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Bei unentschuldigtem Fernbleiben der beschuldigten Person stellt sich regelmäßig die Frage einer Neuverhandlung nach Art. 366 Abs. 1 StPO; ob ein sofortiges Abwesenheitsverfahren möglich ist, ist umstritten; in bestimmten Fällen (z. B. wenn sich die beschuldigte Person der Vorführung durch Entziehungsverhalten gleichstellt) kann ein Abwesenheitsverfahren dennoch in Betracht kommen.
“Die Berufung des Beschwerdeführers 2 galt angesichts der Anwesenheit der amtlichen (Pflicht-) Verteidigerin nicht als zurückgezogen (vgl. Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO e contrario; Urteil 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2 und 2.3), weshalb auch die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zu behandeln war (vgl. Art. 401 Abs. 3 StPO e contrario). Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO betrifft den Fall, dass allein die beschuldigte Person Berufung erhoben hat (vgl. Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.3). Hat die Staatsanwaltschaft oder die Privatklägerschaft die Berufung im Schuld- oder Strafpunkt erklärt und bleibt die beschuldigte Person der Verhandlung unentschuldigt fern, so findet gemäss Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwesenheitsverfahren statt. Das Gericht hat daher nach Art. 366 ff. StPO vorzugehen, d.h. es hat in der Regel eine neue Verhandlung anzusetzen (vgl. Art. 366 Abs. 1 StPO; Urteile 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_141/2013 vom 18. April 2013 E. 2). Hat sich die beschuldigte Person selber in den Zustand der Verhandlungsunfähigkeit versetzt oder weigerte sie sich, aus der Haft zur Hauptverhandlung vorgeführt zu werden, so kann das Gericht sofort ein Abwesenheitsverfahren durchführen (Art. 366 Abs. 3 StPO). Darüber, wann die Ausnahmebestimmung von Art. 366 Abs. 3 StPO zur Anwendung gelangen soll, gehen die Meinungen auseinander (vgl. dazu PAREIN/PAREIN-REYMOND/THALMANN, in: C ommentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2. Aufl. 2019, N. 16 f., 25 und 31 f. zu Art. 366 StPO; JULIA SCHEER, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 9 zu Art. 366 StPO). Das Bundesgericht entschied im Urteil 7B_573/2023 vom 26. Februar 2024, die sofortige Durchführung des Abwesenheitsverfahrens sei auch bei einer sich in Freiheit befindenden beschuldigten Person zulässig, wenn sich diese in einer Weise der Justiz zu entziehen versuche, die einem sich selber in den Zustand der Verhandlungsunfähigkeit Versetzen gleichkomme (Urteil, a.”
Erscheint nur der Verteidiger, ist dieser zum Vortrag/Plädoyer zuzulassen; das Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO findet nicht statt, die Verteidigung kann die Verhandlung allein fortführen.
“1 CPP, l'appel est réputé retiré si la partie qui l'a déclaré fait défaut aux débats d'appel sans excuse valable et ne se fait pas représenter (let. a); omet de déposer un mémoire écrit (let. b); ne peut pas être citée à comparaître (let. c). La fiction du retrait de l'appel selon l'art. 407 al. 1 let. a CPP s'applique au prévenu lorsqu'il fait défaut aux débats sans excuse valable et, cumulativement, ne se fait pas représenter (cf. arrêts 6B_1359/2023 du 23 septembre 2024 consid. 1.1; 6B_1293/2018 du 14 mars 2019 consid. 3.3.2). Si le prévenu, valablement cité à comparaître, est appelant principal et seul son défenseur se présente à l'audience d'appel, celle-ci doit se tenir sans le prévenu (arrêts 6B_1359/2023 précité consid. 1.1; 7B_409/2023 du 19 août 2024 consid. 2.2.1; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; 6B_37/2012 du 1er novembre 2012 consid. 4). Le défenseur doit alors être autorisé à plaider (arrêt 6B_1359/2024 précité consid. 1.1; MARLÈNE KISTLER VIANIN, in Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2e éd. 2019, n° 6 ad art. 407 CPP et les références à la jurisprudence de la CourEDH). Une procédure par défaut selon les art. 366 ss CPP n'a pas lieu (art. 407 al. 2 CPP, e contrario; arrêts 6B_671/2021 du 26 octobre 2022 consid. 5.4; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2).”
“Eine Partei ist säumig, wenn sie eine Verfahrenshandlung nicht fristgerecht vornimmt oder zu einem Termin nicht erscheint (Art. 93 StPO). Art. 407 StPO regelt die Säumnisfolgen für das Berufungsverfahren. Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO). Ergänzend hielt das Bundesgericht im Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2 fest: "Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen, ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO, e contrario)."”
Die öffentliche Bekanntmachung (amtliche Publikation) begründet im Berufungsverfahren grundsätzlich keine Zustellfiktion und ersetzt die persönliche schriftliche Zustellung nicht; fehlt die persönliche Vorladung, tritt in der Regel sofort die Rückzugsfiktion ein, ohne dass Publikation nach Art. 88 StPO erforderlich wäre.
“Mit dem publizierten Entscheid BGE 148 IV 362 hat sich das Bundesgericht erstmals vertieft mit Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO auseinandergesetzt. Dabei wurde u.a. das Verhältnis dieser Bestimmung zu Art. 88 Abs. 1 StPO analysiert und erwogen, dass Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO eine Spezialbestimmung für das Rechtsmittelverfahren darstellt, die Art. 88 Abs. 1 StPO verdrängt. Andernfalls bliebe Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO stets toter Buchstabe, da eine Vorladung grundsätzlich immer durch eine öffentliche Bekanntmachung gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO publiziert werden kann. Das Bundesgericht folgerte, dass demnach im Berufungsverfahren keine Publikation der Vorladung erforderlich ist und nach dem klaren Wortlaut von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO sofort die Rückzugsfiktion eintritt, wenn die Partei, welche Berufung erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann (BGE 148 IV 362 E. 1.6.2).”
“Insoweit der Beschwerdeführer geltend macht, sich auf die Richtigkeit der Angaben im Amtsblatt verlassen zu dürfen und sich damit auf den Vertrauensschutz beruft, gilt Folgendes: Die öffentliche Bekanntmachung stellt ein Zustellungssurrogat in Fällen der Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der ordentlichen Zustellung dar. Die rechtmässige öffentliche Bekanntmachung schafft die Fiktion der Zustellung, das heisst die unwiderlegbare Vermutung, dass der Inhalt der Mitteilung dem Adressaten zur Kenntnis gelangt ist (SARARAD ARQUINT, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 1 und 8 zu Art. 88 StPO; BGE 148 IV 362 E. 1.2; Urteil 6B_931/2018 vom 9. April 2019 E. 1.3; vgl. auch Urteil 5A_515/2022 vom 10. Januar 2023 E. 3 zu Art. 66 Abs. 4 SchKG). Indes vermag vorliegend auch der Vertrauensschutz diese Wirkung nicht zu schaffen (vgl. oben E. 2.1.2). Wie dargelegt verdrängt Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO als Spezialbestimmung Art. 88 Abs. 1 StPO. Damit ist ausgeschlossen, dass im Anwendungsbereich von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO die Zustellfiktion greift. Analog zur Rechtsprechung, gemäss welcher der Vertrauensschutz kein vom Gesetzgeber nicht vorgesehenes und damit im konkreten Fall nicht gegebenes Rechtsmittel zu schaffen vermag (vgl. BGE 135 III 470 E. 1.2 S. 473; Urteil 6B_162/2019 vom 15. Mai 2019 E. 1.3.1; vgl. auch KATHRIN AMSTUTZ/PETER ARNOLD, in: Basler Kommentar Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, N. 11 zu Art. 49 BGG), vermag auch die amtliche Publikation einer Vorladung nicht die Wirkung der Zustellungsfiktion zu entfalten, wenn die öffentliche Bekanntmachung im konkreten Fall gesetzlich nicht vorgesehen ist. Damit hat der Beschwerdeführer auch keinen Nachteil erlitten, wenn die Vorinstanz das Verfahren (im Ergebnis zu Recht) gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO abschreibt.”
Die Rückzugsfiktion des Art. 407 Abs. 1 StPO greift, wenn die Berufende bzw. die Berufungsklägerin unentschuldigt fernbleibt oder die Vorladung trotz zumutbarer Nachforschungen nicht zustellbar ist; dies führt in der Regel zur Abschreibung bzw. Beendigung des Berufungsverfahrens.
“2 CPP), sans être liée par les motifs invoqués par les parties ni par leurs conclusions, à moins qu'elle ne statue sur une action civile (art. 391 al. 1 CPP). 2. 2.1. Sous réserve de l'hypothèse visée à l'art. 404 al. 2 CPP, non pertinente ici, l'étendue de la saisine de la juridiction d'appel est en premier lieu définie par le choix des parties d'attaquer tel ou tel point du jugement de première instance. Dès lors, selon l'art. 399 al. 3 et 4 CPP, la partie qui déclare appel ou appel joint (cf. art. 401 al. 1 CPP) doit indiquer dans la déclaration d'appel si le jugement est entrepris dans son ensemble ou sur certains points uniquement et quelles sont les modifications demandées. Ultérieurement, au long du déroulement de la procédure d'appel, cette même partie est requise de donner des manifestations de sa volonté de persister dans ses conclusions, dans la mesure où le défaut, sans excuse valable, aux débats d'appel, l'omission de déposer un mémoire écrit ou le fait de se placer dans l'impossibilité d'être citée, sont assimilés à un retrait de l'appel (art. 407 al. 1 CPP ; ATF 148 IV 362 consid. 1.9.2 ; voir également ATF 149 IV 259 consid. 2.4.2 ; AARP/278/2024 du 6 août 2024 ; AARP/334/2022 du 7 novembre 2022 ; AARP/424/2021 du 13 décembre 2021 ; AARP/206/2018 du 27 avril 2018). 2.2. Dans sa déclaration d'appel, l'appelant a en l'espèce remis en cause l'entièreté du jugement de première instance, dont sa culpabilité du chef de rupture de ban. En audience d'appel, il s'en est toutefois, par la voix de son conseil, rapporté à justice sur ce point. En agissant de la sorte, il n'a pas manifesté que sa volonté était, encore et toujours, d'obtenir la modification du jugement demandée dans la déclaration d'appel. Il faut donc considérer qu'il a retiré son appel sur ce point. 3. 3.1. Le principe in dubio pro reo, qui découle de la présomption d'innocence, garantie par l'art. 6 ch. 2 de la Convention de sauvegarde des droits de l'homme et des libertés fondamentales (CEDH) et, sur le plan interne, par les art. 32 al. 1 de la Constitution fédérale de la Confédération suisse (Cst.”
“Gestützt auf ihre Feststellungen zum Sachverhalt durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer aus selbstverschuldeten Gründen nicht zur Berufungsverhandlung erschien und sich auch nicht vertreten liess. Sie verfiel nicht in Willkür, wenn sie die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO anwandte. Die Kritik betreffend die Verhandlungsfähigkeit ist folglich unbegründet, sofern auf sie überhaupt eingetreten werden kann. Somit erübrigt sich die von der Vorinstanz und vom Beschwerdeführer ausserdem thematisierte Frage nach der Rechtzeitigkeit des gestellten Verschiebungsgesuchs.”
“Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO; Urteile 6B_1359/2023 vom 23. September 2024 E. 1.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; je mit Hinweisen). Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen; ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO e contrario; Urteile 7B_686/2023 vom 23. September 2024 E. 3.4; 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_671/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 5.4).”
“200.006 ff.) wurden seitens der Verfahrensleitung sämtliche Beweisanträge des Beschuldigten abgewiesen. Mit gleicher Verfügung wurde sodann das mündliche Verfahren als Verfahrensart bestimmt, nachdem der Beschuldigte auf Ersuchen der Vorsitzenden, das Verfahren schriftlich durchzuführen (CAR pag. 5.100.001 f.), im Gegensatz zur BA und dem Privatkläger (CAR pag.5.100.003 und 004) sein Einverständnis für ein schriftliches Verfahren im Sinne von Art. 406 Abs. 2 StPO nicht erteilt hatte (CAR pag. 5.100.008). B.9 Die Vorladung zur Berufungsverhandlung an den Beschuldigten vom 26. November 2024 wurde von der Schweizerischen Post mit dem Vermerk «Empfänger konnte unter angegebener Adresse nicht ermittelt werden» zurückgesandt (CAR pag. 4.301.004). Der Beschuldigte wurde mit Schreiben vom 3. Dezember 2024 darauf hingewiesen und aufgefordert, eine gültige Adresse zur Zustellung der Vorladung anzugeben unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht im Berufungsverfahren und die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO (CAR pag. 4.301.007). Eine Abklärung bei der Einwohnerkontrolle am bekannten Wohnsitz des Beschuldigten ergab, dass er nach wie vor dort gemeldet ist (CAR pag. 4.301.010). Mit Eingabe vom 17. Dezember 2024 teilte der Beschuldigte mit, dass er noch immer an derselben Adresse wohnhaft sei, sich der Postbote jedoch geweigert habe, einen Abholschein auszustellen (CAR pag. 4.403.014). Bei einem zweiten Zustellungsversuch wurde ein Abholschein ausgestellt, die Sendung wurde vom Beschuldigten jedoch innerhalb der siebentägigen Abholfrist nicht abgeholt (CAR pag. 4.301.016). Gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO gilt die Vorladung somit als zugestellt. B.10 Die Berufungsverhandlung fand am 20. Januar 2025 am Sitz des Bundesstrafgerichts in Bellinzona in Anwesenheit des Beschuldigten statt (CAR pag. 5.300.001 ff.). Es wurde eine Einvernahme mit den Beschuldigten durchgeführt (CAR pag. 5.400.001 ff.). Im Rahmen seines Parteivortrages bestätigte er die bereits mit Berufungserklärung vom 1. Juli 2024 gestellten Anträge (vgl.”
“Indes übersieht die Vorinstanz mit ihrer Argumentation zweierlei: Einerseits schliesst die gesetzliche Konzeption der amtlichen Publikation gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO als Zustellungssurrogat aus, deren Rechtswirkung (Zustellungsfiktion) entfallen zu lassen, mithin diese als bloss (weitere) zumutbare Massnahme für die Nachforschung des Aufenthaltsortes zur Anwendung zu bringen (Art. 2 Abs. 2 StPO). Dies hat die Vorinstanz aber getan, wenn sie die Vorladung im Nachgang an die bereits vorgenommenen zumutbaren Massnahmen amtlich publiziert, der Veröffentlichung aber die Zustellungswirkung abspricht (vgl. oben E. 2.1.3). Zudem lässt die Vorinstanz unbeachtet, dass sie als Folge der von ihr veranlassten, aber erfolglos gebliebenen Massnahmen (angefochtener Beschluss S. 3) nicht in der Lage war, den Beschwerdeführer vorzuladen und folglich bereits zu diesem Zeitpunkt die Rückzugsfiktion der Spezialbestimmung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO griff, womit das Berufungsverfahren unmittelbar und nicht erst am 22. Juni 2023 beendet worden ist (vgl. BGE 141 IV 269 E. 2.2.3; Urteil 6B_963/2021 vom 26. September 2022 E. 3.2). Mit der Beendigung des Berufungsverfahrens einher ging, dass der Beschwerdeführer nicht mehr rechtsgültig vorgeladen werden konnte. Da das Berufungsverfahren wie erwähnt mit dem tatsächlichen Rückzug unmittelbar beendet wird, kommt dem Abschreibungsbeschluss bloss deklaratorische Wirkung zu (vgl. wiederum BGE 141 IV 269 E. 2.2.3; Urteil 6B_963/2021 vom 26. September 2022 E. 3.2). Der Beschwerdeführer stellt zudem nicht in Frage, dass die Vorinstanz (vor der amtlichen Publikation) alle zumutbaren Massnahmen zwecks Ermittlung seines Aufenthaltsortes vorgenommen hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Entgegen seinen Ausführungen ist damit im Ergebnis und vorbehältlich der nachfolgenden Ausführungen nicht zu beanstanden, wenn sie das Verfahren in Anwendung von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO als durch Rückzug erledigt von der Kontrolle abschreibt, respektive sie Art.”
“Gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO gilt die Berufung oder Anschlussberufung als zurückgezogen, wenn die Partei, die sie erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann. Vorladungen ergehen grundsätzlich schriftlich (Art. 201 Abs. 1 StPO; vgl. auch Art. 85 Abs. 1 StPO). Die Zustellung erfolgt durch eingeschriebene Postsendung oder auf andere Weise gegen Empfangsbestätigung, insbesondere durch die Polizei (Art. 85 Abs. 2 StPO) oder elektronisch gemäss Art. 86 StPO. Die Vorschriften über die Eröffnung und Zustellung (Art. 84 ff. StPO) gelten auch im Rechtsmittelverfahren. Indes stellt Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO eine Spezialbestimmung für das Rechtsmittelverfahren dar, die Art. 88 Abs. 1 StPO verdrängt, weshalb im Berufungsverfahren keine Publikation der Vorladung erforderlich ist (BGE 148 IV 362 E. 1.6.2).”
“Mit dem publizierten Entscheid BGE 148 IV 362 hat sich das Bundesgericht erstmals vertieft mit Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO auseinandergesetzt. Dabei wurde u.a. das Verhältnis dieser Bestimmung zu Art. 88 Abs. 1 StPO analysiert und erwogen, dass Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO eine Spezialbestimmung für das Rechtsmittelverfahren darstellt, die Art. 88 Abs. 1 StPO verdrängt. Andernfalls bliebe Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO stets toter Buchstabe, da eine Vorladung grundsätzlich immer durch eine öffentliche Bekanntmachung gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO publiziert werden kann. Das Bundesgericht folgerte, dass demnach im Berufungsverfahren keine Publikation der Vorladung erforderlich ist und nach dem klaren Wortlaut von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO sofort die Rückzugsfiktion eintritt, wenn die Partei, welche Berufung erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann (BGE 148 IV 362 E. 1.6.2).”
“3) nicht in der Lage war, den Beschwerdeführer vorzuladen und folglich bereits zu diesem Zeitpunkt die Rückzugsfiktion der Spezialbestimmung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO griff, womit das Berufungsverfahren unmittelbar und nicht erst am 22. Juni 2023 beendet worden ist (vgl. BGE 141 IV 269 E. 2.2.3; Urteil 6B_963/2021 vom 26. September 2022 E. 3.2). Mit der Beendigung des Berufungsverfahrens einher ging, dass der Beschwerdeführer nicht mehr rechtsgültig vorgeladen werden konnte. Da das Berufungsverfahren wie erwähnt mit dem tatsächlichen Rückzug unmittelbar beendet wird, kommt dem Abschreibungsbeschluss bloss deklaratorische Wirkung zu (vgl. wiederum BGE 141 IV 269 E. 2.2.3; Urteil 6B_963/2021 vom 26. September 2022 E. 3.2). Der Beschwerdeführer stellt zudem nicht in Frage, dass die Vorinstanz (vor der amtlichen Publikation) alle zumutbaren Massnahmen zwecks Ermittlung seines Aufenthaltsortes vorgenommen hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Entgegen seinen Ausführungen ist damit im Ergebnis und vorbehältlich der nachfolgenden Ausführungen nicht zu beanstanden, wenn sie das Verfahren in Anwendung von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO als durch Rückzug erledigt von der Kontrolle abschreibt, respektive sie Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO - der denklogisch erst ins Spiel kommt, wenn rechtsgültig vorgeladen werden konnte (BGE 148 IV 362 E. 1.7.2) - nicht zur Anwendung bringt.”
“Mit Blick auf eine "freiwillige" Publikation ergibt sich hieraus Folgendes: Die Rückzugsfiktion gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO greift, wenn die Partei, welche die Berufung erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann. Dies ist (bereits) dann der Fall, wenn der Aufenthalt der Adressatin oder des Adressaten unbekannt ist und trotz zumutbarer Nachforschungen nicht ermittelt werden kann. Mit dem durch Fiktion erfolgten Rückzug der Berufung wird das Verfahren vor der Berufungsinstanz unmittelbar beendet (BGE 141 IV 269 E. 2.2.3; Urteil 6B_963/2021 vom 26. September 2022 E. 3.2). Die Zustellung durch Veröffentlichung gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO als Zustellungssurrogat erfolgt indes im Nachgang an erfolglos gebliebene Nachforschungen. Damit kann sie nicht zur Anwendung gelangen, wenn bereits die für das Berufungsverfahren vorgesehene (vorgelagerte) Rückzugsfiktion gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO gegriffen und das Berufungsverfahren beendet hat. Folglich ist ausgeschlossen, dass im Berufungsverfahren einer im Nachgang an alle erfolglos gebliebenen zumutbaren Massnahmen vorgenommenen ("freiwilligen") amtlichen Publikation einer Vorladung die Wirkung einer rechtsgenüglichen Zustellung zukommen kann.”
Art. 407 Abs. 2 StPO greift bei Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft subsidiär bzw. kommt jedenfalls zur Anwendung; in der Lehre und Rechtsprechung wird aber auch vertreten, dass bei gemeinsamer/anschließender Berufung ein Abwesenheitsverfahren ausgelöst werden kann, sofern die Staatsanwaltschaft bzw. der Privatkläger die Berufung in der Schuldfrage erklärt hat.
