderungen im Einzelfall fest. | Silber (Ag): – 5 mg/l Ag |
| 5 | Entsilberung von Bleichfixierbädern | Silber (Ag) und Bleichmittelkomponenten: Die Behörde legt die Anforderungen im Einzelfall fest. | Silber (Ag) und Bleichmittelkomponenten: – 5 mg/l Ag Biologisch schwer abbau bare Bleichmittelkompo nenten (insbesondere Fe-EDTA-Komplex und EDTA-Überschuss): – Die Behörde legt die Anforderungen im Einzelfall fest. |
| 1 Richtwert für die Festlegung der Anforderungen an die Einleitung durch die Behörde auf Grund der Verhältnisse im Einzelfall. |
| Nr. | Branche / Prozess | Kolonne 1: Anforderungen an die Einleitung in Gewässer | Kolonne 2: Anforderungen an die Einleitung in die öffentliche Kanalisation | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Fotografische Prozesse | Silber (Ag): Die Behörde legt die Anforderungen im Einzelfall fest. | Silber (Ag): 50 mg/l Ag für Betriebe mit einem Fixierbadverbrauch bis 1000 l/a 5 mg/l Ag für Betriebe mit einem Fixierbadverbrauch über 1000 l/a | |
| Herstellung von quecksilberhaltigen Primärbatterien | Quecksilber (Hg): – 0,05 mg/l Hg im Monatsmittel – 0,1 mg/l Hg im Tagesmittel – 0,03 g/kg Hg pro Kilogramm verwendetes Quecksilber im Monatsmittel – 0,06 g/kg Hg pro Kilogramm verwendetes Quecksilber im Tagesmittel | |||
| Herstellung von anderen Primärbatterien und von Sekundärbatterien | Cadmium (Cd): 0,2 mg/l Cd im Monatsmittel 0,4 mg/l Cd im Tagesmittel | |||
| Prozesse, bei denen gezielt mit pathogenen Mikroorganismen umgegangen wird | – | Pathogene Mikroorganismen: Inaktivierung | ||
| Zahnarztpraxen und Zahnkliniken | Amalgam: Die Behörde legt die Anforderungen im Einzel- fall fest. | Amalgam: Behandlungseinheiten, an welchen Amalgam verarbeitet wird, sind mit einem Amalgamabscheider mit einem Wirkungsgrad von mindestens 95 % auszurüsten. |
Bezug beim Bundesamt für Umwelt, 3003 Bern ↩
Nutzen Sie die aktuelle Seite als Kontext für Recherche, Zusammenfassungen, Vergleiche und Entwürfe.
0 commentaries