“StPO durchzuführen, wenn die beschuldigte Person (wohl aber allenfalls die Verteidigung) bei einer (Anschluss-) Berufung der Staatsanwaltschaft oder der Privatklägerschaft im Schuld- oder Strafpunkt zu ihrem Nachteil unentschuldigt nicht erscheint (JOSITSCH/SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2023, N. 1573 S. 730). Nach diesen Autoren soll Art. 407 Abs. 2 StPO, der auf die Art. 366 ff. StPO über das Abwesenheitsverfahren verweist, demnach auch bei einer Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft im Schuld- oder Strafpunkt zum Nachteil der beschuldigten Person zur Anwendung gelangen, soweit die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 StPO nicht greift. Wie es sich damit in Bezug auf die vom Beschwerdeführer 2 angerufene Bestimmung von Art. 366 StPO verhält, kann offenbleiben, da sich daraus in der vorliegenden Konstellation kein Anspruch auf Verschiebung der Berufungsverhandlung ergibt. Art. 366 Abs. 1 StPO gilt angesichts der Ausnahmebestimmung von Art. 366 Abs. 3 StPO nicht absolut. Zu berücksichtigen ist zudem, dass Art. 407 Abs. 2 StPO - wenn überhaupt - lediglich auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, nicht jedoch auf die Berufung des Beschwerdeführers 2 zur Anwendung gelangt, der Beschwerdeführer 2 an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung anwesend war, sich die Gründe für sein Fernbleiben aus dem Verschiebungsgesuch ergaben, die Vorinstanz berechtigte Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers 2 bzw. dessen Anwesenheit in Nigeria hatte und für den Fall, dass sich diese Zweifel bewahrheiten sollten, von einem krass missbräuchlichen Verhalten des Beschwerdeführers 2 auszugehen war. Hinzu kam die ohnehin schon sehr lange Verfahrensdauer, die ebenfalls gegen eine Verschiebung der Berufungsverhandlung sprach. Ein Anspruch des Beschwerdeführers 2 auf Verschiebung der Berufungsverhandlung vom 21. November 2023 ist daher auch gestützt auf Art. 407 Abs. 2 i.V.m. Art. 366 Abs. 1 StPO zu verneinen.”
“Art. 407 Abs. 2 StPO erwähnt - anders als Abs. 1 der gleichen Bestimmung betreffend die Rückzugsfiktion - nur die Berufung, nicht jedoch die Anschlussberufung. Gemäss JOSITSCH/SCHMID ist gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO durchzuführen, wenn die beschuldigte Person (wohl aber allenfalls die Verteidigung) bei einer (Anschluss-) Berufung der Staatsanwaltschaft oder der Privatklägerschaft im Schuld- oder Strafpunkt zu ihrem Nachteil unentschuldigt nicht erscheint (JOSITSCH/SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2023, N. 1573 S. 730). Nach diesen Autoren soll Art. 407 Abs. 2 StPO, der auf die Art. 366 ff. StPO über das Abwesenheitsverfahren verweist, demnach auch bei einer Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft im Schuld- oder Strafpunkt zum Nachteil der beschuldigten Person zur Anwendung gelangen, soweit die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 StPO nicht greift. Wie es sich damit in Bezug auf die vom Beschwerdeführer 2 angerufene Bestimmung von Art. 366 StPO verhält, kann offenbleiben, da sich daraus in der vorliegenden Konstellation kein Anspruch auf Verschiebung der Berufungsverhandlung ergibt. Art. 366 Abs. 1 StPO gilt angesichts der Ausnahmebestimmung von Art. 366 Abs. 3 StPO nicht absolut. Zu berücksichtigen ist zudem, dass Art. 407 Abs. 2 StPO - wenn überhaupt - lediglich auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, nicht jedoch auf die Berufung des Beschwerdeführers 2 zur Anwendung gelangt, der Beschwerdeführer 2 an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung anwesend war, sich die Gründe für sein Fernbleiben aus dem Verschiebungsgesuch ergaben, die Vorinstanz berechtigte Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers 2 bzw.”
“November 2023 stellte die Verteidigung das Gesuch, die Vorladung für die Berufungsverhandlung abzuneh- men und das schriftliche Verfahren anzuordnen. Eventualiter wurde beantragt, den Beschuldigten vom persönlichen Erscheinen an der Berufungsverhandlung zu dis- pensieren (Urk. 94). Mit Präsidialverfügung vom 20. November 2023 wurden beide Anträge abgewiesen (Urk. 95). Zum Verhandlungstermin vom 15. Dezember 2023 erschien der Beschuldigte erneut unentschuldigt nicht. Entsprechend wurde die Be- rufungsverhandlung in seiner Abwesenheit durchgeführt (Prot. II S. 8 ff.) und glei- chentags das vorliegende Abwesenheitsurteil gefällt (Prot. II S. 12 ff.). Der Beschuldigte war bereits am 16. Mai 2022 aus der Haft entlassen worden (Prot. I S. 33). II. Prozessuales 1. Zunächst ist auf das Abwesenheitsverfahren einzugehen: 1.1. Die Säumnisfolgen im Berufungsverfahren unterscheiden sich von denjenigen im erstinstanzlichen Verfahren (Art. 366 ff. StPO). Im Gegensatz zum erstinstanzlichen Verfahren findet im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwe- senheitsverfahren gemäss Art. 366 ff. StPO nur dann statt, wenn die Staatsanwalt- - 6 - schaft oder die Privatklägerschaft Berufung erhoben haben. In diesem Fall muss die Verhandlung ein erstes Mal verschoben werden, und es kann erst am zweiten Termin ein Abwesenheitsurteil gefällt werden, gegen welches unter den Voraussetzungen des Art. 368 StPO ein Gesuch um neue Beurteilung eingereicht werden kann. Hat hin- gegen die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsver- handlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO als zurückgezogen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). 1.2. Sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft haben eigenständig Berufung erhoben. Der Beschuldigte wurde sowohl zum ersten als auch zum zwei- ten Berufungsverhandlungstermin ordnungsgemäss vorgeladen (Vorladungen an den Beschuldigten samt Empfangsscheinen vgl.”
Fehlt eine glaubhaft gemachte Entschuldigung (z.B. behauptete Krankheit ohne Attest) und erscheint keine Vertretung, gilt die Berufung/Antrag in der Regel als zurückgezogen.
“L'intensité de l'interrogatoire dépendra notamment du degré de gravité de l'acte d'accusation et de l'ensemble des preuves déjà administrées (Y. JEANNERET / A. KUHN / C. PERRIER DEPEURSINGE (éds), Commentaire romand : Code de procédure pénale suisse, 2ème éd., Bâle 2019, n. 4 ad art. 405). À leur demande, le prévenu et la partie plaignante qui ont déclaré l'appel ou l'appel joint peuvent être dispensés de comparution lorsque le cas est simple et que, par conséquence, leur présence n'est pas indispensable (art. 405 al. 2, 2e phr. CPP). Le législateur a renoncé à définir la notion de cas simples, laissant ainsi une marge de manœuvre importante à la direction de la procédure. En cas de dispense de comparution, les parties doivent déposer des conclusions motivées (art. 405 al. 2 in fine CPP), c'est-à-dire exposer les motifs à l'appui de leurs conclusions (art. 385 al. 1 CPP). Si le prévenu est dispensé de comparaître personnellement, il doit pouvoir envoyer aux débats un représentant (Y. JEANNERET / A. KUHN / C. PERRIER DEPEURSINGE (éds), op. cit., n. 10 ad art. 405). 2.2. À teneur de l'art. 407 CPP, l'appel ou l'appel joint est réputé retiré si la partie qui l'a déclaré fait défaut aux débats d'appel sans excuse valable et ne se fait pas représenter (al. 1 let. a). L'art. 407 al. 1 let. a CPP, à l'instar de l'art. 356 al. 4 CPP en cas d'opposition à l'ordonnance pénale devant le tribunal de première instance, autorise l'appelant à se faire représenter. Lorsque l'appelant est le prévenu, sa représentation n'est toutefois possible que si la direction de la procédure n'a pas exigé sa présence. 2.3. En l'espèce, l'appelant ne s'est pas présenté aux débats d'appel. Par le biais de son conseil, contacté le jour même, il a indiqué être malade et ne pas pouvoir se présenter. Le report d'audience sollicité par son conseil est refusé ; l'appelant a été régulièrement convoqué, a été avisé par l'autorité de la tenue des débats et mis au bénéfice d'un sauf-conduit ; il était informé des risques qu'il encourrait à ne pas se présenter et n'a produit aucune attestation médicale justifiant son impossibilité de se déplacer.”
Die Publikation der Vorladung im Amtsblatt ist im Anwendungsbereich von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO unzulässig.
“Die Beschwerde erweist sich insoweit als unbegründet. Festzuhalten ist aber dennoch, dass sich eine Publikation der Vorladung im Amtsblatt im Anwendungsbereich von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO verbietet (vgl. auch STEFAN KELLER, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 3b zu Art. 407 StPO). Sind die zumutbaren Nachforschungen erfolglos geblieben und kann die Vorladung folglich nicht zugestellt werden, ist das Berufungsverfahren als zu jenem Zeitpunkt beendet abzuschreiben.”
Die Vorinstanz kann die Berufungsverhandlung ohne die säumige Berufungsklägerin durchführen, insbesondere wenn die Verteidigung anwesend ist; ein förmliches Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO kommt hingegen bei Anschlussberufungen der Staatsanwaltschaft in Betracht.
“Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO; Urteile 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; je mit Hinweisen). Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen. Ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO e contrario; Urteile 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_671/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 5.4; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Hingegen kann die säumige beschuldigte Person mittels eines Wiederherstellungsgesuchs im Sinne von Art. 94 StPO die Wiederherstellung des Termins für die versäumte Berufungsverhandlung verlangen (vgl. Art. 94 Abs. 5 StPO; Urteile 6B_1370/2020 vom 15. Dezember 2020 E. 1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_1112/2017 vom 12. März 2018 E. 2.2). Hierfür hat sie glaubhaft zu machen, dass sie an der Säumnis kein Verschulden trifft (Art.”
“Art. 407 Abs. 2 StPO erwähnt - anders als Abs. 1 der gleichen Bestimmung betreffend die Rückzugsfiktion - nur die Berufung, nicht jedoch die Anschlussberufung. Gemäss JOSITSCH/SCHMID ist gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO durchzuführen, wenn die beschuldigte Person (wohl aber allenfalls die Verteidigung) bei einer (Anschluss-) Berufung der Staatsanwaltschaft oder der Privatklägerschaft im Schuld- oder Strafpunkt zu ihrem Nachteil unentschuldigt nicht erscheint (JOSITSCH/SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2023, N. 1573 S. 730). Nach diesen Autoren soll Art. 407 Abs. 2 StPO, der auf die Art. 366 ff. StPO über das Abwesenheitsverfahren verweist, demnach auch bei einer Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft im Schuld- oder Strafpunkt zum Nachteil der beschuldigten Person zur Anwendung gelangen, soweit die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 StPO nicht greift. Wie es sich damit in Bezug auf die vom Beschwerdeführer 2 angerufene Bestimmung von Art. 366 StPO verhält, kann offenbleiben, da sich daraus in der vorliegenden Konstellation kein Anspruch auf Verschiebung der Berufungsverhandlung ergibt. Art. 366 Abs. 1 StPO gilt angesichts der Ausnahmebestimmung von Art. 366 Abs. 3 StPO nicht absolut. Zu berücksichtigen ist zudem, dass Art. 407 Abs. 2 StPO - wenn überhaupt - lediglich auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, nicht jedoch auf die Berufung des Beschwerdeführers 2 zur Anwendung gelangt, der Beschwerdeführer 2 an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung anwesend war, sich die Gründe für sein Fernbleiben aus dem Verschiebungsgesuch ergaben, die Vorinstanz berechtigte Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers 2 bzw. dessen Anwesenheit in Nigeria hatte und für den Fall, dass sich diese Zweifel bewahrheiten sollten, von einem krass missbräuchlichen Verhalten des Beschwerdeführers 2 auszugehen war. Hinzu kam die ohnehin schon sehr lange Verfahrensdauer, die ebenfalls gegen eine Verschiebung der Berufungsverhandlung sprach.”
Die Anwesenheit einer amtlichen Pflichtverteidigerin bzw. amtlichen Verteidigerin verhindert in der Praxis regelmäßig, dass die Berufung des Beschuldigten als zurückgezogen gilt; das Rechtsbegehren des Verteidigers darf nicht allein wegen Abwesenheit des Angeklagten als zurückgezogen gewertet werden.
“Die Berufung des Beschwerdeführers 2 galt angesichts der Anwesenheit der amtlichen (Pflicht-) Verteidigerin nicht als zurückgezogen (vgl. Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO e contrario; Urteil 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2 und 2.3), weshalb auch die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zu behandeln war (vgl. Art. 401 Abs. 3 StPO e contrario). Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO betrifft den Fall, dass allein die beschuldigte Person Berufung erhoben hat (vgl. Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.3). Hat die Staatsanwaltschaft oder die Privatklägerschaft die Berufung im Schuld- oder Strafpunkt erklärt und bleibt die beschuldigte Person der Verhandlung unentschuldigt fern, so findet gemäss Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwesenheitsverfahren statt. Das Gericht hat daher nach Art. 366 ff. StPO vorzugehen, d.h. es hat in der Regel eine neue Verhandlung anzusetzen (vgl. Art. 366 Abs. 1 StPO; Urteile 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_141/2013 vom 18. April 2013 E. 2). Hat sich die beschuldigte Person selber in den Zustand der Verhandlungsunfähigkeit versetzt oder weigerte sie sich, aus der Haft zur Hauptverhandlung vorgeführt zu werden, so kann das Gericht sofort ein Abwesenheitsverfahren durchführen (Art.”
“Die Berufung des Beschwerdeführers 2 galt angesichts der Anwesenheit der amtlichen (Pflicht-) Verteidigerin nicht als zurückgezogen (vgl. Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO e contrario; Urteil 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2 und 2.3), weshalb auch die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zu behandeln war (vgl. Art. 401 Abs. 3 StPO e contrario). Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO betrifft den Fall, dass allein die beschuldigte Person Berufung erhoben hat (vgl. Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.3). Hat die Staatsanwaltschaft oder die Privatklägerschaft die Berufung im Schuld- oder Strafpunkt erklärt und bleibt die beschuldigte Person der Verhandlung unentschuldigt fern, so findet gemäss Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwesenheitsverfahren statt. Das Gericht hat daher nach Art. 366 ff. StPO vorzugehen, d.h. es hat in der Regel eine neue Verhandlung anzusetzen (vgl. Art. 366 Abs. 1 StPO; Urteile 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_141/2013 vom 18. April 2013 E. 2). Hat sich die beschuldigte Person selber in den Zustand der Verhandlungsunfähigkeit versetzt oder weigerte sie sich, aus der Haft zur Hauptverhandlung vorgeführt zu werden, so kann das Gericht sofort ein Abwesenheitsverfahren durchführen (Art. 366 Abs. 3 StPO). Darüber, wann die Ausnahmebestimmung von Art. 366 Abs. 3 StPO zur Anwendung gelangen soll, gehen die Meinungen auseinander (vgl. dazu PAREIN/PAREIN-REYMOND/THALMANN, in: C ommentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2.”
“En effet, en renonçant à être présent personnellement à l'audience d'appel, l'appelant s'accommode certes d'un affaiblissement de sa situation procédurale et des possibilités de défense mais ne renonce pas complètement à l'appel ou à toute défense (cf. ATF 133 I 12 consid. 8.2). La cour cantonale a considéré que la présence du recourant revêtait une importance centrale pour vérifier l'exactitude de ses allégations et confronter celles-ci aux explications de la victime. Cela ne saurait pour autant justifier le retrait de l'appel. Il est en effet important pour l'équité du système pénal que l'accusé soit adéquatement défendu tant en première instance qu'en appel. La suppression du droit d'être représenté par un défenseur en son absence constitue une mesure disproportionnée sous l'angle de la garantie d'un procès équitable, et ce d'autant plus que l'on se trouve en l'espèce dans un cas légal de défense obligatoire et que le recourant a été condamné en première instance à une peine privative de liberté de sept ans et demi. En conséquence, en refusant au défenseur du recourant le droit de défendre son client et en considérant l'appel comme retiré, la cour cantonale a donc violé l'art. 407 al. 1 CPP.”
Fehlen dem Verteidiger notwendige Informationen (Aufenthaltsort, Zustelladresse), kann er ohne Mitwirkung des Beschuldigten keine prozessualen Schritte effektiv ergreifen.
“Mai 2023 mit seinem amtlichen Verteidiger (telefonisch) Kontakt aufgenommen hatte (vgl. oben E. 2.2.2); sich aus der Kostennote des amtlichen Verteidigers ergibt, dass dieser (gleichentags) im Austausch mit einem anderen Rechtsanwalt "gem. Klient" stand, um schliesslich per 31. Mai 2023 um Entlassung als amtlicher Verteidiger zu ersuchen. Letzteres mit dem Hinweis, dass "dem Vernehmen nach Herr Rechtsanwalt B.________ [...] bereit sei, das amtliche Mandat zu übernehmen" (VI act. 213 und 240). Damit bleibt unklar, ob und inwieweit der Beschwerdeführer mit seinem amtlichen Verteidiger überhaupt (noch) kommunizierte. Damit einhergehend wird von ihm denn auch nicht behauptet oder dargetan (Art. 42 Abs. 2 BGG), dass er seinem Vertreter diejenigen Informationen hatte zukommen lassen, welche es diesem überhaupt erst erlaubt hätten, allenfalls angezeigte prozessuale Massnahmen zu ergreifen, namentlich (selbstständig) adäquate Gesuche einzureichen und/oder seine Adresse als Zustelladresse anzugeben (vgl. zu letzterem auch STEFAN KELLER, a.a.O., N. 3b zu Art. 407 StPO). Dies zeigt sich exemplarisch, wenn der Beschwerdeführer abstrakt moniert, der amtliche Verteidiger hätte ein Gesuch um freies Geleit stellen können, ohne indes ansatzweise darzutun, dass er diesen über seinen (allfälligen) Aufenthalt im Ausland bzw. überhaupt darüber informiert hatte, wo er sich dannzumal aufhielt, respektive er hierzu angesichts der aufgezeigten Umstände überhaupt bereit gewesen war (vgl. Beschwerde S. 7 [" (sofern sich der Beschwerdeführer im Ausland befand) "]. Hierfür genügt angesichts der aufgezeigten Umstände der wiederum bloss abstrakte Hinweis darauf, dass er mit seinem amtlichen Verteidiger "in Kontakt gestanden" sei, offensichtlich nicht. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet.”
Fehlt die notwendige amtliche Verteidigung, ist die Verhandlung zu verschieben.
“a StPO im Falle der Abwesenheit der notwendigen Verteidigung nicht zur Anwendung gelangt (Urteil 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; siehe hierzu auch Urteile 6B_1359/2023 vom 23. September 2024 E. 1.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Denn die notwendige Verteidigung ist bis zum Abschluss des Rechtsmittelverfahrens zu gewähren (BGE 129 I 281 E. 4.3; Urteile 6B_1111/2017 vom 7. August 2018 E. 2; 6B_354/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 1.4). Bleibt sie - wie vorliegend - aus, so wird die Verhandlung verschoben (Art. 336 Abs. 5 StPO i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO; Urteil 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1). Diese Folge tritt unabhängig davon ein, ob die notwendige Verteidigung entschuldigt oder unentschuldigt der Verhandlung fernbleibt (wobei Letzteres disziplinarisch geahndet werden kann). Sie gilt ebenso für den Fall, dass sowohl die beschuldigte Person als auch ihre notwendige Verteidigung nicht zur Verhandlung erscheinen (SVEN ZIMMERLIN, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 4 zu Art. 407 StPO). Damit steht fest, dass die Beschwerde nicht von vornherein aussichtslos erschien. Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist, soweit dieses nicht gegenstandslos geworden ist (vgl. E. 4), deshalb zu entsprechen.”
“Denn die notwendige Verteidigung ist bis zum Abschluss des Rechtsmittelverfahrens zu gewähren (BGE 129 I 281 E. 4.3). Bleibt die (amtliche) notwendige Verteidigung aus, wird die Verhandlung verschoben (Art. 336 Abs. 5 StPO i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO; Urteil 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; siehe auch Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1317). Diese Rechtsfolge gilt unabhängig davon, ob das Nichterscheinen der amtlichen Verteidigung entschuldigt oder unentschuldigt erfolgt ist, wobei ein unentschuldigtes Fernbleiben durch das Berufungsgericht mit entsprechenden Massnahmen geahndet werden kann (siehe BGE 113 Ia 218 E. 3c, RAFFAEL RAMEL, in: Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, N. 23 f. zu Art. 336 StPO; PIERRE-HENRI WINZAP, in: Commentaire romand Code de procédure pénale suisse, 2. Aufl. 2019, N. 6 zu Art. 336 StPO). Dies gilt auch für den Fall, dass sowohl die beschuldigte Person wie auch ihre notwendige amtliche Verteidigung von der Berufungsverhandlung fernbleiben (ZIMMERLIN SVEN, in: Schulthess Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, N. 4 zu Art. 407 StPO).”
Fehlt bei der Verhandlung die notwendige Verteidigung (z.B. keine wirksame anwaltliche Vertretung in der Abwesenheit des Beschuldigten), so greift die Rückzugsfiktion nicht und die Verhandlung ist zu verschieben; die Verwehrung anwaltlicher Vertretung verletzt Art. 407 Abs. 1 StPO.
“Rechtsanwalt Paul Hofer wurde dem Beschwerdeführer im Strafverfahren vor den kantonalen Behörden als notwendiger Verteidiger beigeordnet. Die Vorinstanz übersieht, dass die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO im Falle der Abwesenheit der notwendigen Verteidigung nicht zur Anwendung gelangt (Urteil 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; siehe hierzu auch Urteile 6B_1359/2023 vom 23. September 2024 E. 1.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Denn die notwendige Verteidigung ist bis zum Abschluss des Rechtsmittelverfahrens zu gewähren (BGE 129 I 281 E. 4.3; Urteile 6B_1111/2017 vom 7. August 2018 E. 2; 6B_354/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 1.4). Bleibt sie - wie vorliegend - aus, so wird die Verhandlung verschoben (Art. 336 Abs. 5 StPO i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO; Urteil 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1). Diese Folge tritt unabhängig davon ein, ob die notwendige Verteidigung entschuldigt oder unentschuldigt der Verhandlung fernbleibt (wobei Letzteres disziplinarisch geahndet werden kann). Sie gilt ebenso für den Fall, dass sowohl die beschuldigte Person als auch ihre notwendige Verteidigung nicht zur Verhandlung erscheinen (SVEN ZIMMERLIN, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.”
“En effet, en renonçant à être présent personnellement à l'audience d'appel, l'appelant s'accommode certes d'un affaiblissement de sa situation procédurale et des possibilités de défense mais ne renonce pas complètement à l'appel ou à toute défense (cf. ATF 133 I 12 consid. 8.2). La cour cantonale a considéré que la présence du recourant revêtait une importance centrale pour vérifier l'exactitude de ses allégations et confronter celles-ci aux explications de la victime. Cela ne saurait pour autant justifier le retrait de l'appel. Il est en effet important pour l'équité du système pénal que l'accusé soit adéquatement défendu tant en première instance qu'en appel. La suppression du droit d'être représenté par un défenseur en son absence constitue une mesure disproportionnée sous l'angle de la garantie d'un procès équitable, et ce d'autant plus que l'on se trouve en l'espèce dans un cas légal de défense obligatoire et que le recourant a été condamné en première instance à une peine privative de liberté de sept ans et demi. En conséquence, en refusant au défenseur du recourant le droit de défendre son client et en considérant l'appel comme retiré, la cour cantonale a donc violé l'art. 407 al. 1 CPP.”
Bei Rückzugsfiktion nach Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO wird in der Regel keine zusätzliche Ordnungsbusse verhängt.
“Sowohl Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO als auch Art. 205 Abs. 4 StPO regeln die Folgen der in Art. 93 StPO allgemein umschriebenen Säumnis. Sämtliche Rechtsfolgen des unentschuldigten verspäteten Erscheinens oder Fernbleibens setzen voraus, dass in der Vorladung ausdrücklich auf sie hingewiesen wurde (vgl. Art. 201 Abs. 2 lit. f StPO; Urteil 6B_37/2012 vom 1. November 2012 E. 2; WEDER, a.a.O., N. 14 zu Art. 205 StPO). Die Strafprozessordnung bestimmt das Verhältnis von Art. 407 Abs. 1 lit. a und Art. 205 Abs. 4 StPO nicht (vgl. JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., N. 2 zu Art. 64 StPO). In der Lehre wird die Ansicht vertreten, dass eine Kumulation der beiden BGE 150 IV 225 S. 231 Bestimmungen insoweit ausgeschlossen ist, als im Falle der gesetzlichen Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 StPO keine Ordnungsbusse gemäss Art. 205 Abs. 4 (i.V.m. Art. 64) StPO möglich ist (MOREILLON/PAREIN-REYMOND, a.a.O., N. 3 f. zu Art. 407 StPO; JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., N. 2 zu Art. 64 StPO und N. 2 zu Art. 407 StPO; FRISCHKNECHT/ REUT, a.a.O., N. 3 zu Art. 64 StPO; PAREIN/BICHOVSKY, a.a.O., N. 1 und Fn. 2 zu Art. 64 StPO). Dem ist bezogen auf die vorliegend zu beurteilende Konstellation grundsätzlich zu folgen. Die unentschuldigte Missachtung einer Vorladung bzw. das ordnungswidrige Verhalten führt im Falle von Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO zu einem Rechtsverlust der unentschuldigt säumigen Partei, die (Anschluss-) Berufung erklärt hat. Damit wird das Verfahren in der Regel weder verlängert noch erschwert, sondern ganz oder teilweise erledigt. Folglich rechtfertigt es sich nicht, zusätzlich (zum Rechtsverlust i.S.v. Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO) eine Ordnungsbusse nach Art. 205 Abs. 4 (i.V.m. Art. 64) StPO auszusprechen.”
Beschuldigte können zur persönlichen Anwesenheit verpflichtet werden; Fernbleiben trotz ordnungsgemässer Ladung zieht Kostenfolgen nach sich und die Pflicht zum persönlichen Erscheinen gilt auch beim Vorbehalt, von Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen.
“Beabsichtigt das Berufungsgericht wie hier, als Beweismassnahme eine Befragung der beschuldigten Person durchzuführen, kann diese der Berufungsverhandlung nicht unter Verweis auf Art. 407 StPO fernbleiben. Vielmehr wäre der ordentlich vorgeladene Beschwerdeführer nach Art. 405 Abs. 1 i.V.m. Art. 336 Abs. 1 lit. b StPO respektive Art. 405 Abs. 2 Satz 1 StPO zum persönlichen Erscheinen verpflichtet gewesen. Die Pflicht zur Teilnahme an der Hauptverhandlung gilt auch dann, wenn die beschuldigte Person von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen will (RAFFAEL RAMEL, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 5 zu Art. 336 StPO). Da der Beschwerdeführer dieser Verpflichtung nicht nachkam, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die erste Berufungsverhandlung abbrach und ihm gestützt auf Art. 417 StPO die darauf entfallenden Kosten auferlegte. Die Bestimmung greift ungeachtet des Verfahrensausgangs, weshalb der vorliegende Freispruch an der Kostenpflicht nichts zu ändern vermag.”
Wenn die Verteidigung anwesend ist, findet bei Fernbleiben der beschuldigten Berufungsklägerin/ des beschuldigten Berufungsklägers kein Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO statt; die Berufungsverhandlung kann ohne die säumige Person durchgeführt werden.
“Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO; Urteile 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; je mit Hinweisen). Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen. Ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO e contrario; Urteile 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_671/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 5.4; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Hingegen kann die säumige beschuldigte Person mittels eines Wiederherstellungsgesuchs im Sinne von Art. 94 StPO die Wiederherstellung des Termins für die versäumte Berufungsverhandlung verlangen (vgl. Art. 94 Abs. 5 StPO; Urteile 6B_1370/2020 vom 15. Dezember 2020 E. 1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_1112/2017 vom 12. März 2018 E. 2.2). Hierfür hat sie glaubhaft zu machen, dass sie an der Säumnis kein Verschulden trifft (Art. 94 Abs. 1 StPO). Nach der bundesgerichtlichen Praxis ist die Abwesenheit nicht nur im Falle höherer Gewalt, d.h. bei objektiver Unmöglichkeit zu erscheinen, gültig entschuldigt, sondern auch im Falle subjektiver Unmöglichkeit aufgrund der persönlichen Umstände oder eines Irrtums (BGE 150 IV 225 E. 4.2.5; 127 I 213 E. 3a; je mit Hinweisen). Das Gesuch ist innert 30 Tagen nach Wegfall des Säumnisgrundes schriftlich und begründet bei der Behörde zu stellen, bei welcher die versäumte Verfahrenshandlung hätte vorgenommen werden sollen (Abs.”
“Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO; Urteile 6B_1359/2023 vom 23. September 2024 E. 1.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; je mit Hinweisen). Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen; ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO e contrario; Urteile 7B_686/2023 vom 23. September 2024 E. 3.4; 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_671/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 5.4).”
“a); omet de déposer un mémoire écrit (let. b); ne peut pas être citée à comparaître (let. c). La fiction du retrait de l'appel selon l'art. 407 al. 1 let. a CPP s'applique au prévenu lorsqu'il fait défaut aux débats sans excuse valable et, cumulativement, ne se fait pas représenter (cf. arrêts 6B_1359/2023 du 23 septembre 2024 consid. 1.1; 6B_1293/2018 du 14 mars 2019 consid. 3.3.2). Si le prévenu, valablement cité à comparaître, est appelant principal et seul son défenseur se présente à l'audience d'appel, celle-ci doit se tenir sans le prévenu (arrêts 6B_1359/2023 précité consid. 1.1; 7B_409/2023 du 19 août 2024 consid. 2.2.1; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; 6B_37/2012 du 1er novembre 2012 consid. 4). Le défenseur doit alors être autorisé à plaider (arrêt 6B_1359/2024 précité consid. 1.1; MARLÈNE KISTLER VIANIN, in Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2e éd. 2019, n° 6 ad art. 407 CPP et les références à la jurisprudence de la CourEDH). Une procédure par défaut selon les art. 366 ss CPP n'a pas lieu (art. 407 al. 2 CPP, e contrario; arrêts 6B_671/2021 du 26 octobre 2022 consid. 5.4; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2).”
“Eine Partei ist säumig, wenn sie eine Verfahrenshandlung nicht fristgerecht vornimmt oder zu einem Termin nicht erscheint (Art. 93 StPO). Art. 407 StPO regelt die Säumnisfolgen für das Berufungsverfahren. Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO). Ergänzend hielt das Bundesgericht im Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2 fest: "Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen, ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO, e contrario)."”
“Wie zu zeigen sein wird, beschränkt sich die Berufung vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz den geltend gemachten Irrtum zu Recht verneinen durfte. Der Berufungskläger wäre unter diesem Aspekt nochmals zu befragen gewesen. Dieser ist jedoch, obwohl er rechtsgültig vorgeladen wurde und ihm mit Verfügung der Verfahrensleiterin vom 2. Juli 2024 das freie Geleit zur Einreise in die Schweiz zwecks Teilnahme an der Berufungsverhandlung gewährt wurde, nicht zur Verhandlung erschienen. Sein Verteidiger macht geltend, dass der Berufungskläger sich nicht überreden liess, an der Berufungsverhandlung teilzunehmen. Der Berufungskläger sei insofern nicht entschuldigt. Gemäss dem Verteidiger stehen ohnehin primär Rechtsfragen im Raum. Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen. Ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet aber nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO, e contrario; vgl. BGer 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Damit durfte das Gericht die Verhandlung unbestrittenermassen ohne den Berufungskläger durchführen.”
“Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO; Urteile 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; je mit Hinweisen). Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen, ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO, e contrario; Urteile 6B_671/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 5.4; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2).”
Bei unentschuldigtem Fernbleiben lastet die Darlegungs- und Beweislast, dass eine Entschuldigung nicht vorliegt, oft auf dem Gericht; die säumige Partei muss glaubhaft entschuldigende Gründe vorbringen, wobei das Gericht nicht verpflichtet ist, Nachforschungen anzustellen.
“Als säumig gilt unter anderem, wem eine Vorladung nicht zugestellt werden kann (Keller, in Basler Kommentar, 3. Aufl. Basel 2023, Art. 407 StPO N 3b). Die säumige Partei ist verpflichtet, die sie entschuldigenden Gründe glaubhaft vorzubringen, ansonsten das Gericht nicht verpflichtet ist, Nachforschungen anzustellen (vgl. Jositsch/Schmid StPO Praxiskommentar, 4. Aufl. 2024, Art. 368 N 6). Die Partei ist aber nicht zum Nachweis des Entschuldigungsgrundes verpflichtet (Keller, a.a.O., Art. 407 StPO N 1).”
Ein Abwesenheitsurteil nach Art. 407 Abs. 2 StPO (bei Berufung durch Staatsanwaltschaft/Privatklägerin) setzt in der Praxis typischerweise voraus, dass zunächst ein Verschiebetermin erfolgt; ein Abwesenheitsurteil wird erst am zweiten Termin ausgesprochen.
“Die Säumnisfolgen im Berufungsverfahren unterscheiden sich von denjenigen im erstinstanzlichen Verfahren (Art. 366 ff. StPO). Im Gegensatz zum erstinstanzlichen Verfahren findet im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwe- senheitsverfahren gemäss Art. 366 ff. StPO nur dann statt, wenn die Staatsanwalt- - 6 - schaft oder die Privatklägerschaft Berufung erhoben haben. In diesem Fall muss die Verhandlung ein erstes Mal verschoben werden, und es kann erst am zweiten Termin ein Abwesenheitsurteil gefällt werden, gegen welches unter den Voraussetzungen des Art. 368 StPO ein Gesuch um neue Beurteilung eingereicht werden kann. Hat hin- gegen die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsver- handlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO als zurückgezogen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2).”
“November 2023 stellte die Verteidigung das Gesuch, die Vorladung für die Berufungsverhandlung abzuneh- men und das schriftliche Verfahren anzuordnen. Eventualiter wurde beantragt, den Beschuldigten vom persönlichen Erscheinen an der Berufungsverhandlung zu dis- pensieren (Urk. 94). Mit Präsidialverfügung vom 20. November 2023 wurden beide Anträge abgewiesen (Urk. 95). Zum Verhandlungstermin vom 15. Dezember 2023 erschien der Beschuldigte erneut unentschuldigt nicht. Entsprechend wurde die Be- rufungsverhandlung in seiner Abwesenheit durchgeführt (Prot. II S. 8 ff.) und glei- chentags das vorliegende Abwesenheitsurteil gefällt (Prot. II S. 12 ff.). Der Beschuldigte war bereits am 16. Mai 2022 aus der Haft entlassen worden (Prot. I S. 33). II. Prozessuales 1. Zunächst ist auf das Abwesenheitsverfahren einzugehen: 1.1. Die Säumnisfolgen im Berufungsverfahren unterscheiden sich von denjenigen im erstinstanzlichen Verfahren (Art. 366 ff. StPO). Im Gegensatz zum erstinstanzlichen Verfahren findet im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwe- senheitsverfahren gemäss Art. 366 ff. StPO nur dann statt, wenn die Staatsanwalt- - 6 - schaft oder die Privatklägerschaft Berufung erhoben haben. In diesem Fall muss die Verhandlung ein erstes Mal verschoben werden, und es kann erst am zweiten Termin ein Abwesenheitsurteil gefällt werden, gegen welches unter den Voraussetzungen des Art. 368 StPO ein Gesuch um neue Beurteilung eingereicht werden kann. Hat hin- gegen die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsver- handlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO als zurückgezogen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). 1.2. Sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft haben eigenständig Berufung erhoben. Der Beschuldigte wurde sowohl zum ersten als auch zum zwei- ten Berufungsverhandlungstermin ordnungsgemäss vorgeladen (Vorladungen an den Beschuldigten samt Empfangsscheinen vgl.”
Die Rückzugsfiktion kann auch eintreten, wenn trotz gesetzter Frist keine schriftliche Berufungsbegründung eingereicht wird oder die Begründung ungenügend ist (Art. 407 Abs. 1 lit. b), selbst wenn dispensiert worden war.
“Wie sich aus dem vorinstanzlichen Beschluss vom 23. Juli 2024 ergibt, wurde dem Beschwerdeführer mit Präsidialverfügung vom 12. Juni 2024 eine Frist von 20 Tagen zur Einreichung der Berufungsbegründung angesetzt. Diese Verfügung wurde dem amtlichen Verteidiger des Beschwerdeführers am 21. Juni 2024 zugestellt, womit die 20-tägige richterliche Frist am 22. Juni 2024 zu laufen begann und am 11. Juli 2024 endete. Da innert der Frist keine schriftliche Eingabe einging und den bislang eingereichten Eingaben des Beschwerdeführers nach vorinstanzlicher Auffassung auch keine eigentliche Berufungsbegründung zu entnehmen war, schrieb die Vorinstanz die Berufung gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO als durch Rückzug erledigt ab. Das Fristwiederherstellungsgesuch wies sie mit Beschluss vom 5. August 2024 ab. Ohne die amtliche Vertretung des Beschwerdeführers als solche im Berufungsverfahren in Frage zu stellen, erwägt die Vorinstanz, es liege kein Fall einer notwendigen Verteidigung gemäss Art. 130 lit. a-e StPO vor, da dem Beschwerdeführer - nachdem bereits die erste Instanz von einem Widerruf der bedingten Freiheitsstrafe abgesehen habe - einzig die Verlängerung der Probezeit um eineinhalb Jahre drohe, und die Staatsanwaltschaft weder Berufung noch Anschlussberufung eingereicht habe. Eine Ausnahmekonstellation, in der rechtsprechungsgemäss ein Versäumnis der amtlichen Vertretung der Mandantschaft nicht zugerechnet werden könne, liege nicht vor. Die übrigen Argumente wie z.B. die geltend gemachten Sehstörungen des amtlichen Verteidigers vermöchten nicht zu belegen, dass diesen am Verpassen der fraglichen Frist kein Verschulden treffe.”
“Die Berufung oder Anschlussberufung gilt gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO als zurückgezogen (Rückzugsfiktion), wenn die Partei, die sie erklärt hat, keine schriftliche Eingabe einreicht. Das Fehlen einer schriftlichen Eingabe bezieht sich auf Fälle, in denen eine Partei im Rahmen des schriftlichen Berufungsverfahrens nicht die erforderliche schriftliche Begründung eingereicht hat, nachdem ihr dazu Frist gesetzt wurde (Art. 406 Abs. 3 StPO) oder sie im mündlichen Verfahren auf Gesuch hin von einer Verfahrensteilnahme dispensiert und ihr gestattet wurde, die Anträge schriftlich einzureichen und zu begründen, ohne dies in der Folge jedoch zu tun (Art. 405 Abs. 2 StPO).”
“Der Beschwerdeführer macht vor Bundesgericht nicht geltend, der Vorinstanz sei - entgegen ihrer Darstellung gemäss Beschluss vom 23. Juli 2024 - eine Berufungsbegründung innert der richterlich angesetzten Frist zugegangen bzw. eine solche ergebe sich aus seinen bisherigen Eingaben. Er bringt auch nicht vor, sie habe die Voraussetzungen für die in Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO verankerte Rückzugsfiktion verkannt oder diese vorliegend unrichtig zur Anwendung gebracht. Insofern fehlt eine sachbezogene Kritik. Der Beschwerdeführer kritisiert vielmehr die Abweisung des Fristwiederherstellungsgesuchs gemäss Beschluss vom 5. August”
Erscheint nur der Verteidiger, darf das Berufungsgericht grundsätzlich ohne den abwesenden Beschuldigten verhandeln; der Verteidiger muss ausdrücklich zur Plädoyererteilung ermächtigt sein bzw. im Vorladungsmandat muss klargestellt sein, ob persönliche Anwesenheit zwingend ist.
“1 CPP, l'appel est réputé retiré si la partie qui l'a déclaré fait défaut aux débats d'appel sans excuse valable et ne se fait pas représenter (let. a); omet de déposer un mémoire écrit (let. b); ne peut pas être citée à comparaître (let. c). La fiction du retrait de l'appel selon l'art. 407 al. 1 let. a CPP s'applique au prévenu lorsqu'il fait défaut aux débats sans excuse valable et, cumulativement, ne se fait pas représenter (cf. arrêts 6B_1359/2023 du 23 septembre 2024 consid. 1.1; 6B_1293/2018 du 14 mars 2019 consid. 3.3.2). Si le prévenu, valablement cité à comparaître, est appelant principal et seul son défenseur se présente à l'audience d'appel, celle-ci doit se tenir sans le prévenu (arrêts 6B_1359/2023 précité consid. 1.1; 7B_409/2023 du 19 août 2024 consid. 2.2.1; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; 6B_37/2012 du 1er novembre 2012 consid. 4). Le défenseur doit alors être autorisé à plaider (arrêt 6B_1359/2024 précité consid. 1.1; MARLÈNE KISTLER VIANIN, in Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2e éd. 2019, n° 6 ad art. 407 CPP et les références à la jurisprudence de la CourEDH). Une procédure par défaut selon les art. 366 ss CPP n'a pas lieu (art. 407 al. 2 CPP, e contrario; arrêts 6B_671/2021 du 26 octobre 2022 consid. 5.4; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2).”
“1 CPP, l'appel est réputé retiré si la partie qui l'a déclaré fait défaut aux débats d'appel sans excuse valable et ne se fait pas représenter (let. a); omet de déposer un mémoire écrit (let. b); ne peut pas être citée à comparaître (let. c). La fiction du retrait de l'appel selon l'art. 407 al. 1 let. a CPP s'applique au prévenu lorsqu'il fait défaut aux débats sans excuse valable et, cumulativement, ne se fait pas représenter (cf. arrêt 6B_1293/2018 du 14 mars 2019 consid. 3.3.2, faisant état d'une réserve quant à la fiction du retrait en cas de défense d'office ou obligatoire; cf. Message relatif à l'unification du droit de la procédure pénale [Message CPP], FF 2006 1057 ss, ch. 2.9.3.2, p. 1301). Si le prévenu, valablement cité à comparaître, est appelant principal et seul son défenseur se présente à l'audience d'appel, celle-ci doit se tenir sans le prévenu (arrêts 7B_409/2023 du 19 août 2024 consid. 2.2.1; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; cf. arrêt 6B_37/2012 du 1er novembre 2012 consid. 4; KELLER STEFAN, in Basler Kommentar, Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 3e éd. 2023, no 3 ad art. 407 CPP; cf. sur l'application de la fiction du retrait en cas d'absence de l'appelant et de son défenseur "Totalversäumnis": ATF 133 I 12 consid. 6 et 8.1; arrêts 7B_409/2023 précité consid. 2.2.2; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; 6B_876/2013 du 6 mars 2014 consid. 2.3). Le défenseur doit alors être autorisé à plaider (MARLÈNE KISTLER VIANIN, in Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2e éd. 2019, no 6 ad art. 407 CPP et les références à la jurisprudence de la CourEDH).”
“2, faisant état d'une réserve quant à la fiction du retrait en cas de défense d'office ou obligatoire; cf. Message relatif à l'unification du droit de la procédure pénale [Message CPP], FF 2006 1057 ss, ch. 2.9.3.2, p. 1301). Si le prévenu, valablement cité à comparaître, est appelant principal et seul son défenseur se présente à l'audience d'appel, celle-ci doit se tenir sans le prévenu (arrêts 7B_409/2023 du 19 août 2024 consid. 2.2.1; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; cf. arrêt 6B_37/2012 du 1er novembre 2012 consid. 4; KELLER STEFAN, in Basler Kommentar, Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 3e éd. 2023, no 3 ad art. 407 CPP; cf. sur l'application de la fiction du retrait en cas d'absence de l'appelant et de son défenseur "Totalversäumnis": ATF 133 I 12 consid. 6 et 8.1; arrêts 7B_409/2023 précité consid. 2.2.2; 6B_1293/2018 précité consid. 3.3.2; 6B_876/2013 du 6 mars 2014 consid. 2.3). Le défenseur doit alors être autorisé à plaider (MARLÈNE KISTLER VIANIN, in Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2e éd. 2019, no 6 ad art. 407 CPP et les références à la jurisprudence de la CourEDH).”
Die Rückzugsfiktion kann bei unterlassener Teilnahme auch punktuell gelten (für den gesamten oder für einzelne Berufungspunkte); freiwillige Erklärungen im Eröffnungsplädoyer können als endgültiger Rückzug gewertet werden.
“2 CPP), sans être liée par les motifs invoqués par les parties ni par leurs conclusions, à moins qu'elle ne statue sur une action civile (art. 391 al. 1 CPP). 2. 2.1. Sous réserve de l'hypothèse visée à l'art. 404 al. 2 CPP, non pertinente ici, l'étendue de la saisine de la juridiction d'appel est en premier lieu définie par le choix des parties d'attaquer tel ou tel point du jugement de première instance. Dès lors, selon l'art. 399 al. 3 et 4 CPP, la partie qui déclare appel ou appel joint (cf. art. 401 al. 1 CPP) doit indiquer dans la déclaration d'appel si le jugement est entrepris dans son ensemble ou sur certains points uniquement et quelles sont les modifications demandées. Ultérieurement, au long du déroulement de la procédure d'appel, cette même partie est requise de donner des manifestations de sa volonté de persister dans ses conclusions, dans la mesure où le défaut, sans excuse valable, aux débats d'appel, l'omission de déposer un mémoire écrit ou le fait de se placer dans l'impossibilité d'être citée, sont assimilés à un retrait de l'appel (art. 407 al. 1 CPP ; ATF 148 IV 362 consid. 1.9.2 ; voir également ATF 149 IV 259 consid. 2.4.2 ; AARP/278/2024 du 6 août 2024 ; AARP/334/2022 du 7 novembre 2022 ; AARP/424/2021 du 13 décembre 2021 ; AARP/206/2018 du 27 avril 2018). 2.2. Dans sa déclaration d'appel, l'appelant a en l'espèce remis en cause l'entièreté du jugement de première instance, dont sa culpabilité du chef de rupture de ban. En audience d'appel, il s'en est toutefois, par la voix de son conseil, rapporté à justice sur ce point. En agissant de la sorte, il n'a pas manifesté que sa volonté était, encore et toujours, d'obtenir la modification du jugement demandée dans la déclaration d'appel. Il faut donc considérer qu'il a retiré son appel sur ce point. 3. 3.1. Le principe in dubio pro reo, qui découle de la présomption d'innocence, garantie par l'art. 6 ch. 2 de la Convention de sauvegarde des droits de l'homme et des libertés fondamentales (CEDH) et, sur le plan interne, par les art. 32 al. 1 de la Constitution fédérale de la Confédération suisse (Cst.”
“Le retrait est définitif, sauf si la partie a été induite à faire sa déclaration par une tromperie, une infraction ou une information inexacte des autorités (art. 386 al. 3 CPP). 1.1.3. Sous réserve de l'hypothèse visée à l'art. 404 al. 2 CPP, non pertinente ici, l'étendue de la saisine de la juridiction d'appel est en premier lieu définie par le choix des parties d'attaquer tel ou tel point du jugement de première instance. Dès lors, selon l'art. 399 al. 3 et 4 CPP, la partie qui déclare appel ou appel joint (cf. art. 401 al. 1 CPP) doit indiquer dans la déclaration d'appel si le jugement est entrepris dans son ensemble ou sur certains points uniquement et quelles sont les modifications demandées. Ultérieurement, au long du déroulement de la procédure d'appel, cette même partie est requise de donner des manifestations de sa volonté de persister dans ses conclusions, dans la mesure où le défaut, sans excuse valable, aux débats d'appel, l'omission de déposer un mémoire écrit ou le fait de se placer dans l'impossibilité d'être citée, sont assimilés à un retrait de l'appel (art. 407 al. 1 CPP ; ATF 148 IV 362 consid. 1.9.2 ; voir également ATF 149 IV 259 consid. 2.4.2 ; AARP/278/2024 du 6 août 2024 ; AARP/334/2022 du 7 novembre 2022 ; AARP/424/2021 du 13 décembre 2021 ; AARP/206/2018 du 27 avril 2018). 1.1.4. En précisant spontanément, par la voix de son avocat, à l'ouverture des débats ne plus contester sa culpabilité du chef de vol pour l'occurrence D______, l'appelant a valablement et définitivement retiré son appel sur ce point. On ne saurait en inférer autre chose (malgré la plaidoirie contradictoire de la défense sur ce point), celui-ci ayant précisé maintenir ses autres conclusions, ce qui confirme son intention de retirer la conclusion en question, et ayant réitéré qu'il admettait le cas lors de son audition. Par ailleurs, en se contentant, à l'issue des débats, de s'en rapporter à justice sur l'occurrence T______, sans d'ailleurs que la défense n'eût évoqué les faits litigieux ou développé le moindre argument juridique, l'appelant n'a pas manifesté que sa volonté était, encore et toujours, d'obtenir la modification du jugement demandée dans la déclaration d'appel.”
Wird die erstinstanzliche Nichtrevokation der Vorladung festgehalten, kann dies als Anlass dienen, den Rückzug nach Art. 407 StPO anzunehmen.
“Nonostante l'invito in questo senso, il ricorrente non ha però dato alcun seguito al citato decreto. Vero è che non è stato fissato alcun termine preciso a tal fine. Veniva tuttavia richiesto un riscontro "quanto prima", ciò che, tenuto conto del dibattimento indetto per il 3 settembre 2024 e dell'assenza di revoca dell'iniziale citazione, poteva significare unicamente entro e non oltre questa data. Invano quindi il ricorrente critica l'autorità cantonale per aver stralciato il suo appello ancor prima che potesse fornire le sue disponibilità in relazione alle date alternative, posto come l'ordinanza impugnata è stata emanata proprio il 3 settembre 2024, ovvero in occasione del dibattimento inizialmente previsto e per il quale la citazione non è stata revocata. 4.4. È quindi a ragione che la Prima Camera penale ha ritenuto che il ricorrente appellante ingiustificatamente non è comparso all'udienza, né si è fatto rappresentare e ha conseguentemente considerato l'appello ritirato. Non sussiste alcuna violazione dell'art. 407 CPP né del principio della buona fede sancito dall'art. 3 cpv. 2 lett. a CPP. Lo stralcio dell'appello non costituisce nemmeno un formalismo eccessivo (su questa nozione v. DTF 145 I 201 consid. 4.2.1 e rinvii). La citazione al dibattimento di appello menzionava le conseguenze della mancata comparizione dell'appellante al dibattimento. Malgrado la richiesta di rinvio, tale citazione non è stata revocata e il ricorrente non poteva partire dal principio che lo fosse, dal momento che non ha dato alcun seguito al decreto con cui è stato invitato a comunicare le proprie disponibilità per eventuali date alternative. Non dando alcun riscontro a tale decreto, egli ha mostrato disinteresse in relazione al seguito del procedimento, disinteresse che l'art. 407 cpv. 1 CPP sanziona con la finzione del ritiro dell'appello. 5. Ne segue che il ricorso dev'essere respinto, perché infondato. Le spese giudiziarie sono poste a carico del ricorrente soccombente (art. 66 cpv. 1 LTF). Non si accordano ripetibili alle autorità vincenti (art.”
Gilt die Vorladung als ordnungsgemäss erfolgt und erscheint die Partei unentschuldigt nicht, kann die Berufung als zurückgezogen gelten bzw. prozessuale Folgen eintreten; die Staatsanwaltschaft muss für ihre erhobene Berufung zwingend an der mündlichen Verhandlung teilnehmen, andernfalls droht Rückzugsfiktion.
“L'intensité de l'interrogatoire dépendra notamment du degré de gravité de l'acte d'accusation et de l'ensemble des preuves déjà administrées (Y. JEANNERET / A. KUHN / C. PERRIER DEPEURSINGE (éds), Commentaire romand : Code de procédure pénale suisse, 2ème éd., Bâle 2019, n. 4 ad art. 405). À leur demande, le prévenu et la partie plaignante qui ont déclaré l'appel ou l'appel joint peuvent être dispensés de comparution lorsque le cas est simple et que, par conséquence, leur présence n'est pas indispensable (art. 405 al. 2, 2e phr. CPP). Le législateur a renoncé à définir la notion de cas simples, laissant ainsi une marge de manœuvre importante à la direction de la procédure. En cas de dispense de comparution, les parties doivent déposer des conclusions motivées (art. 405 al. 2 in fine CPP), c'est-à-dire exposer les motifs à l'appui de leurs conclusions (art. 385 al. 1 CPP). Si le prévenu est dispensé de comparaître personnellement, il doit pouvoir envoyer aux débats un représentant (Y. JEANNERET / A. KUHN / C. PERRIER DEPEURSINGE (éds), op. cit., n. 10 ad art. 405). 2.2. À teneur de l'art. 407 CPP, l'appel ou l'appel joint est réputé retiré si la partie qui l'a déclaré fait défaut aux débats d'appel sans excuse valable et ne se fait pas représenter (al. 1 let. a). L'art. 407 al. 1 let. a CPP, à l'instar de l'art. 356 al. 4 CPP en cas d'opposition à l'ordonnance pénale devant le tribunal de première instance, autorise l'appelant à se faire représenter. Lorsque l'appelant est le prévenu, sa représentation n'est toutefois possible que si la direction de la procédure n'a pas exigé sa présence. 2.3. En l'espèce, l'appelant ne s'est pas présenté aux débats d'appel. Par le biais de son conseil, contacté le jour même, il a indiqué être malade et ne pas pouvoir se présenter. Le report d'audience sollicité par son conseil est refusé ; l'appelant a été régulièrement convoqué, a été avisé par l'autorité de la tenue des débats et mis au bénéfice d'un sauf-conduit ; il était informé des risques qu'il encourrait à ne pas se présenter et n'a produit aucune attestation médicale justifiant son impossibilité de se déplacer.”
“Gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO gilt die Berufung oder Anschlussberufung als zurückgezogen, wenn die Partei, die sie erklärt hat, der mündlichen Berufungsverhandlung unentschuldigt fernbleibt und sich auch nicht vertreten lässt. Diese strafprozessuale Rechtsfolge gilt namentlich auch für die Staatsanwaltschaft, deren Teilnahme an der mündlichen Berufungsverhandlung zwingend ist, wenn sie Berufung oder Anschlussberufung erhoben hat (vgl. Art. 405 Abs. 3 lit. b StPO; hierzu nachfolgende E. 4.2.6; ULRICH WEDER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, Donatsch/ Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 22 zu Art. 205 StPO; MOREILLON/PAREIN-REYMOND, CPP, Code de procédure pénale, 2. Aufl. 2016, N. 5 zu Art. 407 StPO; STEFAN KELLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 3 zu Art. 407 StPO; MARLÈNE KISTLER VIANIN, in: Commentaire BGE 150 IV 225 S. 230 romand, Code de procédure pénale suisse, 2. Aufl. 2019, N. 8 zu Art. 407 StPO). Es liegt keine unentschuldigte Abwesenheit vor, wenn die Partei nicht ordnungsgemäss vorgeladen wurde (Urteile 6B_1112/ 2017 vom 12. März 2018 E. 1.2.1; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.3.1; 6B_652/2013 vom 26. November 2013 E. 1.4.1; je mit Hinweisen; vgl. KISTLER VIANIN, a.a.O., N. 3 zu Art. 407 StPO; KELLER, a.a.O., N. 1 zu Art. 407 StPO; JOSITSCH/SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung [StPO], Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, N. 3 zu Art. 407 StPO) oder es für ihre Abwesenheit einen triftigen Grund gibt (SVEN ZIMMERLIN, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 2 zu Art. 407 StPO).”
Bei unentschuldigtem Fernbleiben wird das Schweigen bzw. das Ausbleiben eines Schriftsatzes oft als Rückzug der Berufung gewertet; ein Wiederherstellungsgesuch nach Art. 94 StPO bleibt möglich.
“2 CPP), sans être liée par les motifs invoqués par les parties ni par leurs conclusions, à moins qu'elle ne statue sur une action civile (art. 391 al. 1 CPP). 2. 2.1. Sous réserve de l'hypothèse visée à l'art. 404 al. 2 CPP, non pertinente ici, l'étendue de la saisine de la juridiction d'appel est en premier lieu définie par le choix des parties d'attaquer tel ou tel point du jugement de première instance. Dès lors, selon l'art. 399 al. 3 et 4 CPP, la partie qui déclare appel ou appel joint (cf. art. 401 al. 1 CPP) doit indiquer dans la déclaration d'appel si le jugement est entrepris dans son ensemble ou sur certains points uniquement et quelles sont les modifications demandées. Ultérieurement, au long du déroulement de la procédure d'appel, cette même partie est requise de donner des manifestations de sa volonté de persister dans ses conclusions, dans la mesure où le défaut, sans excuse valable, aux débats d'appel, l'omission de déposer un mémoire écrit ou le fait de se placer dans l'impossibilité d'être citée, sont assimilés à un retrait de l'appel (art. 407 al. 1 CPP ; ATF 148 IV 362 consid. 1.9.2 ; voir également ATF 149 IV 259 consid. 2.4.2 ; AARP/278/2024 du 6 août 2024 ; AARP/334/2022 du 7 novembre 2022 ; AARP/424/2021 du 13 décembre 2021 ; AARP/206/2018 du 27 avril 2018). 2.2. Dans sa déclaration d'appel, l'appelant a en l'espèce remis en cause l'entièreté du jugement de première instance, dont sa culpabilité du chef de rupture de ban. En audience d'appel, il s'en est toutefois, par la voix de son conseil, rapporté à justice sur ce point. En agissant de la sorte, il n'a pas manifesté que sa volonté était, encore et toujours, d'obtenir la modification du jugement demandée dans la déclaration d'appel. Il faut donc considérer qu'il a retiré son appel sur ce point. 3. 3.1. Le principe in dubio pro reo, qui découle de la présomption d'innocence, garantie par l'art. 6 ch. 2 de la Convention de sauvegarde des droits de l'homme et des libertés fondamentales (CEDH) et, sur le plan interne, par les art. 32 al. 1 de la Constitution fédérale de la Confédération suisse (Cst.”
“Hat die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung als zurückgezogen (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO; Urteile 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_876/2013 vom 6. März 2014 E. 2.4.1; je mit Hinweisen). Ist die beschuldigte Person Berufungsklägerin und erscheint zur Berufungsverhandlung die Verteidigung, nicht aber die beschuldigte Person, ist die Berufungsverhandlung ohne die säumige beschuldigte Person durchzuführen. Ein Abwesenheitsverfahren gemäss den Art. 366 ff. StPO findet nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO e contrario; Urteile 7B_409/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.1; 6B_671/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 5.4; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Hingegen kann die säumige beschuldigte Person mittels eines Wiederherstellungsgesuchs im Sinne von Art. 94 StPO die Wiederherstellung des Termins für die versäumte Berufungsverhandlung verlangen (vgl. Art. 94 Abs. 5 StPO; Urteile 6B_1370/2020 vom 15. Dezember 2020 E. 1; 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2; 6B_1112/2017 vom 12. März 2018 E. 2.2). Hierfür hat sie glaubhaft zu machen, dass sie an der Säumnis kein Verschulden trifft (Art.”
Bei Zweifeln an den Angaben zur Anwesenheit oder bei begründeten Zweifeln an der Ermittlung der erreichbaren Kontaktadresse kann die Vorinstanz eine Verschiebung verweigern (Missbräuchlichkeitsprüfung) und die Rückzugsfiktion in Frage stellen.
“Art. 407 Abs. 2 StPO erwähnt - anders als Abs. 1 der gleichen Bestimmung betreffend die Rückzugsfiktion - nur die Berufung, nicht jedoch die Anschlussberufung. Gemäss JOSITSCH/SCHMID ist gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwesenheitsverfahren nach Art. 366 ff. StPO durchzuführen, wenn die beschuldigte Person (wohl aber allenfalls die Verteidigung) bei einer (Anschluss-) Berufung der Staatsanwaltschaft oder der Privatklägerschaft im Schuld- oder Strafpunkt zu ihrem Nachteil unentschuldigt nicht erscheint (JOSITSCH/SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2023, N. 1573 S. 730). Nach diesen Autoren soll Art. 407 Abs. 2 StPO, der auf die Art. 366 ff. StPO über das Abwesenheitsverfahren verweist, demnach auch bei einer Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft im Schuld- oder Strafpunkt zum Nachteil der beschuldigten Person zur Anwendung gelangen, soweit die Rückzugsfiktion von Art. 407 Abs. 1 StPO nicht greift. Wie es sich damit in Bezug auf die vom Beschwerdeführer 2 angerufene Bestimmung von Art. 366 StPO verhält, kann offenbleiben, da sich daraus in der vorliegenden Konstellation kein Anspruch auf Verschiebung der Berufungsverhandlung ergibt. Art. 366 Abs. 1 StPO gilt angesichts der Ausnahmebestimmung von Art. 366 Abs. 3 StPO nicht absolut. Zu berücksichtigen ist zudem, dass Art. 407 Abs. 2 StPO - wenn überhaupt - lediglich auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, nicht jedoch auf die Berufung des Beschwerdeführers 2 zur Anwendung gelangt, der Beschwerdeführer 2 an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung anwesend war, sich die Gründe für sein Fernbleiben aus dem Verschiebungsgesuch ergaben, die Vorinstanz berechtigte Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers 2 bzw. dessen Anwesenheit in Nigeria hatte und für den Fall, dass sich diese Zweifel bewahrheiten sollten, von einem krass missbräuchlichen Verhalten des Beschwerdeführers 2 auszugehen war. Hinzu kam die ohnehin schon sehr lange Verfahrensdauer, die ebenfalls gegen eine Verschiebung der Berufungsverhandlung sprach.”
“3) und seinen eigenen Angaben hatte er sich seither erstmals und einzig am 22. Mai 2023 mit seinem amtlichen Verteidiger und einem weiteren Rechtsanwalt in Verbindung gesetzt. Damit einhergehend macht er aber nicht geltend, dass er einem der von ihm kontaktierten Rechtsanwälte zuhanden des Gerichts eine Adresse bekannt gegeben hätte, an welche die Vorladung hätte zugestellt werden können. Diese Umstände lassen keinen anderen Schluss zu, als dass er im Nachgang an seine Flucht nicht mehr die Absicht hatte, am Verfahren teilzunehmen und damit darauf verzichtet hat, die Rechtmässigkeit des erstinstanzlichen Urteils von der Berufungsinstanz überprüfen zu lassen. Die Folgen eines solchen Verzichts waren für den Beschwerdeführer, der wie erwähnt anwaltlich vertreten war und mit einem weiteren Rechtsanwalt in Kontakt stand, zweifelsohne voraussehbar. Umso mehr, als seinem amtlichen Verteidiger mit der Verfügung vom 15. Mai 2023 unmissverständlich bekannt gegeben worden war, dass das Gericht den Rückzug der Berufung gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO prüfen würde (vgl. oben E. 2.1.3).”
Bei gemeinsamer Berufung von Beschuldigtem und Staatsanwaltschaft gilt: Das Fehlen des Beschuldigten führt nur dann zum Abwesenheitsverfahren, wenn die Staatsanwaltschaft oder der Privatkläger die Berufung erklärt bzw. in der Schuldfrage Berufung erhoben hat.
“November 2023 stellte die Verteidigung das Gesuch, die Vorladung für die Berufungsverhandlung abzuneh- men und das schriftliche Verfahren anzuordnen. Eventualiter wurde beantragt, den Beschuldigten vom persönlichen Erscheinen an der Berufungsverhandlung zu dis- pensieren (Urk. 94). Mit Präsidialverfügung vom 20. November 2023 wurden beide Anträge abgewiesen (Urk. 95). Zum Verhandlungstermin vom 15. Dezember 2023 erschien der Beschuldigte erneut unentschuldigt nicht. Entsprechend wurde die Be- rufungsverhandlung in seiner Abwesenheit durchgeführt (Prot. II S. 8 ff.) und glei- chentags das vorliegende Abwesenheitsurteil gefällt (Prot. II S. 12 ff.). Der Beschuldigte war bereits am 16. Mai 2022 aus der Haft entlassen worden (Prot. I S. 33). II. Prozessuales 1. Zunächst ist auf das Abwesenheitsverfahren einzugehen: 1.1. Die Säumnisfolgen im Berufungsverfahren unterscheiden sich von denjenigen im erstinstanzlichen Verfahren (Art. 366 ff. StPO). Im Gegensatz zum erstinstanzlichen Verfahren findet im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwe- senheitsverfahren gemäss Art. 366 ff. StPO nur dann statt, wenn die Staatsanwalt- - 6 - schaft oder die Privatklägerschaft Berufung erhoben haben. In diesem Fall muss die Verhandlung ein erstes Mal verschoben werden, und es kann erst am zweiten Termin ein Abwesenheitsurteil gefällt werden, gegen welches unter den Voraussetzungen des Art. 368 StPO ein Gesuch um neue Beurteilung eingereicht werden kann. Hat hin- gegen die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsver- handlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO als zurückgezogen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). 1.2. Sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft haben eigenständig Berufung erhoben. Der Beschuldigte wurde sowohl zum ersten als auch zum zwei- ten Berufungsverhandlungstermin ordnungsgemäss vorgeladen (Vorladungen an den Beschuldigten samt Empfangsscheinen vgl.”
“Die Säumnisfolgen im Berufungsverfahren unterscheiden sich von denjenigen im erstinstanzlichen Verfahren (Art. 366 ff. StPO). Im Gegensatz zum erstinstanzlichen Verfahren findet im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 407 Abs. 2 StPO ein Abwe- senheitsverfahren gemäss Art. 366 ff. StPO nur dann statt, wenn die Staatsanwalt- - 6 - schaft oder die Privatklägerschaft Berufung erhoben haben. In diesem Fall muss die Verhandlung ein erstes Mal verschoben werden, und es kann erst am zweiten Termin ein Abwesenheitsurteil gefällt werden, gegen welches unter den Voraussetzungen des Art. 368 StPO ein Gesuch um neue Beurteilung eingereicht werden kann. Hat hin- gegen die beschuldigte Person Berufung erhoben und bleibt sie der Berufungsver- handlung unentschuldigt fern und lässt sie sich (ausser in Fällen der amtlichen oder notwendigen Verteidigung) auch nicht vertreten, gilt die Berufung gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO als zurückgezogen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2).”
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